Das Bild aus meinem Traum von Antoine Laurain

Oktober 14, 2016




(Original: "Ailleurs si j´y suis" / 2007) Übersetzer/in: Sina de Malafosse, 192 Seiten, gebundenEinzelband, ★★★ 4 Sterne
Bibliografie auf der Verlagsseite (Atlantik Verlag)»
"Monsieur Chaumonts größte Leidenschaft gilt dem Sammeln alter Dinge, denn sie bewahren die Seele ihrer Besitzer. In einem Pariser Auktionshaus entdeckt er ein Porträt aus dem 18. Jahrhundert und ist überzeugt: Das Gemälde zeigt ihn selbst. Es führt den Anwalt, der bislang weder im Beruf noch in seiner Ehe sein Glück gefunden hat, zu einem Weingut und zu einer jungen Gräfin, die seit Jahren auf ihren verschwundenen Gatten wartet... Wie viel sind wir bereit aufzugeben, um die große Liebe zu gewinnen?"

MEINE MEINUNG | FAZIT

"Alle Geschenke, die ich mir im Laufe meines Sammlerlebens gemacht habe, sind hier vereint. Hier in meinem Kuriositätenkabinett, vor den Blicken anderer verborgen, so wie solch ein geheimer Ort voller fabelhafter Dinge, die eifersüchtig von ihrem einzigen Herrn bewacht werden, zu sein hat.
S.11

Die Seitenanzahl eines Buches ist kein eindeutiges Zeichen dafür, dass eine Geschichte und die Protagonisten zu kurz kommen. Dies beweist der französische Schriftsteller Antoine Laurain mit "Das Bild aus meinem Traum" ein weiteres Mal. Schnell wird man vom französischen Charme der Beschreibungen eingenommen und entflieht in eine ganz eigene Welt, in der bestimmte Gegenstände, einen interessanten Fokus für die Geschichte setzen. Wer Laurains andere Bücher kennt, weiß, dass sich die Geschichten stark von den eigenen Interessen des Autors lenken lassen. Antiquitäten, guter Wein und eine Prise mysteriöser Abläufe und Verbindungen werden hier erneut aufgegriffen. Es wird mit dem Gedanken gespielt, in wie weit ein "Schicksal" in unser Leben eingreift und für welche Handlungen wir selbst verantwortlich sind. Gewisse Formulierungen dienen am Ende einiger Kapitel, immer mal wieder als Cliffhanger, was einerseits den Wunsch nach der Auflösung steigert, was bei mir aber manchmal auch zu Verwirrungen geführt hat. Einige Sätze lassen einen plötzlich in eine ganz andere Richtung denken, so dass ich kurze Zeit verunsichert war, ob ich die Intention verstehe. Beendet man das Buch allerdings, so wird einem schnell deutlich, was die Aussage des Buches sein soll. Ohne zu viel vorwegzunehmen, sei so viel gesagt: das Buch lässt den Leser gleichzeitig mit der Überlegung zurück, ob man sich selbst in einer Situation befindet, aus der man vielleicht lieber ausbrechen würde, um das Glück zu suchen, nach dem man strebt.

"Liebesworte zu äußern, die man nicht ernst meint, ist sehr schwierig, man hat den Eindruck, sich selbst zu belügen, was noch schmerzhafter ist, als den anderen zu belügen.S.34

Kleine Zweideutigkeiten, das heißt, kleine Details die eingebaut wurden und die mit der Existenz des Protagonisten spielen, sorgen für tolle Passagen, die genau das in einem auslösen, was man sich beim Lesen wünscht, einen kleinen Moment, in dem man innehält und sich die Wichtigkeit und auch die Richtigkeit des Lebens zu Herzen nimmt. Da das Buch aber tatsächlich nicht ein Werk ist, welches sich über mehrere hundert Seiten zieht, muss man auch beachten, dass die Entwicklungen in recht schnellen Zügen vonstattengehen. Es gibt also keine unnötigen, in die Länge gezogenen Liebeleien oder Ähnliches, was mir persönlich gut gefallen hat. Es ist kurz und knapp auf den Punkt gebracht, aber nicht unter Verlust von Charme, Humor und einer tollen Botschaft. Für mich ist das Buch zudem auch mehrfach interpretierbar, was sich durch verschiedene Blickwinkel auszeichnet, das ist aber glaube ich auch sehr stark auf den jeweiligen Leser zurückzuführen. An der Vielfalt der Personen mangelt es dem Buch genauso wenig. Skurrile Figuren nehmen ihre Plätze ein und führen uns so voller Unterhaltung durch die aufwühlende Reise und Kenntnis des Protagonisten. Onkel Henry bleibt sicherlich einer meiner liebsten Figuren. Aber auch die Darstellung der Gegenstände, die der Protagonist sammelt, seine Vorgeschichte und auch seine Erlebnisse mit dem zum Schluss erworbenen Gemälde sind lesenswert ausgelegt. Ich muss sagen, dass es mir für so eine kurze Erzählung beinahe an nichts gefehlt hat. Ab und an hätte ich mir aber vielleicht eine etwas konstantere Verbindung zu dem Gemälde "aus dem Traum" gewünscht.

"Wie ein Detektiv auf der Suche nach mir selbst und mit der Hartnäckigkeit eines einsamen Seefahrers inmitten eines Sturms verfolgte ich die Spur zurück." S.69
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Eine unterhaltsame, kurze Erzählung, die man perfekt zwischendurch lesen kann und welche dennoch, durch ihre Aussage im Gedächtnis bleibt. Interessante Figuren und der spezielle Charme des französischen Autors für die Macht bestimmter Gegenstände sind zwei Punkte, die das Buch besonders machen. Es wird mit der Existenz des Protagonisten gespielt, sodass es meiner Meinung nach mehrere Interpretationen geben kann. Das leicht Mysteriöse sorgt für die nötigen Cliffhanger. Trotz der Kürze, bietet das Buch viele schöne Passagen.




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