Lesemonat September

September 30, 2015

Der September brachte so einige interessante, literarische Sachen mit sich. Ich habe mich an mein erstes Hörbuch gewagt und durfte mich an einem neuen Buch, eines meines Lieblingsautors erfreuen. Es hätte also tatsächlich schlechter laufen können. Insgesamt habe ich ganze elf Bücher gelesen und eben auch eines gehört. Angefangen habe ich zudem auch noch ein weiteres. Man kann sich ja meist nicht beherrschen, wenn es darum geht sofort wieder ein neues Buch anzufangen. Leider ist es mir nicht gelungen mehr als ein englisches Buch zu lesen. Es bleibt wohl die ewige Kategorie, die ich gerne immer etwas mehr ausarbeiten würde... Nun aber mal zu den näheren Informationen, was die Bücher anbelangt.
Für vorhandene Rezensionen, den Titel anklicken...

"In Andrews Kopf" von E. L. Doctorow Das Buch musste ich sofort bei Erscheinen haben. Manchmal gibt es einfach Bücher, die einen nicht loslassen wollen. Und was soll ich sagen, auch der Inhalt konnte mich hier überzeugen.

"Bonjour Tristesse" von Francoise Sagan (Englisch) Mein einiges englisches Buch diesen Monat war dieser Klassiker. Zunächst war ich mir gar nicht so sicher, was ich davon halten sollte. Im Rückblick hatte ich das Gefühl, dass das Buch wirklich sehr melancholisch war. Aber ich bin mir zudem dennoch sicher, dass ich es irgendwann noch einmal lesen werde. 

"Bis ans Ende der Geschichte" von Jodi Picoult Viele waren der Ansicht, dass das Buch viel zu vorrausschauend war. Ich bin der Meinung das ist überhaupt kein Kritikpunkt an der Geschichte. Bei diesem Inhalt zählt für mich definitiv nicht die Chance, dass man weiß, wie es ausgeht, sondern die Kraft an Emotionen, die es mit sich bringt. Und ich fand es dadurch sehr gelungen. Es hat mich wirklich sehr berührt und an der ein oder anderen Stelle kamen mir die Tränen, weil es unfassbar ist, was Menschen ertragen mussten. Und auch wenn dies nur eine fiktive Sicht der Figuren ist, es gab diese Schicksale dennoch und dadurch wird das Buch wirklich zu einer ganz emotionalen Angelegenheit. 

"Tod in Weimar" von Dominique Horwitz Mein Fazit nach etwas Abstand: Ich hätte mir etwas mehr erwartet. Ja, der Spruch ist universell, aber lasst es mich so sagen: Mir fehlte der Witz an der Sache. Die Gruppe der Senioren hat sicherlich seine charakteristischen Züge, aber es wirkte oft zu gewollt und oftmals beinahe schon übertrieben, was die sexuellen Anspielungen angeht. Es gab dennoch einige gute Stellen, die unterhalten. Alles in allem aber bleibt es ein Buch, das sich für mich nur im unteren Mittelfeld befindet. 

"Zwanzig Zeilen Liebe" von Rowan Coleman Ihren ersten Roman "Einfach unvergesslich" habe ich geliebt. Da hat einfach alles gepasst, auch wenn er vielleicht zu den typischen "Frauenromanen" zählt. Und wie das bei so einem starken Erstling ist, haben es die Folgebücher manchmal etwas schwerer. Daher konnte mich dieses Buch nicht vollkommen überzeugen, gefallen hat es mir aber dennoch ganz gut. 

Billy von einzlkind Einer meiner liebsten Autoren ist "einzlkind", auch wenn nicht viel über ihn bekannt ist. Seine Bücher haben aber immer etwas Freches und Unberechenbares. Seine Protagonisten sind speziell und dennoch meist liebenswert. Daher musste auch "Billy" unbedingt bei mir einziehen. Auch dieses Buch hat mich wieder einmal vollkommen überzeugt. Ich finde diese philosophische Spielerei in dem Buch großartig und kann es kaum erwarten, bis das nächste Buch erscheint. 

Greenwash Inc. von Karl Wolfgang Flender
Nachts in Vals von Tim Krohn
Was uns bleibt ist jetzt von Meg Wolitzer
Ein ganz neues Leben von Jojo Moyes
Das Licht der letzten Tage von Emily St. John Mandel

Gab es in eurem Monat besonders gute oder besonders schlechte Bücher?




Das Licht der letzen Tage von Emily St. John Mandel

September 29, 2015




Titel: "Das Licht der letzten Tage" | Original: "Station Eleven" | Autor/in: Emily St. John Mandel | Piper [klick]| Seitenanzahl: 416 | Broschur | Einzelband | ★★★★   5 von 5 Sternen
Original-Klappentext: "Hoffnungsvoll düster, schrecklich zart und tragisch schön.
Niemand konnte ahnen, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Ein Wimpernschlag, und sie ging unter. Doch selbst jetzt, während das Licht der letzten Tage langsam schwindet, geben die Überlebenden nicht auf. Sie haben nicht vergessen, wie wunderschön die Welt war. Sie vermissen all das, was einst so wundervoll und selbstverständlich war, und sie weigern sich zu akzeptieren, dass alles für immer verloren sein soll. Auf ihrem Weg werden sie von Hoffnung geleitet – und Zuversicht. Denn selbst das schwächste Licht erhellt die Dunkelheit. Immer."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Und in diesem Moment hatte Jeevan plötzlich das todsichere Gefühl, dass dies hier, diese Krankheit, die Hua ihm beschrieben hatte, eine Trennlinie zwischen einem Vorher und einem Nachher bedeuten würde, die durch sein Leben lief." S. 31

