Das Buch der Snobs von William Makepeace Thackeray

März 31, 2016



(Original: "The Snobs of England, by One of Themselves“), Manesse Verlag: Bibliografie  auf der Verlagsseite » , 464 Seiten,  gebunden,  Einzelband,   ★★★  4 Sterne
"Wo die Roben rauschen und wo man elegante Lässigkeit pflegt, da sind sie zu Hause, die Snobs. Mit Opportunismus gepaarte Überheblichkeit zeichnet sie ebenso aus wie die genaue Kenntnis des Adelskalenders und eine Heidenangst, nicht mehr Teil der High Society zu sein. Heute verbreiteter denn je und in aller Munde, wurde der Typus des arroganten Selbstdarstellers überhaupt erst mit diesem Buch berühmt. William Makepeace Thackeray beschrieb als Kolumnist der Londoner Satirezeitschrift «Punch» alle erdenklichen Arten von Snobs – dabei nie um eine Pointe verlegen. 2011 erschien im Manesse Verlag erstmals eine vollständige Übersetzung seiner vergnüglichen «Snobologie», die wir wegen des großen Erfolgs nun in neuer Ausstattung vorlegen."



MEINE MEINUNG | FAZIT

"
Zuerst wurde die Welt erschaffen; dann ganz selbstverständlich die Snobs. Sie existierten seit vielen Jahren, waren jedoch ebenso unbekannt wie Amerika. Aber plötzlich - ingens patebat tellus - gewahrten die Menschen dunkel, dass es solch eine Rasse gab." S. 9

"Das Buch der Snobs" wurde 1846 / 1847 im Original veröffentlicht. Man kann das Buch also sicherlich zu den gut bekannten Klassikern zählen. Nun würde man vielleicht denken, dass das Buch dadurch etwas "verstaubt" wirkt, beziehungsweise in seiner Bedeutung nicht mehr aktuell ist. Dem kann ich nur entgegenwirken. Thackerays Werk skizziert so viele verschiedene Typen von Snobs, die man überall, zu jedem Zeitpunkt im heutigen Leben vorfinden könnte, auch wenn man gewisse Gesellschaften in die Neuzeit interpretieren müsste. Mir gefiel jedoch die Tatsache, dass man nicht nur eine ironische Beschreibung jeglicher Snobs vorgesetzt bekommt, sondern auch einen Einblick in die damals noch vorhandenen Etiketten und andere gesellschaftliche Gepflogenheiten bekommt. Ich muss zugeben, ich habe für das Buch ein wenig länger gebraucht und habe auch vielleicht ein oder zwei Kapitel übersprungen, aber nur, weil ich mir sicher bin, dass man immer mal wieder in das Buch rein lesen kann. Das Buch besteht nämlich nicht aus zwingend zusammenhängenden Kapiteln, die eine Geschichte erzählen, sondern ist aufgeteilt in die Arten von Snobs und ihre "Vorkommnisse", so wie zum Beispiel: Kapitel 5: Was Snobs bewundern, Kapitel 8: Große City Snobs oder Kapitel 16: Über Literarische Snobs. Durch ein hinten angelegtes Inhaltsverzeichnis kann man so immer mal wieder in das Büchlein hinein blättern und Thackerays spitzzüngige Kommentare zur Gesellschaft erkunden. Ich glaube sogar es ist ganz hilfreich, wenn man sich immer mal wieder kleine Pausen setzt, um mit neuer Aufmerksamkeit den weiteren Kapitel folgen zu können. Zudem sind auch die Kapitel damals nacheinander in einer Zeitung erschienen, was den Lesefluss (auf Grund von zeitlichen Pausen) deutlich angenehmer macht.

"Und wie es für ein verzogenes Kind sehr schwer ist, der Selbstsucht und Anmaßung zu entgehen, so ist es wahrlich eine schwierige Aufgabe für ein verzogenes Glückskind, kein Snob zu werden."
S.75

Natürlich gibt es auch hier Fußnoten, die als Anhang im hinteren Teil des Buches wiederzufinden sind. Sollten Begriffe also unklar sein, kann man sie dort nachschlagen. Sicherlich fehlt einem ab und an einiges an Hintergrundwissen, im Großen und Ganzen aber kann man allen genannten Themen die Thackeray beschreibt, problemlos folgen. Mir gefiel an dem Buch aber grundsätzlich das gesamte Konzept. Wer sich also auch gerne mit einer etwas "älteren" Ausdrucksweise auseinandersetzt und gerne zu Klassikern greift, der wird mit diesem Buch nicht enttäuscht zurückbleiben. Es ist unterhaltsam geschrieben, bietet viel Diskussionsbedarf und ist herrlich ironisch. Ich mag Thackerays Formulierungen, seine Art, wie er Dinge, die ihm nicht passen, passend macht (mit Augenzwinkern) und Ansichten so verdrehen kann, dass man ihm beinahe alles abkaufen würde.
Da ich die Gestaltung eines Buches nie außer Acht lassen kann, muss ich an dieser Stelle ein Lob an den Manesse Verlag aussprechen. Ich finde die Leinenfassung wunderschön und auch ziemlich passend.

