Ist Shakespeare tot? von Mark Twain

April 04, 2016















(Original: "Is Shakespeare Dead?“ / 1909)  128 Seiten,  gebunden,  Einzelband |  ★★★(☆ 4 bis 5 Sterne

"Ein Dichter ohne Bücher? Ein Autor, der nicht einen Brief schrieb? Ein gefeierter Dramatiker und Schauspieler, an den sich kurz nach seinem Tod schon niemand mehr erinnert? Das Leben eines gewissen William Shakespeare aus dem englischen Provinzort Stratford-upon-Avon gab dem amerikanischen Literaten und scharfzüngigem Beobachter Mark Twain zu denken. Er besah sich die Tatsachen und formulierte seine Antwort auf die drängendste Frage der englischen Literaturgeschichte: War dieser William Shakespeare wirklich der Dichter, für den wir ihn halten? - Niemand hat sich seither diesem unerschöpflichen Thema amüsanter und pointierter genähert als Mark Twain. "



MEINE MEINUNG | FAZIT

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Wie merkwürdig und interessant ist doch  - was den - Mangel an biografischen Details angeht - die Parallele zwischen Satan und Shakespeare. Sie ist wunderbar, sie ist einzigartig, es gibt nichts Vergleichbares [...]. Sie sind die berühmtesten Unbekannten, die je auf diesem Planeten Atem geschöpft haben." S. 31

"Sein oder Nichtsein", Shakespeares bekanntes Zitat auf dem Werk "Hamlet", könnte auch das Hauptmerkmal dieser Lektüre von Mark Twain sein. Mit etwas bissigen Kommentaren, versucht Twain der Kontroverse rund um die Identität von Shakespeare, auf die Schliche zu kommen.  Wer war Shakespeare nun? Ist es der Mann, der in Stratford-upon-avon gewohnt hat, der schon fast unscheinbar wirkte und keinerlei besondere Ausbildung genießen konnte? Oder war es jemand anderes? So langweilig einem, vor allem auch zur Schulzeit, Shakespeares Werke vorkommen mochten, so ist es "Ist Shakespeare tot?" gewiss nicht. Wo sich viele Werke mit allen möglichen Fakten an die Identität von Shakespeare klammern wollen, da hält Mark Twain inne und veranschaulicht dem Leser seine Meinung zur Person hinter den bekannten Werken auf eine unterhaltsame Art und Weise. Er beginnt jedoch mit einigen persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen, die ihn dazu gebracht haben, sich für Shakespeare zu interessieren. Ich fand diese Zusammenhänge abwechslungsreich. Ich bin sowieso den Werken von Mark Twain ein wenig verfallen, denn ich mag seine sehr eigene Schreibweise und die Bissigkeit dahinter. Auch in diesem Werk wird deutlich, dass er keineswegs rein objektiv und anhand der Fakten bewertet, sondern sich auch von seinen Gefühlen leiten lässt. Dadurch wirkt die Lektüre aber positiv persönlich und bringt dem Leser auch den Schriftsteller Mark Twain ein wenig näher.

"Der Shakespearianer weiß, dass Shakespeare der Verfasser von Shakespeares Werken ist. Der Baconist weiß, dass Francis Bacon ihr Verfasser ist; der Brontosaurianer weiß nicht so genau, wer von beiden sie geschrieben hat, ist aber recht entspannt und zufrieden der festen Überzeugung, dass Shakespeare es
nicht war, und hegt die starke Vermutung, dass Bacon es war." S.48
 
Die kurzen Kapitel, welche sich über eine Gesamtlänge von hundertachtundzwanzig Seiten auslegen, tragen jeweils passende Überschriften und sind nummeriert. So gibt es gut aufeinander abgestimmte Themenfelder, wie "Fakten", die über Shakespeare bekannt sind, "Vermutungen" oder " Wir haben Grund zu der Annahme". Mark Twain zieht jedoch auch Sekundärliteratur hinzu, die sich auf die spezielle Frage bezieht, ob Shakespeare Jurist gewesen sei oder nicht. Dem Leser wird sehr schnell deutlich, dass Twain genau weiß, woran er glaubt und dass er diese Überzeugung weitergeben möchte. Ich hatte das Gefühl, dass er die "Gegenpartei", aber auch sich selbst ein wenig in ironischer Weise widerspiegelt. Daher fand ich seinen Schreibstil wie immer sehr amüsant. Da die Frage um Shakespeare aber schon eine solche beträchtliche Zeit im Raum steht und man sich sicherlich selbst durch Gehörtes (Jeder tratscht mal über Shakespeare), Gesehenes (unzählige Dokumentationen oder auch der Hollywood Blockbuster "Anonymus"), oder Gelesenes (diverse Literatur über Shakespeare und wer er gewesen sein konnte) eine Meinung gebildet hat, bleibt man relativ objektiv. Man folgt schlichtweg dem Erzählten und genießt ein weiteres Werk des Mark Twain. Zwar ist Twain zum Schluss deutlich eingenommen, was das Thema betrifft, jedoch gefiel mir vor allem die anfängliche Schlichtheit, auch auf das Thema bezogen. Das kurze Kapitel "Fakten", sagt beinahe alles nötige aus, um sich klar zu werden, dass die Suche nach dem "wahren" Shakespeare nie gelöst werden kann.

"Aber wer dann ist der Verfasser dieser "Werke?" Ich wünschte, ich wüsste es." S. 86
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Unterhaltsam, frech und dennoch mit Fakten versehen. Alles, was ein gutes Buch braucht. Mark Twain skizziert trotz eigener Voreingenommenheit ein ganz gutes Bild des weltweit bekannten Schriftstellers Shakespeare. Twains Schreibweise überzeugt auf den knapp hundertachtundzwanzig Seiten und lässt den Leser zusätzlich auch in sein Leben hineinblicken. Nicht nur Shakespeare Fans werden an dieser Lektüre ihre Freude haben. Vor allem gut geeignet, wenn man eine Leseflaute hat oder seine aktuelle Lektüre unterbrechen möchte. Nach diesem Werk weiß man, wie wunderbar Literatur sein kann.








Vielen lieben Dank an den Piper Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Kommentare:

  1. Hallo Karin,

    du hast mir mit dieser Rezension richtig Lust auf das Buch gemacht, was ich auch schon länger ins Auge gefasst habe. Da 2016 ein Shakespeare Jahr ist, gibt es so viele tolle Werke rund um ihn und seine Geschichten und ich muss dieses jetzt auch unbedingt in meine Leseliste aufnehmen. Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, möglichst viele Werke von ihm, über ihn und an ihn und seine Geschichten angelehnte Werke zu lesen. Ich bin gespannt. :)

    Liebst,
    Jule

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    1. Ich hoffe es wird dir so gefallen wie mir! Shakespeare wird wohl immer ein Thema bleiben, über das man gerne liest. : )


      Liebe Grüße,
      Karin

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