Sich vorzustellen ein Endzeitszenario miterleben zu müssen ist für wahrscheinlich alle Menschen eine der grausamsten Gedanken, die es mitunter geben kann. Was geschieht dann mit unserer Welt, wie wir sie kennen? Kann man sich und seine geliebten Menschen retten? Gibt es überhaupt ein Entkommen? Genau mit solchen Gedanken setzt sich Emily St. John Mandel in ihrem Roman auseinander. Es ist kein gewöhnliche Roman. Er enthält eine Apokalypse, die sich beim lesen so echt anfühlt, dass man manchmal hofft, dass zwischen dem Lesen ein Geräusch wahrzunehmen ist, damit man weiß, dass man sich nicht auch in der Situation befindet. Die Geschichte erstreckt sich über eine lange Zeitspanne, sodass man die uns bekannte Welt miterlebt und gleichzeitig in eine ganz neue Zeitrechnung eintaucht. Ihr Schreibstil ist von Anfang an sehr speziell, sodass man direkt in die bestimmte Atmospähre hineinfindet, dass etwas geschehen wird und dass eine, schon beinahe melancholische Stimmung aufgebaut wird. Es gibt viele Details, die gekonnt in Szene und in Verbindung gesetzt werden. Nach und nach verbinden sich demnach auch die Schicksale der Protagonisten. Dies geschieht auf eine wirklich spannende und einnehmende Weise. Im Vordergrund steht immer ein Comic, welcher den Namen "Das Licht der letzten Tage" trägt und welcher für viele der Charaktere eine wichtige Rolle spielt. Natürlich in der veschiedensten Art und Weise.

"Die Hölle ist die Abwesenheit von Menschen, nach denen man sich sehnt." S.177

Ich fand die Zusammensetzung der Geschichte wirklich großartig. Eigentlich wird stets geschildert, wie die überlebenden Menschen, die der Katastrophe, sprich der Grippe, entkommen konnten, nun versuchen ihr Leben fortzuführen. Man könnte annehmen, dass es einen schlichten Tagebuchcharakter annehmen könnte. Dem ist aber nicht so. Man wird als Leser wirklich mit der Frage konfrontiert, wie würde man selbst mit solch einer Situation umgehen? Wäre man in der Lage seine Familie zu retten? Hätte man überhaupt die Chance dazu? Denn es werden auch Situationen geschildert, in denen die Grippe so schnell ihren Umlauf gefunden hat, dass nicht einmal die Möglichkeit für ein letztes Telefonat gereicht hat. Es ist wirklich eine sehr beängstigende Vorstellung, die Mandel erschafft und in eine dennoch schöne Geschichte verwandelt, die ein Licht am Horizont aufzeigt, nicht zuletzt dadurch, dass die scheinbar zunehmend barbarischen Verhaltensweisen ein Ende haben könnten, wenn die Menschen sich bewusst werden, dass der Zusammenhalt das Entscheidende ist. Genau dieser Aspekt wurde für mich durch den Charakter des "Propheten" sehr gut umgesetzt. Allein die Entwicklung und die wahre Idenittät des Charakters war für mich wirklich gut herausgearbeitet.

"Die steigende Helligkeit der Sterne bedeutete, dass das Stromnetz ausfiel und Dunkelheit sich über die Erde ausbreitete. Ich war dabei, als die Elektrizität zu Ende ging. Der Gedanke jagte Clark kalte Schauer über den Rücken." S. 305

Die komplette Atmosphäre durch die Beschreibung des veränderten Habitats der Protagonisten und der allgemeinen Veränderung der Infrastruktur, (Über-)Lebensweise und "Wohnsituation" hat mich wirklich überzeugt. Manchmal war es sogar beängstigend real, sodass man sich wünscht, dass sich eine solche Situation nie wirklich zutragen wird. Was ich ebenfalls gelungen fand, war der rote Faden, der sich durch das Buch gezogen hat und alles stimmig erscheinen ließ. Dieser besteht daraus, dass die Symbolik des Lichts und der Dunkelheit fortwährend aufgegriffen wird und in einen plausiblen Kontext gesetzt wird. Mir hat das verfolgen der Schicksale und die Entwicklung der Charaktere, die über einen langen Zeitraum erzählt wird wirklich "Spaß" gemacht. Es war interessant und hatte für mich den gewünschten, tieferen und verschachtelten Sinn im Zusammenhang zu allen Protagonisten.
_____________________________________________________________________________________

Komplexe Geschichte, die sich über mehrere Jahrzenhte erstreckt ohne langweilig zu werden. Eine Endzeit, die durch viele spezielle Charaktere beschrieben und mit besonderen Geschichten gefüllt wird, die sich ergänzen und zusammengehören. In sich stimmig und für mich ein "Page-turner". Bietet nach dem lesen wirklich viel Gesprächsstoff.

Vielen lieben Dank an den Piper Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Thementag #29: Eselsohren und Leserillen

September 28, 2015



Viele setzen sie bewusst. Vielen machen sie nichts aus. Und für einige sind sie das Übel schlechthin. Die Rede ist von Eselsohren und Leserillen. Mir ist mit der Zeit aufgefallen wie gerne ich eigentlich Hardcover Bücher lese, denn diese neigen einfach nicht dazu die altbekannten Leserillen zu entwickeln. Besonders schlimm war es mit denen bei meinen beiden ersten Jojo Moyes Büchern, die ich damals zu Weihnachten geschenkt bekommen habe. Ich fing an zu lesen und mit der Zeit stellte ich fest, dass sich das Buch immer weiter ausbreitet. Als ich es dann zugeschlagen habe, hatte ich dieses komische Gefühl, dass ein Buch so nicht aussehen sollte. Mittlerweilse ist es bei mir manchmal sogar so schlimm, dass ich bei den Klappbrochuren eher meinen Kopf verrenke, als das Buch, damit es gut erhalten bleibt. Das mag für viele gar nicht verständlich sein, da es eben nur ein Buch ist. Dennoch ist es für mich als leidenschaftlicher Leser eine Sache, die mir nicht gefällt. Obwohl die Hardcover ausgaben etwas mehr kosten, hat man im Endeffekt mehr davon, wenn man nicht nur die Geschichte lesen will, sondern auch die Bücher als Teil seiner "Sammlung" wertschätzen möchte. 