"Ich weiß, dass man es selbst in der feinsten Gesellschaft gebraucht. Und warum auch nicht? Versnobtheit ist geschmacklos - der bloße Begriff ist es nicht; was wir Snob nennen, wäre unter jedem anderen Namen immer noch versnobt." S. 182

Tolles Werk der Weltliteratur, der mit ironischem Anklang, der damaligen Gesellschaft den "Spiegel vorhalten" und sie zugleich aufrütteln wollte. Jegliche Arten von Snobs werden in verschiedenen Kategorien unter die Lupe genommen und Thackeray schafft es, dem Leser,  sein Anliegen, mit gutem Erzählstil vorzutragen. Man sollte das Buch allerdings nicht in kurzer Zeit runterlesen, sondern die kurzen Kapitel lieber mit Pausen "genießen". Ein Nachwort und die zusätzlichen Fußnoten sorgen für besseres Verständnis zu den Hintergrundinformationen der damaligen Zeit.




Vielen lieben Dank an den Manesse Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!



Neuerscheinungen April

März 24, 2016
























Ostern steht vor der Tür und gleichzeitig neigt sich auch dieser Monat dem Ende zu. Auch im April gibt es wieder eine Menge interessanter Bücher, die ich euch gerne vorstellen möchte. Mir wird es wohl wieder kaum möglich sein, selbst alle Bücher zu kaufen und zu lesen, aber wenigstens kann ich mir immer sicher sein, dass es ein interessantes Buch gibt, das man im Hinterkopf behalten sollte, falls man wieder auf der Suche nach neuem Lesestoff ist. Ich habe das Gefühl, dass auch der April recht unterschiedlich ist, was die Genres betrifft. Aber sehen wir uns die Bücher mal im Detail an. Um nähere Informationen der jeweiligen Buchs zu erlangen, klickt einfach auf den Titel, dann gelangt ihr zu der offiziellen Verlagsseite inklusive Buchinfos.

Shylock von Howard Jacobson, Knaus, gebunden, 11.April
Howard Jacobsons Roman "J" hat mich damals nicht ganz losgelassen, sodass ich hoffe, dass auch dieses Buch zu einem besonderen Leseerlebnis werden könnte. Das Thema, Judentum, wird ja nun nicht gerade selten thematisiert, dennoch denke ich, dass Jacobson eine etwas andere Geschichte erzählen könnte.

Der Zirkus der Stille von Peter Goldammer, Atlantik, gebunden, 16. April
Definitiv eines der Bücher, auf die ich mich am meisten freue. Ein Zirkus bietet wirklich immer eine wunderbare Atmosphäre in Büchern, sodass sicherlich auch die Geschichte an sich das Potenzial hat, zauberhaft zu sein.

Die Maschine steht still von E.M. Foster, Hoffmann und Campe, gebunden, 14. Mai
Da war ich wohl etwas zu voreilig. Das Buch erscheint erst im Mai, also verschieben wir das hier an der Stelle mal.

Ist Shakespeare tot? von Mark Twain, Piper, laminierter Pappband, 01. April
Mit Mark Twain kann man nie etwas falsch machen. So musste das Buch automatisch auf meinen Merkzettel. Ein wenig Satire hat noch nie jemandem geschadet und Shakespeare ist nun auch kein uninteressantes Thema.

Wolken wegschieben von Rowan Coleman, Piper, Broschur, 01. April
Bereits "Einfach unvergesslich" hat mich dazu verleiten lassen, dass ich Colemans Geschichten unbedingt weiterverfolgen wollte. Ihr Folgewerk fand ich zwar auch ganz schön, leider nicht so gefühlvoll wie ihr Debutroman. Nun hoffe ich natürlich, dass dieses Buch für einige schöne Lesestunden sorgen wird.

Woody Allen - Ein ganz persönlicher Blick auf das Filmgenie von Natalio Grueso, Atlantik, gebunden, 16. April
Ich habe Woody Allens Prosawerke geliebt! Daher freue ich mich auf dieses Buch ebenfalls sehr! Viel muss man dazu wohl nicht sagen, denn es ist ein Buch, welches den Menschen vielleicht einfach nur eine neue Seite von Woody Allen zeigt. Ich bin wirklich sehr gespannt.

Der Weite Raum der Zeit von Jeanette Winterson, Knaus, gebunden, 11. April
"Jeanette Winterson spielt souverän mit Figuren und Handlung aus Shakespeares "Das Wintermärchen" und erzählt eine verblüffend moderne Geschichte über rasende Eifersucht, blinden Selbsthass und die tiefe Sehnsucht in uns, die Fehler der Vergangenheit wieder gut zu machen." Hört sich gut an, kam also sofort auf meinen Merkzettel!

Per Zeitmaschine durch die Geschichte von verschied. Autoren, Atlantik, gebunden, 14. Mai
Wieder einmal, im Monat verrutscht...