Es gibt eben auch Leser, die ausschließlich an der Geschichte interessiert sind und keine Verbindung zum eigentlichen Buch, als Gegenstand sehen. Dann sind Eselsohren meistens an der Tagesordnung. Da jeder Leser schon erlebt hat, dass ihn manchmal die normalen Lesezeichen zur Weißglut treiben, weil sie gerne verrutschen oder in der Tasche verschwinden, kann ich es gut nachvollziehen, dass man die Eselsohren setzt. Als fanatischer "An mein Buch lasse ich nichts rankommen" Leser ist mir das Eselsohren setzen dennoch etwas unangenehm. Verknickt sich ein Blatt ausversehen beim umblättern würde ich im selben Augenblick gerne aufspringen und es bügeln. Klingt übertrieben? Stimmt, vielleicht ein wenig. Aber für mich sind Bücher etwas wundervolles! Und ich denke es kann nicht schaden, auch die nicht so wichtig scheinenden Gegenstände, wie Bücher gut zu behandeln, damit man vielleicht auch wertschätzt, dass dafür Bäume gefällt werden. 
Beim durchblättern alter Schulbücher setzt bei mir jetzt manchmal wirklich kurz das Herz aus, wenn ich sehe, wie viel ich dort manchmal reingeschrieben habe und wie die Bücher auseinanderfallen. Ich schaff es heutzutage nicht einmal meinen Namen in ein Buch zu schreiben. 

Letztenendes ist aber jeder Leser unterschiedlich. Einige machen sich nichts aus angeeckten Kanten, einem Riss oder Lesrillen.  Einigen wäre es definitiv lieber, wenn es diese Dinge nicht geben würde. Dennoch bleiben Bücher, für jeden der sie liest, aber etwas Besonderes.

Wie steht ihr zu Eselsohren und Leserillen? Stören sie euch oder ist für euch nur die Geschichte in dem Buch wichtig? 




Ein ganz neues Leben (Me Before You #2) von Jojo Moyes

September 26, 2015




























(Original: "After You"),  Wunderlich, Rowohlt [klick] , 528 Seiten,  Hardcover , Folgeband zu "Ein ganzes halbes Jahr" ,  ★★(★) 2 bis 3 Sterne
Original-Klappentext: "«Du hast mich mitten ins Herz getroffen, Clark. Vom ersten Tag an, an dem du mit deinen lächerlichen Klamotten hereingestapft bist. Du hast mein Leben verändert.»
Sechs Monate hatten Louisa Clark und Will Traynor zusammen. Ein ganzes halbes Jahr. Und diese sechs Monate haben beide verändert. Lou ist nicht mehr das Mädchen aus der Kleinstadt, das Angst vor seinen eigenen Träumen hat. Aber sie führt auch nicht das unerschrockene Leben, das Will sich für sie gewünscht hat. Denn wie lebt man weiter, wenn man den Menschen verliert, den man am meisten liebt? Eine Welt ohne Will, das ist für Lou immer noch schwer zu ertragen. Ein einsames Apartment, ein trister Job am Flughafen – Lou existiert, aber ein Leben ist das nicht. Bis es eines Tages an der Tür klingelt – und sich eine Verbindung zu Will auftut, von der niemand geahnt hat. Endlich schöpft Lou wieder Hoffnung. Hoffnung auf ein ganz neues Leben."
 

MEINE MEINUNG | FAZIT

"In London hört man immer ein Martinshorn" S.22

Lous Leben nach Wills Tod ist definitiv nicht so, wie sie es sich vorgestellt oder wie sie es Will versprochen hat. Dennoch ist auch diese Geschichte nicht von alltäglichen Schwierigkeiten und überraschenden Wendungen ausgeschlossen. Die meisten Charaktere in dieser Geschichte sind dem Leser schon bekannt. Wie eben Lou, ihre gesamte Familie und die Eltern von Will, die Traynors. Man denkt an wirklich vielen Stellen an den ersten Teil zurück und bei mir schoben sich immer kleine "Tränenmomente" mit ein. Einfach aus dem Grund, weil man "Ein ganzes halbes Jahr" stets im Hinterkopf hatte und die besondere Beziehung zwischen Will und Lou einen berührt. Zusätzlich treten aber auch viele neue Charaktere auf, die der Geschichte neuen Schwung verleihen und die dafür sorgen, dass Lous weiteres Leben eben kein einziger Trauermarsch ist. Für besonders witzige Momente waren Lous Vater und der kleine Tom, der Sohn von Lous Schwester wirklich gut. Ich musste wirklich oft schmunzeln. Da man bereits eine komplette Geschichte mit den Charakteren verbindet, kann man sie sich lebhaft vorstellen und empfindet direkt eine Vertrautheit zum Geschehen. Natürlich hat mir als Leser Will unheimlich gefehlt und ich war wirklich etwas skeptisch, ob mir die Geschichte gefallen könnte, wenn sie nicht von den beiden Hauptcharakteren getragen wird. Ich muss zugeben, dass mich das Buch daher nicht so ganz von den Socken gehauen hat. Ich konnte den Vergleich zum vorangegangen Werk einfach nicht abstellen. Dennoch finde ich, dass die Fortsetzung als neuer Lebensabschnitt eine nette Erzählung geworden ist. Es gibt zwar fortwährende Bezüge zu Will und deren gemeinsame Erlebnisse, aber es ist letzten Endes nicht mehr Lous altes Leben, welches den Hauptteil beherrscht.

"Ich will nicht die sorgfälltig verhüllte Missbilligung meiner Mutter wahrnehmen oder die überschwängliche Entschlossenheit, mit der mein Vater sagt, dass alles okay ist, alles okay, alles wieder wie vorher, als ob wirklich alles okay wäre, wenn man es nur oft genug wiederholt." S. 33

Viele Momente rufen die senitmentale Seite des Lesers hervor, wie man es eben von den Moyes Romanen her kennt. Dennoch ist es eher ein Buch, welches zeigen möchte, dass der Weg nach vorne das Entscheidende ist. Es ist keine Geschichte, die nur die Trauergeschichte von Lou einfängt und die Liebesgeschichte der beiden einfach auf eine andere Weise erzählt. Es ist wirklich "ein ganz neues Leben" von Lou, da sich viel verändert und ihre Sicht der Dinge ein wenig auf den Kopf stellt. Ich muss zugeben, ich bin mir selbst noch nicht ganz sicher, wie ich das Buch bewerten soll. Der Vergleich zum Vorwerk ist zu prägnant, dass ich wohl selbst nach langem Überlegen, nicht sagen kann, dass ich das Buch liebe. Ich mochte die Einbettung der neuen Charaktere, ich mochte auch die Entwicklung und die Rückschau auf die Momente mit Will. Mir gefiel der Schreibstil, das Setting und auch die Idee an sich. Aber da "Ein ganzes halbes Jahr" für mich eines der schönsten Geschichten überhaupt ist, hält mich irgendetwas davon ab, diese Geschichte ebenso gut zu finden. Zudem schleicht sich mit zunehmendem Abstand beider Teile ein Gefühl ein, dass ich "Ein ganz neues Leben", im Gegensatz zu "Ein ganzes halbes Jahr" nicht unbedingt weiterempfehlen würde.
_____________________________________________________________________________________

Gelungene Verknüpfungen zu der Liebesgeschichte von Lou und Will und gleichzeitig eine ganz eigenständige Erzählung von einem "neuen Leben". Stellt die positiven Aspekte in den Vordergrund, dass die Trauer keine Endstation ist. Neue Charaktere verleihen der Geschichte ebenfalls eine neue Perspektive und beschäftigt sich daher auch mit anderen Themen, die den Alltag bestimmen können. Mal ganz witzig und sympathisch. Aber mein Herz gehört einfach der Geschichte von Lou und Will in "Ein ganzes halbes Jahr". Muss man nicht zwingend gelesen haben, denn daruch bleibt der erste Teil doch etwas Besonderes.




Gedankenschnappschuss #5

September 24, 2015


























Ein Buch, auf welches man schon lange gewartet hat, endlich in den Händen halten zu dürfen, ist ein kleines Glücksgefühl. Man fiebert dem Erscheinungstermin entgegen und malt sich schon aus, in welche Richtung die Geschichte gehen könnte. Aber wenn man dann im Laden steht und das Buch sieht, dann schlägt das kleine Bücherherz ein wenig höher und schneller. Noch dazu, wenn es von einem Liebslingsautor geschrieben wurde. Man traut sich aber kaum das Buch auszupacken. Möchte es am liebsten noch etwas hinauszögern. Denn wenn man es erst einmal geöffnet hat, würde man es am liebsten direkt lesen. Aber früher oder später wird auch das Leseerlebnis eine Freude sein.

Wie man unschwer erkennen kann, konnte ich mich nicht zurückhalten und habe mir zum heutigen Erscheinugstermin das neue Jojo Moyes Werk "Ein ganz neues Leben" gekauft. Aufgeregt, hibbelig und unglaublich neugierig sitze ich nun vor dem Buch und überlege, ob ich es sofort lese oder ob ich mich wenigstens so lange zurückhalten kann, bis ich meine jetzige Lektüre gelesen habe. So wie ich mich kenne, werde ich aber schwer widerstehen können.


Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte von Salman Rushdie

September 22, 2015




























(Original: "Two Years, Eight Months and Twenty-Eeight Nights") von Salman Rushdie,  Gelesen von: Simon Jäger,  C.Bertelsmann [klick] und der Hörverlag [klick],   384 Seiten,  Hörbuch: 719 Minuten,  Hörbuch,  Einzelband,  ★★★(☆)☆ 3 bis 4 Sterne
"Salman Rushdie erzählt in seinem neuen Roman eine zeitlose Liebesgeschichte in einer Welt, in der die Unvernunft regiert.
Dunia, die Fürstin des Lichts, verliebt sich in den Philosophen Ibn Rush und zeugt mit ihm viele Kinder, die in die Welt hinaus ziehen. Ibn Rushd gilt als Gottesfeind, sein Gegenspieler ist der tiefgläubige islamische Philosoph Ghazali. Die Geister der beiden geraten in Streit. Der Kampf des Glaubens gegen die Vernunft beginnt und entfacht einen so furchtbaren Sturm, dass sich im Weltall ein Spalt öffnet, durch den die zerstörerischen Dschinn zu uns kommen. Die Existenz der Welt steht auf dem Spiel. Dunia entschließt sich, den Menschen zu helfen.
Mit großer Fabulierlust verwebt Salman Rushdie Märchenwelten mit unserer heutigen Wirklichkeit. Rasant, komisch und absolut hinreißend, denn Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte ergeben genau tausendundeine Nacht."
 

MEINE MEINUNG | FAZIT

Ein Streit zwischen den Dschinn, welcher die Menschheit bedroht? Hört sich ganz spannend an und ist es umgesetzt auch eigentlich. Salman Rushdies Erzählung, die an die Märchen von 1001 Nacht erinnern soll, hat mich am Anfang mitgerissen. Ich mochte den träumerischen Klang der Geschichte, der von schwarzen Nebeln, Blitzen und den Dschinn beeinflusst wird. Leider wurde es für mich in der Mitte etwas zäh. Es kamen unheimlich viele Charaktere ins Spiel, die man versuchen musste irgendwie auseinanderzuhalten. Mein Problem war glaube ich auch zudem wirklich, dass ich die Geschichte als Hörbuch gehört habe. Der Vorteil davon war, dass es eine wirklich angenehme Geschichte ist, bevor man schlafen geht, andererseits war es eben aufgrund der Vielzahl von auftretenden Personen, Orten und anderweitigen Namen sehr unübersichtlich. Ich bin daher auch am überlegen, ob ich mir nicht doch noch das Buch kaufen werde, um der Geschichte dann besser folgen zu können. Denn wie schon gesagt, finde ich das Grundkonzept von "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte" sehr ansprechend und auch anspruchsvoll. Es gibt viele philosophisch angehauchte Passagen, die natürlich zum Nachdenken anregen. Es geht um Liebe, um Religion, um eben die Weltansichten und deren Philosophie und um das Träumerische. Rushdie entführt den Leser nämlich wirklich in eine ganz spezielle Welt, die man schwer einordnen kann, auch wenn sie mit der uns heute bekannten Welt verknüpft ist, erscheint sie, wie ein selbstständiges Organ, welches sich immer weiter entwickelt und eigentlich nie stehen bleibt.