Broken Hill von Nicholas Shakespeare, Hoffmann und Campe, gebunden, 16. April
Klingt für mich nach einem gesellschaftskritischen Roman, der einen zum nachdenken anregen könnte. Von Nicholas Shakespeare habe ich bisher noch nichts gelesen, aber auch sein Roman "Priscilla" verweilt schon länger auf meinem Merkzettel.

It´s teatime my dear! von Bill Bryson, Goldmann, gebunden, 25. April
England ist für mich eines der interessantesten Länder, auch wenn die Kultur sich nicht wirklich von unserer unterscheidet. Ich mag jedoch die Atmosphäre und vor allem die britische Musik lässt mein Herz oftmals höher schlagen. Daher musste dieses Buch einfach auf meinen Merkzettel. England mit einem gekonnten ironischen Augenzwinkern kann man sich doch nicht entgehen lassen.

Wink. Poppy. Midnight von April Genevieve Techolke, Englisch, gebunden, 01. April
Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Buch bereits vor einigen Tagen erschienen ist. Über Thalia wird jedoch vermerkt, dass es erst am 1. April erscheint. Wie dem auch sei. Auch ein Jugendbuch hat es mal wieder in meine Neuerscheinungen geschafft. Nachdem ich mich doch etwas von dieser Richtung abgewandt habe, weil mir die Handlungdstränge mitlerweile zu uninteressant sind, habe ich mich doch in dieses Buch "Schockverliebt". Es hört sich einfach ganz schön für zwischendurch an, wenn man mal keine Lust auf zu tiefgehende Themen hat.

Mein letzter Sommer von Cesarina Vighy, Atlantik, gebunden, 16. April
Dieses Buch klingt für mich, nach einer Menge Gefühle und einem mitreißenden Schicksal einer starken Frau. Auch hier, habe ich es nicht ignorieren können, sodass es auf meinem Merkzettel landete.

Die hohen berge Portugals von Yann Mantel, S. Fischer, gebunden, 27. April
Roadtrips lassen das Fernweh immer ein wenig aufblühen. Manchmal braucht man das einfach. Und ich habe wirklich Lust, mit diesem Buch auf eine kleine Reise zu gehen. Werde ich sicherlich im Auge behalten, wenn es erscheint.
Ihr merkt, es wird wieder etwas umfangreicher, darum hier auch wieder die restlichen Neuerscheinungen mit den Verlinkungen, aber ohne zusätzlichen Kommentar! Auch hier gilt wieder: Die Bücher sind trotz fehlendem Kommentar nicht weniger interessant!

Das Zimmer von Jonas Karlsson,   Luchterhand, gebunden, 11. April
Jeder Tag ist Muttertag von Hilary Mantel,   Dumont, gebunden, 20. April
Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind von Jonas Jonasson, carl´s books, gebunden, 07. April
Im unwahrscheinlichen Fall von Judy Blume,   Heyne, gebunden, 18. April
Der Hund von Joseph O´Neill,   Rowohlt, gebunden, 22. April
Die Theorie vom Marmeladenbrot von Titou Lecoq,  Ullstein, gebunden, 15. April
Montana von Smith Henderson, Luchterhand, gebunden, 25. April




Memory Wall von Anthony Doerr

März 18, 2016



(Original: "Memory Wall" ) C.H. Beck Verlag: Bibliografie  auf der Verlagsseite (C.H. Beck Verlag) » ,  135 Seiten,  gebunden,  Einzelband,  ★★★() 3 bis 4 Sterne
"Unser Leben, unsere Welt werden durch unsere Erinnerungen zusammengehalten. Was geschieht mit uns, wenn wir sie verlieren, und welche Möglichkeiten tun sich auf, wenn andere unsere Erinnerungen wiederbeleben können? Der 74-jährigen Alma Konachek, die in einem Vorort von Kapstadt lebt, widerfährt genau dies. Sie verliert ihr Gedächtnis. Unbekannte brechen mehrfach in ihr Haus ein, auf der Suche nach Hinweisen zu einem spektakulären Fossilienfund ihres plötzlich verstorbenen Mannes. Denn Alma hat eine Wand voller Fotos, Gedächtnisstützen, Speichermedien, in der sich irgendwo der fehlende Hinweis zu dem gesuchten Fossil befindet."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Auf einer halben, aus einer Broschüre gerissenen Seite ist ein Satz mehrfach zittrig unterstrichen: Erinnerungen sind nicht in den Zellen gespeichert, sondern im extrazellulären RaumS. 14