Die Protagonisten mochte ich größtenteils. Dunia, die Fürstin des Lichts und Geronimo schließt man einfach ins Herz, auch wenn sie ab und zu etwas von der eigentlichen Geschichte abzuschweifen scheinen. Sie verkörpern aber irgendwie die Außenseiter, die letzten Endes eigentlich die Helden sind, sich selbst aber nicht so sehen. Daher fand ich die Passagen, in denen man deren Entwicklung mitverfolgen konnte sehr spannend und auch unterhaltsam. Mir gefielen auch viele der Ideen, die in dem Buch umgesetzt werden. Wie zum Beispiel die Tatsache, dass Dunia ihre Nachfahren ausfindig machen möchte und dabei auf die verschiedensten Charaktere stößt, wie zum Beispiel auch das "Stormhold" Baby, welches besondere Fähigkeiten besitzt. Durch solche Einfälle entstanden zudem ganz lustige und humorvolle Passagen, die die Geschichte etwas aufgelockert haben und bei denen man nicht ständig darauf achten musste, dass man etwas Entscheidendes übersieht beziehungsweise überhört. Es gab Kleinigkeiten, die ich ebenfalls positiv und auch negativ fand. Hinreißend fand ich die Idee, dass angewachsene Ohrläppchen ein Indiz für eine bestimmte Zugehörigkeit sein sollten. Dadurch wird natürlich die Fantasie des Lesers noch einmal in eine ganz andere Richtung gelenkt, in Hinblick an die uns bekannte Welt. Solche kleinen, speziellen Details haben der Geschichte immer einen gewissen Charme verliehen. Negativ, oder einfach etwas zum Ende hin, "nervig" fand ich die Erwähnung, dass Dschinns so versessen darauf waren, die eigene Lust zu empfinden. Das wurde irgendwann einfach so oft aufgegriffen, dass ich mir dachte "nicht schon wieder". Denn irgendwie habe ich den Schwerpunkt der Geschichte einfach lieber auf anderen Charakteristiken gesehen, als darauf.

Zurzeit bin ich also in einem Zwiespalt, wie ich das Hörbuch nun genau bewerten soll. Denn die Geschichte an sich und ihre außergewöhnliche Handlung fand ich überdurchschnittlich gut. Leider haben sich, für meine Verhältnisse, einige Passagen zu lang gezogen und sind so ausgeschweift, dass man kurzzeitig gerne einige Kapitel übersprungen hätte. Dies kann aber nur daran liegen, dass ich mit diesem Werk mein erstes Hörbuch in Angriff genommen habe und mich noch etwas an den Stil gewöhnen muss.

Dschinns, die um die Herrschaft kämpfen, Menschen, die nicht wissen, dass sie besondere Fähigkeiten besitzen und eine märchenhafte Anlehnung an die Geschichten von 1001 Nacht. Rushdies Charaktere sind definitiv einzigartig und können überzeugen. Leider gab es für mich  an der ein oder anderen Stelle, Passagen, die ich während des Hörens etwas langatmig fand. 




 Vielen Dank an den Hörverlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Was uns bleibt ist jetzt von Meg Wolitzer

September 21, 2015


























(Original: "Belzhar" ) , cbt [klick] , 384 Seiten ,  Hardcover , Einzelband  ★★★★(★) 4 bis 5 Sternen
Original-Klappentext: "Jam durchlebt die erste große Liebe zu Reeve so intensiv wie nichts zuvor. Dann stirbt Reeve und für Jam macht das Leben keinen Sinn mehr. Ein Internat für traumatisierte Teenager soll helfen, und speziell eine exklusive Literaturklasse, der Jam zusammen mit nur vier anderen Schülern zugeteilt wird. Ihre Lehrerin, Mrs Q, gibt ihnen Tagebücher mit. Nichts Neues, denkt Jam, aber als die Jugendlichen dann wirklich nachts darin schreiben, geschieht etwas Unvorstellbares: Sie gelangen nach Belzhar, in die Welt ihrer eigenen Vergangenheit vor dem schrecklichen, alles verändernden Ereignis. Gierig saugt Jam die Zeit mit Reeve in sich auf. Doch mit jeder Seite nähert sich der Tag, an dem sie sich der Wahrheit stellen muss. Ist sie bereit, ihre Zukunft zu opfern, um in der Vergangenheit glücklich zu sein, oder gibt sie der Zukunft eine Chance, sie noch glücklicher zu machen?"


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Auch wenn es niemand offen zugeben würde, Wooden Barn ist eine Mischung aus Krankenhaus und Regelschule. Es ist wie ein großes Seerosenblatt, auf dem du kurz verharren kannst, ehe du mit einem Froschsprung zurück ins normale Leben hüpfen musst." S.14

Zuerst einmal sei gesagt, dass die Bewertung dadurch zustande kommt, da ich das Buch wirklich als Jugendbuch bewertet habe und ich die dafür enthaltene Symbolik, Gruppendynamik und eigentliche Idee wirklich gut fand.
An manchen Stellen habe ich mir gewünscht, dass einige Dinge mehr herausgearbeitet wären, zum Beispiel die Rolle der Lehrerin. Ich hatte mir eine etwas "größere" Hintergrundgeschichte erhofft. Andererseits haben mich die restlichen Dinge dennoch von dem Buch überzeugen können, vorallem das Grundkonzept rund um "Belzhar". Auch wäre da die Erzählerin, Jam, die erst zum Schluss ihre eigene Geschichte offenbart und die dem Leser, alle bisherigen Eindrücke der Person nicht zunichte macht, aber schon ein wenig auf den Kopf stellt. Dennoch mochte ich sie sehr gerne und habe mich auch gerne von ihr durch dieses Erlebnis führen lassen. Ich mochte die komplette Entwicklung der Figur und die wirklich ausgefallene Idee von "Belzhar" selbst. Ein wenig hat es mich an die Szene in Harry Potter erinnert, wenn Harry in Tom Riddles Tagebuch eindringt. Hier jedoch wird der Fokus wirklich auf die zu verarbeitenden Erlebnisse gesetzt und wird zum Ende hin wirklich emotional.