Memory Wall ist eine Novelle, bestehend aus hundertfünfunddreißig Seiten. Mir war also durchaus bewusst, dass das Buch die Charaktere und die Handlung nicht ins kleinste Detail beschreiben kann und sich so keine tiefere Gefühlswelt entwickelt, wie bei einem achthundert Seiten Werk. Nichtsdestotrotz finde ich, dass Anthony Doerrs kleines Werk durchaus Potenzial hat. Wenn man Bücher mag, die einem einen Denkanstoß geben, ohne zu ausschweifend zu werden und sich mit den menschlichen Erlebnissen, wie auch dessen "Aufbewahrung" beschäftigen, dann ist das Buch sicherlich eine gute Wahl. Doerr erzählt eine Geschichte, die das Schicksal vieler verändert beziehungsweise beeinflusst und das nur, durch den Versuch an Erinnerungen zu gelangen. Soweit ich weiß (ich wäre zumindest sehr überrascht, wenn es doch so wäre), stützt sich Doerr auf eine Zukunftsvision, die weitreichende Folgen haben könnte. Dabei steht die Wiederbeschaffung der eigenen, wie auch anderer, Erinnerungen an erster Stelle. Als ich das Szenario in dem Buch mit verfolgt habe, wurde mir ganz "mulmig" zumute. Man geht schließlich davon aus, dass wenigstens die eigenen Erinnerungen nur einem selbst gehören. Doch was wäre, wenn andere diese ebenso abspielen könnten, wie einen Film? Ich lese normalerweise keine Science Fiction Literatur, sodass dieses Thema erst in Doerrs Werk, meine Beachtung geschenkt bekommen hat. Sicherlich haben sich schon andere mit solchen Themen auseinandergesetzt, aber ich mochte vor allem Doerrs klare Sichtweise und die harten Tatsachen, die folgen würden. Es gibt keine Ausschmückungen, sondern nur die Kette, die in Gang gesetzt wird, wenn solche Dinge möglich wären.

"Alte Menschen in Pflegeheimen, so wird berichtet, benutzen Erinnerungsgeräte wie Drogen und schieben die immer gleichen Kassetten in sie hinein [...]. [...] Sie lebt weniger in dieser Welt, als in einer synthetischen  Technicolor-Vergangenheit, deren vergessene Momente durch Kabel in sie dringen." S.25


Die Kapitel sind recht kurz, unterteilen sich aber in gut gegliederte Abschnitte. Einige Kapitel bauen dabei mehr Spannungen auf, als andere. Wobei ich die fließenden, ruhigen Passagen mochte. Durch die Länge des Buches, ist es wir gesagt schwer, alle Figuren richtig einzuschätzen und all ihre Absichten offenzulegen. Dennoch tendiert man schnell dazu, gewisse Protagonisten als sympathischer einzustufen. Ich war überrascht, dass mir Alma so unsympathisch war, denn man würde denken, sie wäre in der Geschichte diejenige, die das "harte Schicksal" zu erleiden hat. Die gesamte Konstellation der Figuren gefiel mir durchaus gut. Auch wenn einige nur am Rande erwähnt werden, spiegeln sie das Leben genauso wider. Die Kapitel werden nicht nur aus der Sicht einer Person erzählt, sondern sind ein Kollektiv aus allen Protagonisten. Sie formen und ergänzen die aufgeworfenen Bruchstücke der Erzählungen und Erinnerungen. Die Verknüpfungen der einzelnen Schicksale fand ich gut durchdacht und auch nachvollziehbar. Nach und nach werden dem Leser neue Fortschritte offenbart, die man hinterfragt und über die man, in Bezug auf sich selbst, nachdenkt. Mir gefiel auch der Aspekt, dass Doerr sich nicht nur auf die Idee mit den Erinnerungen beschränkt, sondern gleichzeitig die gesellschaftlichen Probleme in Kapstadt thematisiert. Das Buch bietet so eine weite Fläche an Anhaltspunkten, die zum Nachdenken anregen. Obwohl ich sagen muss, dass ich die Idee und die Umsetzung allgemein überzeugend und gut gelungen finde, hätte ich mir manchmal gewünscht, dass Doerr dieses Konzept nicht nur als kurze Novelle verfasst hätte. Denn das Thema bietet wirklich sehr viel Raum und Potenzial um wenigstens etwas weiter vertieft zu werden. Eines ist aber ganz sicher: Dem Leser wird durch die Lektüre sehr wohl bewusst, wie wertvoll Erinnerungen sind oder sein sollten.

"Das Leben einer alten Frau wird zum Leben eines jungen Mannes. Der Erinnerungsbeobachter wird zum Erinnerungsbewacher" S. 93

Stellt die Frage in den Vordergrund, wer wir ohne unsere Erinnerungen sind und wer wir sind, wenn wir uns der Erinnerungen anderer berauben. Trotz der Kürze an einigen Passagen sehr gefühlvoll. Hätte meiner Meinung nach aber auch das Potenzial gehabt, weiter ausgearbeitet zu werden. Als Lektüre für Zwischendurch und für neue Gedankenanstöße sehr geeignet.