"´Veränderung ist von entscheidender Bedeutung, Alles ändert sich, und zwar ständig. Deine Zellen erneuern sich, während du hier sitzt. Der Blick aus dem Fenster ist nicht derselbe wie noch vor wenigen Sekunden.´" S. 76

Hinzu kommen die Schicksale der anderen Jugendlichen, die durch diese Tagebuch-Erfahrungen mit Jam verbunden sind. Dadurch hatte die Geschichte etwas "Verborgenes" und wirkte wie ein Geheimbund, dem man durch das Lesen selbst beitritt. Alle Charaktere hatten für mich eine selbstständige Aussage und haben zur Gesamtstimmung beigetragen. Es gab niemanden, den ich unnötig oder sogar nervig fand. Auch die Zimmernachbarin von Jam, die nicht in der Klasse von Mrs. Q anwesend ist, hat mir als Charakter sehr gut gefallen. Es sind gewiss keine "perfekten" Charaktere, aber dadurch wirken sie authentisch.
Die Verbindung oder Einbindung des Klassikers von Sylvia Plath fand ich ebenfalls gelungen. Es wurde immer wieder Bezug darauf genommen, sodass eine Struktur entstand und nicht alles einfach sinnlos in den Raum geworfen wurde. Dadurch habe ich auch selbst das Bedürfnis verspürt, die Lektüre in naher Zukunft lesen zu wollen. Die Entwicklung der Geschichte war gut durchdacht und hatte ein angenehmes Tempo. Es gab keine unnötigen Ausschmückungen oder nichtsssagende Zwischenereignisse. Alles hat harmonisiert und auch Sinn ergeben.Viele Kapitel schließen mir einem Cliffhanger, sodass man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht. Für mich gab es auch keine langweiligen Stellen, die ich gerne übersprungen hätte. Natürlich gibt es aber viele Themen, die Jugendprobleme und Ängste aufweisen. Ich denke Meg Wolitzer hat mit ihrem ersten Jugendbuch wirklich eine wunderschöne Geschichte erschaffen, die vielleicht auch besonders Jugendlichen etwas Trost spenden kann.
_____________________________________________________________________________________

Spannendes Jugendbuch mit viel Symbolik und den Themen der Trauerbewältigung und Vergänglichkeit der Augenblicke. Ich mochte die vorrangigen Charaktere und die Erzählweise. Mir hat vorallem das Ende gefallen, welches sich gut entwickelt hat und in sich geschlossen war.  Man hat als Leser das Gefühl, dass man die Idee dahinter wirklich verstanden hat und ist von den Schicksalen gerührt.






Vielen Dank an den cbt Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

 

Neuzugänge September #3

September 19, 2015



Es ist ungefähr mitte des Monats und es sind wieder einmal ein paar Kleinigkeiten bei mir eingezogen. Ein kleines Highlight für mich ist darunter bisher das Hörbuch, denn es ist wirklich das erste Hörbuch, welches ich besitze. 

Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte von Salman Rushdie 
Wie eben erwähnt, ist dieses Hörbuch mein erstes, welches ich zur Zeit auch höre! Es ist eine wirklich neue Erfahrung für mich, da ich es irgendwie ungewöhnlich finde, dass man den Text nicht vor Augen hat, sodass man einige Passagen eben nicht einfach ein zweites Mal lesen kann. Ich hoffe, dass ich das Hörbuch in den nächsten Tagen zuende hören werde und freue mich dann eine Rezension dazu verfassen zu können, denn irgendwie habe ich die Geschichte schon jetzt in mein Herz geschlossen.

Was uns bleibt ist jetzt von Meg Wolitzer
Dieses Buch ist bei mir vor kurzem als Rezensionsexemplar eingezogen. Ich habe es bereits gelesen und auch eine Rezension dazu verfasst. Diese werdet ihr dann am Montag, zum offiziellen Erscheinunstag auf meinem Blog finden. 

Das Licht der letzten Tage von Emily St.John Mandel
Auf dieses Buch freue ich mich schon unheimlich! Ich glaube vorallem das Cover zieht mich mal wieder vorrangig in den Bann, aber auch die kurze Beschreibung lässt viel Spielraum für eine gute Geschichte. Ich denke ich werde auch dieses in den nächsten Tagen anfangen zu lesen!

Klein aber (sehr) fein. Welches der Bücher ist auch bei euch eingezogen oder welches würde euch interessieren?



Nachts in Vals von Tim Krohn

September 17, 2015


Original: - ,  von  Tim Krohn,  Galiani Berlin [klick] , 156 Seiten, Hardcover ,  Einzelband ,★★★(★)  3  bis 4 Sterne

"Die Gründe, warum sie ihren Weg in die Therme hoch oben in den Bergen finden, sind vielfältig – alle Figuren in Tim Krohns Nachts in Vals eint allerdings eins: Der Aufenthalt dort wird ihr Leben verändern."
 

MEINE MEINUNG | FAZIT

Das erste, was mir an dem Buch aufgefallen ist, war wohl die relativ große Schrift. Da, dass Buch zudem auch sehr dünn ist, liest man es auch schnell durch. Dadurch war ich zunächst etwas skeptisch, ob die Geschichte überhaupt in die „Tiefe“ gehen würde. Die nächste Sache, die auffällt, ist, dass es sich hierbei um neun separate Kurzgeschichten handelt, die aber eben durch denselben Ort, an dem alles stattfindet, verbunden sind. Mir gefiel die Idee an sich. Es gab zwar keine wirklichen Überschneidungen der Geschichten, beziehungsweise keinen Schnittpunkt, an dem die Protagonisten in einer Art und Weise interagieren, dennoch stellt sich ein schönes Gefühl beim Lesen ein. Ich kann mir zudem auch vorstellen, das Büchlein noch einmal um die Weihnachtszeit zu lesen, da einige Geschichten in diese Richtung angehaucht sind. Jedes Kapitel oder Schicksal trägt einen Namen wie zum Beispiel „strahlende“, „klare“ oder „lange Nacht“, so dass die Erzählungen zudem etwas „Träumerisches“ bekommen. In allen Geschichten wird eine spezielle Atmosphäre aufgebaut, durch die alle Schicksale etwas Einzigartiges bekommen. Die Protagonisten sind aus den verschiedensten Gründen nach Vals gekommen und unterscheiden sich zudem auch in Punkten, wie dem Alter, dem sozialen Status oder dem Familienstand. Dadurch ist das gesamte Werk keineswegs eintönig.