Als Hemingway mich liebte von Naomi Wood

März 15, 2016



(Original: "Mrs. Hemmingway / ) Hoffmann und Campe Verlag: Bibliografie + Leseungstermine auf der Verlagsseite », 370 Seiten,  gebunden,  Einzelband,   ★★★★(☆)  4 bis 5 Sterne
"Im Sommer 1926 fahren Hemingway und seine Frau Hadley von Paris in ihr Haus in Südfrankreich. Sie verbringen ihre Tage mit Schwimmen, Bridge, Drinks und Hadleys bester Freundin Pauline. Dass sie zugleich Hemingways Geliebte ist, scheint Mrs. Hemingway Nr. 1 in Kauf zu nehmen - vorerst. Bald ist klar: Weder sie noch Pauline wird die letzte Ehefrau sein.
Basierend auf Briefen und anderen authentischen Quellen beschwört Naomi Wood nicht nur die immer wieder scheiternden Ehen des Schriftstellers herauf, sondern auch die Atmosphäre in den Kreisen der Bohème jener Zeit. Eine tragische, herzzerreißende, großartig erzählte Geschichte über das Scheitern vierer Frauen an einem charismatischen Mann und erfolgreichen Schriftsteller. "



MEINE MEINUNG | FAZIT

"Als sie sich wiedersahen, am Hafen von Boulogne-sur-Meer erklärte sie, sie werde den Rest ihres Lebens nicht mehr von ihrer Seite weichen. Erst später wünschte sie sich, er hätte ihr dasselbe versprochen." S. 144

Ernest Hemingway. Jeder kennt ihn und seine Werke. Alle feiern ihn und möchten mehr über den großartigen Schriftsteller erfahren. Aber es gab in seinem Leben vier Damen, die zusammen eine so vielfältige Geschichte erzählen, die sich ebenfalls lohnt gelesen zu werden. Bei den Damen handelt es sich um seine vier Ehefrauen. Dieses Werk von Naomi Wood nimmt Bezug auf die Übergänge der Ehen und die Gefühlswelten der Frauen. So ist die Geschichte, trotz einiger zeitlicher Überschneidungen, chronologisch angeordnet und widmet jeder Ehefrau ein ganzes Kapitel. Dabei ist jedes Kapitel für sich, eine eigene Welt. Als Leser wechselt man zwischen den verschiedenen Gefühlslagen und den Schicksalen, auch wenn sie sich in einigen Dingen sehr ähneln. Jede Frau verkörpert aber ein anderes Lebensgefühl. Nicht zu kurz kommt hierbei aber auch der Bezug zu Ernest Hemingway, auch wenn er als der Lebenspartner angesehen wird. Als Leser spürt man die Inspirationen, die Hemingway aus den Ehen gezogen hat. Mir kam das Werk "ruhig" vor, trotz der Höhen und Tiefen, die alle miterlebt haben. Die Sprache drängt sich einem nicht auf, man wird schlichtweg auf eine Reise durch die Vergangenheit mitgenommen. Ironie, Tragik, aber auch lebensbejahende Momente prägen die Geschichte. Im Vordergrund stand für mich deutlich, die Gefühlwelt der Protagonistinnen. Die Handlung spielte eine untergeordnete Rolle. Es geht um die Entwicklungen, die Hemingway, wie auch seine Frauen durchlebt haben und auch die Sehnsüchte, die alle mit sich trugen. Dennoch findet man auch in den zeitlichen Kontexten, in denen sich die Ehen befanden, einige schöne, wie auch ernste Impressionen des geschichtlichen Hintergrundes wieder.

"Keiner sagte etwas. Ach ja, sie hat vergessen, dass Erfolg sich entweder mühelos einstellt oder gar nicht. Es muss stets spielerisch bleiben. Eine immerwährende Cocktailstunde. Als bestünde das Leben nur aus schmachtender Jugend oder ständigem Vergnügen. Harte Arbeit war nichts für Leute von ihrem Schlag." S.87


Das Werk hat für mich definitiv etwas Großartiges geleistet. Man beginnt die ersten Seiten zu lesen und erwartet einen einfachen "Abtausch" der Ehefrauen, eine eher schlichte Geschichte über die gescheiterten Beziehungen eines großen Schriftstellers. Aber das Buch schafft es, die Frauen in den Fokus zu stellen und dabei von Kapitel zu Kapitel die Emotionen in eine ganz eigene Richtung zu lenken. Besonders am Ende war ich unfassbar gerührt und habe mich doch gefragt, was die Liebe aus uns allen machen kann und vor was sie uns beschützen oder nicht beschützen kann. Das überraschende für mich war, dass ich mir bei jedem Kapitel gewünscht habe, dass die Ehe halten würde. Und obwohl Hemingway bei der ganzen Sache nicht wirklich gut wegkommt, empfindet man für ihn stets dieses Gefühl, das man wohl für alle großen Schriftsteller hegt, die in ihrem Leben nach etwas Bestimmten gesucht und es scheinbar nie wirklich gefunden haben.  Es ist beinahe ein Gefühl des Bedauerns. Ich finde Naomi Wood hat ein so wunderbar authentisches, wie auch unterhaltsames, melancholisches und auch trauriges Werk geschaffen, das man lesen sollte, wenn man nicht die typischen Biographien über Hemingway lesen möchte. Interessant fand ich auch, dass im Anhang viele Quellen genannt werden, bei denen man sich noch zusätzliche Informationen, wie zum Beispiel Bilder der Ehefrauen etc. ansehen kann.  Als kleinen Tipp hätte ich noch das Buch "Der Sommer, in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte" anzuführen. Ich habe es kurz vor dieser Lektüre gelesen und habe dadurch einen sehr schönen Einstieg in das Buch gefunden, da vor allem der Sommer in Antibes thematisiert wird. Auch wenn der Fokus bei der anderen Geschichte eher bei den Fitzgeralds lag, kann man sich die Atmosphäre präsenter vorstellen.