„Wie schlafende Kinder an den Berghang geschmiegt lag eine Handvoll alter Häuser, die noch in solider Handarbeit entstanden waren – sauber gesägte Balken, behauener Stein, hier war für die Ewigkeit gebaut worden.“ S. 131f.

Wie das bei solchen Ansammlungen von Erzählungen ist, haben mir einige besser gefallen, als andere. Vor allem die Anfangs- und Schlussgeschichte haben mich gerührt, was ich positiv aufgefasst habe, denn die „Einstiegs- und Aussteigsszenen“ bleiben dem Leser ja meistens am besten im Gedächtnis, sodass das Buch im Allgemeinen einen positiven Eindruck hinterlässt. Einige Geschichten sind sehr ruhig und man denkt sich zunächst, dass ja nichts geschehen sei. Aber nach und nach entfaltet sich erst der Charme der Handlung und man beginnt, die Geschichten einfach wertzuschätzen, auch wenn sie keine geballte Action enthalten. Es gibt aber auch einige Geschichten, die mit Schicksalsschlägen und aufbrausenden Charakteren geschmückt sind. Wer sich also einfach von einer schönen Erzählkunst und netten aber nachdenklichen Handlungssträngen berieseln lassen möchte, der ist bei diesem Werk genau richtig. Man verspürt nach einiger Zeit sogar ab und an das Gefühl, als wäre man selbst vor Ort in Vals bei den Thermen und würde die Geschichten von Tim Krohn erzählt bekommen.
_____________________________________________________________________________________

Gefühlvolle, leise, nachdenkliche aber auch mit einer Aussage versehene, kurze Erzählungen, die alle an einem beinahe verzauberten Ort stattfinden. Schönes Buch für einige ruhige Momente mit einer Tasse Tee. Der Schreibstil lässt einen zudem in die Geschichten eintauchen. Die Handlungen sind unterschiedlich und sind daher sehr subjektiv zu beurteilen. Mir haben einige besser gefallen als andere.




 

Thementag #28: Comics und meine ersten Eindrücke

September 14, 2015

























Comics erfreuen sich großer Beliebtheit, nicht zuletzt durch die Clique von "The Big Bang Theory", die Stunden damit verbringt, im Comicladen nach geeigneten Ausgaben aussschauzuhalten oder durch die weltbekannte ComicCon, bei der auch viele Serienstars anzutreffen sind. Vor einiger Zeit habe auch ich, mich in die Welt der Comics und Graphic Novels gewagt. Da es für mich eine ganz neue Erfahrung des "lesens" war, wollte ich euch meine Eindrücke näher bringen und würde mich zudem freuen, wenn mir vielleicht der ein oder andere einige Comic-Tipps dalassen würde.

Zunächst einmal: Um welche gelesenen Comics handelt es sich überhaupt? Zum einen habe ich "Moon Knight 02" von Brian Wood und Greg Smallwood und zum anderen "Supernatural: The Dogs of Edinburgh" von Brian Wood und Grant Bond gelesen. Moon Knight habe ich auf deutsch und Supernatural auf englisch gelesen. Als ich Moon Knight gekauft habe, wusste ich, dass es der zweite Teil ist. Das hat mir zunächst nichts ausgemacht, da erläutert wird, dass der erste Teil nicht zwingend gelesen werden muss, um den zweiten Teil zu verstehen. Außerdem gab es den ersten Teil auch gar nicht vorrätig. Überraschenderweise fand ich Moon Knight im Großen und Ganzen wirklich gut. Ich hatte nach dem ersten Kapitel einige Zweifel, da ich auch einfach gedacht habe, dass vielleicht Comics an sich doch nicht meinem Lieblingsbereich angehören. Die Idee von Moon Knight hat mich aber überzeugt, vorallem weil der Held, eigentlich ein Anti-Held ist und  mit einer multiplen Persönlichkeitsstörung zu "kämpfen" hat, was die Handlungen an sich spannend gestaltet. Durch die guten Eindrücke von Moon Knight konnte Supernatural nicht wirklich mithalten. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass ich die Bücher einfach passender finde, da man mehr von den Charakteren mitbekommt. In dem Comic fand ich wurde Sam nicht wirklich realistisch dargestellt, beziehungsweise nicht so, wie man ihn aus der Serie kennt. Nichtsdestotrotz finde ich den Comic ganz nett, wenn man sich als Fan auf etwas Neues einlassen möchte. Die Illustrationen fand ich bei beiden Werken sehr gelungen auch wenn sie beide einen ganz anderen Stil aufweisen. Moon Knight spielt mit verschiedenen Techniken, wie zum Beispiel dem wechselnden Fokus zwischen normalem Beobachter oder dem Blickwinkel aus der Sicht einer Handykamera. Supernatural hingegen zielt auf die, schon aus der Serie bekannte, düstere Stimmung ab und ist daher in dunklen Farben gehalten. Die Illustrationen sind zudem nicht ganz so "klar", wie bei Moon Knight.

Ich werde mich definitiv noch an weitere Comics wagen um zu schauen, ob ich nicht noch eine kleine Leidenschaft zu diesen entfachen kann. Ganz weit oben in meiner Liste steht Neil Gaimans 1902! Bisher empfinde ich sie ,für Zwischendurch, als sehr angenehme Abwechslung zu den gängigen liebgewonnen Büchern.

Habt ihr gewisse Lieblingscomics? Könnt ihr welche empfehlen? Oder ist das eher nichts für euch?