"Ernest hätschelte sein Andenken an Hadley wie ein Baby. Fife hingegen beschimpfte er als Teufelin. Nach dem heutigen Tag fragte sich Martha, was sie einmal sein wird." S. 192 

Eine chronologische Darstellung der Ehen Hemingways, allerdings auf eine sehr spezielle und gefühlvolle Art.  Deutlich aufbauende Vertrautheit und Gefühlswelt der Protagonisten. Eine Hommage an Hemingway, aber eher eine Bestätigung und eine Begeisterung für die Ehefrauen,  die an seiner Seite waren und ihn unterstützt haben. Es wird ein sehr außergewöhnliches Leben skizziert, welches den Leser aber nicht unberührt lässt.



Schischyphusch oder der Kellner meines Onkels von Wolfgang Borchert

März 11, 2016





(Original: "Schischyphusch") Atlantik, 64 Seiten mit Illustrationen, ★★★  4  Sterne
"Der Onkel groß, laut, reich, satt; der Kellner klein, blass, verbittert, verängstigt. Was die beiden Männer eint, ist ihr Sprachfehler. An einem sonnigen Sommertag geraten sie in einem Gartenlokal aneinander, jeder glaubt, vom anderen nachgeäfft und verhöhnt zu werden. Der selbstbewusste Onkel ist empört über das frevelhafte Verhalten des Kellners, der Kellner nimmt die Demütigung hin, so wie er es schon sein ganzes Leben lang gewohnt ist, und der Erzähler wird Zeuge einer Begegnung zweier Welten. Am Ende hat der Kellner einen Freund fürs Leben gefunden. Wolfgang Borcherts wohl rührendste Erzählung, liebevoll illustriert von Birgit Schössow. "


MEINE MEINUNG | FAZIT

"So standen sie nun und sahen sich an. Beide mit einer zu kurzen Zunge, beide mit demselben Fehler. Aber jeder mit einem völlig anderen Schicksal."

Vierundsechzig Seiten, Illustrationen und eine Geschichte, die zunächst ganz lustig erscheint. Der Neffe des besagten Onkels erzählt nämlich, wie der Kellner und sein Onkel aufeinandertreffen. Dadurch wirkt die Geschichte natürlich an einigen Stellen etwas naiv, beziehungsweise die Sprachwahl ist etwas verspielt.  Allerdings wird auch deutlich, dass der Text unter der Oberfläche Themen anspricht, die zwar auf unterhaltsame Weise geschildert werden, aber dennoch eine wichtige Aussage vermitteln wollen. Borchert gilt bekanntlich als einer der wichtigsten Autoren der Nachkriegsliteratur. Auch in diesem Buch findet man Hinweise auf Bezüge zum Krieg. Nicht zuletzt durch die, doch sehr unterschiedliche Weise, wie beide Charaktere zu ihrem Sprachfehler gekommen sind. Der Kellner besitzt den Sprachfehler von Geburt an, der Onkel jedoch wurde im Krieg verwundet. Deutlich zu erkennen sind dadurch auch die Unterschiede in den Verhaltensweisen, wie beide damit umgehen. Ich muss zugeben, bei dem ersten Lesedurchgang habe ich die Geschichte als unterhaltsame Anekdote angesehen. Daher habe ich beim zweiten Versuch auf ganz andere Dinge geachtet. So wird dem Leser schon deutlich, dass vielleicht die ein oder andere Interpretation notwendig ist, um den eigentlichen Kern zu erkennen. Sicherlich ist der Text aber keineswegs traurig, im Gegenteil. Er soll vor allem Mut spenden, um die eigenen Schwächen, als Stärke auszuarbeiten. Natürlich wird auch das Aufmunternde dadurch verstärkt, dass es um die Erzählung einer, sich später entwickelten Freundschaft handelt. So ist das kleine Büchlein sicherlich mit humoristischen Elementen ausgestattet und unterhält den Leser in erster Linie.

"Tausendmal am Tag bei jeder Bestellung an jedem Tisch, bei jedem >> bitte schehr<< kleiner, immer kleiner geworden. Die Zunge, gigantischer unförmiger Fleischlappen, die viel zu kurze Zunge, formlose zyklopische Fleischmasse, plumper unfähiger roter Muskelklumpen, diese Zunge hatte ihn zum Pygmäen erdrückt: kleiner, kleiner Kellner!"

Beide Figuren vermitteln jedoch gegensätzliche Typen in der Gesellschaft. Der Kellner wird immer als klein und unscheinbar beschrieben. Er muss andere Leute bedienen und steht sozusagen im Schatten anderer (nicht zuletzt eben auch durch den angeborenen Sprachfehler). Der Onkel hingegen wirkt selbstsicher, ist laut und offen. Er ist der Held, der aus dem Krieg mit Verletzungen zurückgekommen ist. Zudem tritt noch das Symbol des Sisyphus auf (nicht nur im eigentlichen Text, sondern auch im Titel), der auf gewisse Charakterzüge des Kellners hinweisen soll. Man kann die Geschichte durchaus so auslegen, dass sie stets um den Kern der Freundschaft und der Verbundenheit kreist, aber ich denke, dass man auch zwischen den Zeilen einige Anspielungen auf andere Themen findet. Dabei habe ich den Text aber so empfunden, dass man als Leser sehr stark selbst interpretiert und sich die entscheidenenden Elemente der Geschichte selbst zusammensetzt. Daher denke ich, dass die Geschichte neben der Unterhaltung sehr vielfältig und auch sprachlich mit vielen bildlichen Elementen versehen ist. Die Sprache der beiden Figuren deutet den Sprachfehler nicht nur an, sondern in der wörtlichen Rede, wird der S-Fehler stets aufgegriffen und miteinbezogen.
Zu den Illustrationen muss ich kaum noch etwas hinzufügen, denn sie sprechen quasi für sich. Ich finde, sie sind eine wunderschöne Ergänzung zu der Geschichte, auch wenn ich mich manchmal gefragt habe, ob die Handlung dadurch nicht zu oberflächlich wirkt. Jedoch passt sie wunderbar in Bezug auf den Erzähler, nämlich den Neffen, der schließlich alles aus seinem Blickwinkel darlegt.

"Schischyphusch war nämlich mein Schpitschname. Ja, in der Schule schon. die ganzsche Klasche nannte mich scho." 


Tolle, illustrierte Ausgabe einer liebevollen Kurzgeschichte. Ist heiter und thematisiert eine aufblühende Freundschaft zweier Männer, die mit demselben Sprachfehler zu "kämpfen" haben. Mir gefiel das Zusammenspiel aus Text und Gestaltung, da die Geschichte dadurch verschiedene Blickwinkel eröffnet. Der Text an sich ist zwar schon bekannt, wirkt aber in dieser Ausgabe lebendiger denn je.








Vielen lieben Dank an den Atlantik Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


 

Zombie Wars von Aleksandar Hemon

März 03, 2016





(Original: "The Making of Zombie Wars)  320 Seiten,  gebunden,  Einzelband |  ★★★()☆ 3 bis 4 Sterne
Bibliografie auf der Verlagsseite (Knaus) »
"Chicago 2003. Joshua Levin, wohlstandsverwöhntes Kind einer orientierungslosen Generation, lässt sich durch seine Mittdreißiger treiben. Seine einzige Leidenschaft gilt dem Drehbuchschreiben. Mit einer Persiflage auf die Trashkultur und Allmachtsfantasien Amerikas, das sich gerade auf eine weitere Invasion des Irak vorbereitet, will er den Durchbruch schaffen. Doch gerade, als ihn die Inspiration zu einer vielversprechenden Skriptidee ereilt – „Zombie Wars“ – gerät sein Leben aus den Fugen: Nicht nur sein kriegstraumatisierter Vermieter, sondern auch ein eifersüchtiger Ehemann haben es plötzlich auf ihn abgesehen. Joshua hat alle Hände voll zu tun, um seinen Hals zu retten – und wird zu einem Antihelden, wie er ihn selbst nicht hätte besser erfinden können."



MEINE MEINUNG | FAZIT

"Was war das nur mit Jungs? Wie kam es, dass sie so schnell und mit solch einer Selbstverständlichkeit in den Zustand der Verdorbenheit rutschten?" S. 76