Billy von einzlkind

September 12, 2015



























Titel: "Billy" | Original: - | Autor/in: einzlkind | Suhrkamp Insel [klick] | Leseprobe | Seitenanzahl: 203 | Hardcover | Einzelband | ★★★★  5 von 5 Sternen

INHALT | DARUM GEHTS

Original-Klappentext: "Billy wächst behütet in Duffmore, einer Kleinstadt in Schottland, auf. In der Familie seines Onkels und seiner Tante. Seine Hippieeltern haben sich kurz nach seiner Geburt mit einer Überdosis von der Welt verabschiedet. Von ihnen hat er die Liebe zur Musik geerbt. Zu den Beatles, den Ramones, den Joy Division. Vom Onkel  die  Lust am Philosophieren. Sein Lieblingsphilosoph ist Nietzsche.  Mit 22 Jahren tritt er in die Firma der Familie ein, eine Firma, die Auftragsmorde erledigt. Und für Gerechtigkeit sorgt, denn ermordet werden nur Mörder.  Als Billy das erste Mal den Schalldämpfer auf seine Walther steckt, denkt er an Nietzsche, den „großen Immoralisten, den Verbrecher, den Antichrist“. Danach fällt ihm sein Job leichter.
Billy ist 34, als er nach Las Vegas fährt, um Whip zu treffen, ein Mitglied der Firma. Gemeinsam wollen sie eine Woche die Stadt der Gambler erkunden und die nächsten Aufträge besprechen.
Zwölf Morde hat Billy bis jetzt verübt, jedes Mal lässt er sich von den Opfern vorab deren Lebensgeschichte erzählen. Ein einziges Mal hat er aus Versehen den Falschen getötet. Das hat Konsequenzen. In Las Vegas kommt es zum Showdown."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Ist es richtig? Jedes Mal stelle ich mir diese Frage. Immer noch. Dabei kenne ich die Antwort. In tausend Varianten." S. 10

Es ist wie es ist. Das Buch ist fantastisch. Angefangen vom Erzähler und Hauptcharakter "Billy", bis hin zur eigenlichen Geschichte und wortreichen Gestaltung. Die Geschichte rund um den Auftragskiller "Billy", welcher ein wenig vom Pech verfolgt zu sein scheint, ist herrlich sarkastisch und voller Ironie, gleichzeitig sprüht sie aber nur so von philosophischen Fragen und auch Antworten. Billy ist ein Unikat, in jeder Hinsicht. Literarisch, wie auch menschlich. So bleibt sich der unter einem pseudonym bekannte Autor einzlkind treu und erchafft ein unterhaltsames und einzigartiges Leseerlebenis.
Der Protagonist führt, wie schon aus dem Klappentext hervorgeht, kein gewöhnliches Leben. Er hat seine Eigenarten, ist dem Leser aber trotzdem sympathisch. Durch sein eher unmoralischen Arbeitsalltag sieht sich der Leser im fortwährenden Zwiespalt, wie er dem Charakter gegenüberstehen soll. Gleichzeitig wird durch den philosophisch-geprägten Hintergrund des Protagonisten, mit dem er durch seinen Onkel, welcher die Vaterfigur verkörpert, aufwächst und konfrontiert wird eine Vertrautheit aufgebaut. Dies kommt dadurch zustande, da beide männlichen Figuren sehr verständnisvoll und auch tolerant sind. Es entsteht dieses Paradoxon, welches sich daraus zusammensetzt, dass solch vernünftige, aufgeklärte und auch "leben und leben lassen"- Charaktere, die Auftragsmorde begehen. Dieser Gegensatz lässt das Buch nicht langweilig wirken, da man sich ständig fragt, wie man so etwas überhaupt kombinieren kann? Aufschlüsse gibt auch die Entstehungsgeschichte des "Familiengeschäfts".

"Ich habe noch nie angsteinflößendere Bilder auf menschlicher Haut gesehen. Alle Tattoos zeigen das gleiche Motiv. Es sind Teddybären. Mit schwarzen Knopfaugen". S. 50

"Billy" ist aber keineswegs nur ein philospisch geprägtes Werk. Es wird außerdem sehr stark von der Liebeserklärung zur Musik und der immerwährend guten Mischung zwischen Ernst und Situationskomik beeinflusst. Jede Situation in der sich der Hauptcharakter wiederfindet oder an die er sich zurückerinnert wird von einer musikalischen Erfahrung unterstützt. Durch die sehr persönlichen Erzählungen, die seine Vergangenheit beleuchten, ist es zudem nicht nur eine "Abenteuergeschichte", sodnern auch eine "Lebensgeschichte". Die Fahrt durch das große, weite Land und die Anreise nach Las Vegas, die Billy auf sich nimmt, wird begleitet von einmaligen Aufeinandertreffen mit anderen, sehr speziellen Charakteren. Unvergesslich hier, der Authändler Hermann Zuwinden, Elvis "höchstpersönlich"  oder den Indianer, den Billy an einem Straßenrand kennelernt. Der Leser bekommt gleichzeitig einen sehr authentischen Einblick des amerikanischen und auch Las Vegas- Flairs. Wenn es einem auch manchmal authentisch-klischeehaft vorkommt. Mich hat das Buch wahnsinnig überzeugt. Es verspricht Spannung bis zur letzten Seite und bietet zudem ein Ende, was einem Western- Revolverzieh-Duell gleicht.

"Kein Verhalten, keine Tat, kein noch so abscheuliches Verbrechen ist unmenschlich. Unmenschlich sind Tiere. Oder Gegenstände. Der Mensch ist es nicht. Nie. Egal, was er tut." S.11
_____________________________________________________________________________________

Eine Geschichte in die ich mich sofort verliebt habe. Ihr ernsten, wie auch humorvollen Passagen haben sich wunderbar ergänzt und sorgen für einen ständigen Lesedrang. Die Handlung, die Charaktere und der Schreibstil konnten überzeugen. Einzigartige Idee mit wunderbarer Umsetzung. 






 Vielen lieben Dank an den Insel verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!