Ich kann die positive Kritik an Hemons Buch nachvollziehen, wenn gesagt wird: "In seinem neuen turbulenten Roman dringt Aleksandar Hemon tief in die Seele seiner Wahlheimat Amerika und hält ihr provokant und erzählerisch brillant den Spiegel vor." oder auch, dass die New York Times betitelt: „Hemon kann einfach keinen langweiligen Satz schreiben.“ Ich habe mich in der Tat an keiner Stelle gelangweilt und habe so viele gute Zitate gesammelt, dass ich das Buch hätte eigentlich viel höher bewerten müssen. Denn ich mochte den Grundansatz und die gesamte Idee an diesem Werk. Allerdings scheint Hemon Amerika so "pervers" darzustellen wollen, dass mir manchmal der eigentliche Spaß am Lesen abhanden gekommen ist, da er wirklich an vielen Stellen eine, mir persönlich, zu derbe Sprache verwendet, die das Buch in eine Richtung lenkt, die gar nicht hätte sein müssen. Ich verstehe, dass dadurch der Charakter des Buches, wie auch des Protagonisten stärker durchschimmert und man die Provokation raushört. Aber mir war es schlicht und einfach irgendwann zu viel (Dies ist aber definitiv Geschmackssache). Dennoch sticht das Buch durch seine kreative Strukturierung heraus. Natürlich, Drehbuch-passagen sind nichts komplett Neues und Zombiefilme sowieso nicht (was im Buch ebenfalls auf humorvolle Weise transportiert wird). Aber, es gibt einige Tricks, mit denen Hemon es schafft, das Buch besonders zu machen. Ohne zu viel vorweg zu nehmen und auf die Gefahr hin, dass ich es falsch interpretiert habe, fand ich vor allem das Ende sehr gut. Dort wird durch das Vertauschen der Schreibstile eine ganz neue Sicht auf die Geschichte ermöglicht. Zudem gibt es Einschübe des Skripts zu "Zombie Wars", die nur wenige Seiten lang sind und kleine Satzeinschübe, die mit "Skript-Idee #25" etc. angeführt sind und in denen der Protagonist neuen Ideen für seine Filme freien Lauf lässt, natürlich inspiriert vom wahren Leben. Diese Stellen fand ich hervorragend, da sie voller Ironie und Sarkasmus gefüllt waren.

"George W. Bush sprach in die Kamera, und seine Miene war so aufrichtig, dass es eindeutig war, dass er log, während seine Knopfaugen vor amateurhafter List leuchteten. Nur wahrhaft große Männer sind begabt im schamlosen Lügen, dachte Joshua. Dieser Typ aber überspannte den Bogen allzu deutlich.
" S. 29

Das Buch zeigt deutliche Kritiken an Amerika auf. Die Handlungen spielen aber in der Zeit um 2003 herum, so dass eben noch die Fernsehpräsenz des damaligen Präsidenten George W. Buch eingefangen wird oder andere zu der Zeit wichtige Gesellschaftsauswirkungen. Der Hauptcharakter Joshua Levin war für mich ein wahres "Hin und Her". Mal mag man ihn mehr, mal weniger. Er ist ein sehr schwunghafter Charakter und verurteilt seine Mitmenschen sehr schnell. Die Beziehung zu seinem Vermieter ist etwas kurios. Sie unterhält definitiv, aber man denkt sich während des Lesens nur, wie verrückt das alles klingt, was ihnen zustößt. Es gibt allerdings einige Eigenschaften und fortlaufende Symbole die der Protagonist aufwirft. So spielt vor allem auch für ihn die Frage nach dem "Zuhause" eine wichtige Rolle. Wann fühlt man sich zu Hause? Gibt es überhaupt so etwas wie einen Ort, an dem man sich wohl und wie man selbst fühlt? Und kann man sich vor allem auch als Migrant in einem neuen Land einleben? Joshua hat zudem einen Faible für guten Wein, tut sich aber ständig schwer damit, diesen in seinem Leben zu finden. Auch hier wird der Leser mehrmals darauf hingewiesen, dass das Buch auf tiefgehende Themen eingeht, die an der Oberfläche nicht so offensichtlich sind. Mir fiel aber eben auch auf, dass der Autor sehr auf die derbe Sprache gesetzt hat und das Buch dadurch einen "typisch männlichen" Touch bekommt. Für Frauen wie mich, kann das manchmal etwas abschreckend wirken. Wird man sich aber bewusst beziehungsweise sieht man darüber hinweg, ist das Buch sicherlich mal etwas anderes und hat auch seine nachdenklichen Passagen. Einige allerdings kann man nicht immer ernst nehmen, da sie von der sarkastischen Ader des Protagonisten ebenfalls wirken, als wolle der Autor diese philosophischen Ansätze auf die Schippe nehmen. Generell tauchen viele Problemsituationen und Figuren auf, die das Geschehen ordentlich aufwirbeln und so für eine ständige Entwicklung sorgen. 

"Jedes Schloss im Königreich Chicagoland verfügt über einen Fernseher, einen Kühlschrank und einen Extravorrat Wahnsinn." S.141
_____________________________________________________________________________________

Zusammenspiel zwischen der eigentlichen Romanhandlung und Einschüben des Werkes "Zombie Wars", des Protagonisten Joshua Levin. Derbere Sprache und somit stereotypisierte "typisch männliche" Attribute. Dennoch ist die Art beziehungsweise der Schreibstil originell und greift auch im Inhalt wichtige Themen auf. Gute Verknüpfung des "Zombie-Elements" beider Werke. Wer also über die manchmal starke Ausdrucksweise hinwegsehen kann, oder sich daran nicht stört, kann mit einer ganz speziellen Geschichte rechnen, die sich mit den (amerikanischen) gesellschaftlichen  Ansichten, wie auch den Problemen beschäftigt und gleichzeitig das Leben eines (ruhelosen) Drehbuchautors skizziert.




Vielen lieben Dank an den Knaus Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!