Wenn der Platz im Regal wieder ein wenig kleiner wird

April 29, 2017









Auf dem ein oder anderen Weg, sammeln sich im Laufe des Monats erneut Bücher an. Man kennt es. Dieser Monat stand ein wenig im Zeichen der Autorin Margaret Atwood, denn ganze drei Bücher haben sich von ihr bei mir eingefunden. Aber auch einige andere Bücher haben mal wieder meine Aufmerksamkeit geweckt und sorgen nun für einen relativ gefüllten, folgenden Lesemonat.

"Hexensaat" und "Lady Orakel" von Margaret Atwood sind demnach zwei der Titel, die neu eingezogen sind. Den dritten, "Der Report der Magd" habe ich bereits gelesen und auch rezensiert, daher habe ich mir die Freiheit erlaubt, das Buch bei diesem Beitrag auszublenden. Die neu aufgelegten Taschenbuchausgaben der Atwood Romane aus dem Piper Verlag finde ich wirklich großartig. "Hexensaat" ist Teil der Hogarth Shakespeare Reihe und ist auch bereits beinahe ausgelesen.

Über "Unvollkommene Verbindlichkeiten" von Lena Andersson, habe ich mich ebenfalls sehr gefreut. Ihr Debütroman hat Eindruck bei mir hinterlassen, sodass ich es kaum erwarten kann, mit diesem Buch weiterzumachen.

"Der Freund der Toten" von Jess Kidd hat mich ganz spontan neugierig gemacht. Vielleicht durch das florale Muster des Covers, aber definitiv auch aufgrund seiner Inhaltsangabe. Das Buch habe ich bereits (wie die meisten der Bücher) auch in meinem Neuerscheinungs-Beitrag erwähnt; bereits da hat mich das Identitäts- / Herkunftsthema des Protagonisten angesprochen. Nun bin ich gespannt, wie die Geschichte umgesetzt wurde.

Ein Buch, welches ich ohne Kenntnis darüber, dass es überhaupt exisiert, mitgenommen habe ist "MM - Das private Archiv der Marilyn Monroe" von Lois Banner. Das Buch lag als Mängelexemplar in einem Supermarkt. Als bibliophiler Mensch weiß man ja eigentlich, wo man eher nach Büchern suchen muss, die einem persönlich eher zusagen. Ich hätte daher nicht damit gerechnet, dass ich dieses schöne Buch darunter finden würde, denn oftmals besteht das Sortiment dort aus typischen Frauenromanen. Da ich tatsächlich nicht wirklich viel über sie und ihre Hintergründe weiß, mich aber solche Bücher sehr reizen, werde ich demnächst sicherlich mal reinblättern.

Der Sensationsfund "Für dich würde ich sterben" von F. Scott Fitzgerald ist ebenfalls bei mir eingetroffen. Auch hier war es ein absolutes Wunschbuch, da mich nicht nur Fitzgeralds Bücher interessieren, sondern auch sein recht prekäres Privatleben. Bei ihm weiß man zwar nie so recht, ob die Texte nicht doch von seiner Frau geschrieben wurden und er sie einfach als seine ausgegeben hat, aber man behält diese Möglichkeit irgendwie immer im Hinterkopf, wenn man sich seinen Büchern annimmt. Hier bin ich nun sehr gespannt, ob sich die große Vorfreude als berechtigt erweist, oder ob man vielleicht zu viel davon erwartet. 

"Lily und der Oktopus" von Steven Rowley ist ebenfalls neu eingezogen. Zunächst war ich mir etwas unsicher, ob ich das Buch lesen möchte. Nach aber ganz ordentlichen Bewertungen der Originalausgabe und der Empfehlung von "Miss Bookiverse" bin ich aber ganz zuversichtlich und werde mich auch hier bald daran versuchen.



"Sieben Minuten nach Mitternacht" Kinostart und Filmausgabe

April 27, 2017











Zum Kinostart des Romans „Sieben Minuten nach Mitternacht“ (Original: „A Monster Calls“) von Patrick Ness (nach einer Idee von Siobhan Dowd) möchte ich euch gerne meine persönlichen Eindrücke zum Kinofilm, wie auch der dazugehörigen exklusiven Filmausgabe des Buches näher bringen. Dank der Kooperation mit „Entertainment Kombinat“ durfte ich den Film (in der englischen Originalfassung) bereits vorab sehen; dies beeinflusst aber nicht meine persönliche Meinung zum Film. Um den Kinostart noch ein wenig zu "feiern", möchte ich im Anschluss auch noch gerne ein Hörbuch an euch verlosen.

© Das Copyright für die Fotos und Abbildungen des Films liegen beim jeweiligen Verlag und Studiocanal

Handlung: Das Monster erscheint sieben Minuten nach Mitternacht. Aber das jagt Conor keine Angst ein. Was er eigentlich fürchtet, ist jener monströse Albtraum, der ihn jede Nacht quält, seit seine Mutter so schwer krank ist. Das wilde und weise Monster aber wird Connor in seinen Albtraum begleiten und ihm das Gefährlichste überhaupt abverlangen: die ganze Wahrheit hinter seinem Schmerz!
Verfilmung durch Lionsgate mit internationaler Starbesetzung: Liam Neeson (»Schindlers Liste«), Sigourney Weaver (»Gorillas im Nebel«), Felicity Jones (Oscarnominierung 2015 als beste Hauptdarstellerin, »Die Entdeckung der Unendlichkeit«), Lewis MacDougal (»Pan«, 2015) und Geraldine Chaplin. Produziert von den oskargekrönten Machern von »Pans Labyrinth«.

Mit „Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist Patrick Ness ein großer Erfolg geglückt. Ausgehend von der Grundidee der Autorin Siobhan Dowd, welche tragischerweise zu früh verstarb, erschuf Patrick Ness aber eine würdige Geschichte, die seine Leser nicht unberührt zurücklässt. Nach der bereits von vielen geliebten Romanvorlage, folgt nun der lang ersehnte Kinostart von „Sieben Minuten nach Mitternacht“. Ab dem 04. Mai wird der, vom spanischen Regisseur Juan Antonio Bayona, umgesetzte Film in den deutschen Kinos zu sehen sein. Das Drehbuch wurde von Patrick Ness geschrieben und folgt so auch der Romanvorlage. Die Lauflänge des Films beträgt ganze 108 Minuten. Auch die recht prominente Besetzung kann sich sehen lassen, so kann man sich unter anderem auf Sigourney Weaver, Felicity Jones und Liam Neeson als Monster freuen. Die Hauptrolle wird von Lewis McDougall verkörpert. Zusätzlich zum Filmstart erschien am 10. April auch eine exklusive Buchausgabe des Romans, welcher Bonusmaterial beinhaltet, der sich auf den Film bezieht.

Persönliche Filmkritik zu "Sieben Minuten nach Mitternacht" (Trailer») :

Erste Annäherung und allgemeine Kritik
Es ist ein hartnäckiger Mythos, dass das Buch immer besser ist, als der darauf folgende Film. Als ich die Verfilmung zu „Sieben Minuten nach Mitternacht“ gesehen habe, konnte ich diese Aussage jedoch nicht aufgreifen, da ich das Buch bis dahin tatsächlich noch nicht gelesen hatte. Lediglich der Trailer hat mich auf die Umsetzung aufmerksam gemacht. Allein in diesen wenigen Minuten merkt man, dass der Film etwas Besonderes sein muss. Die Spannung kann man förmlich spüren, der Drang, den Film sehen zu wollen wächst.
So überraschte es mich auch nicht, als ich vor der großen Leinwand saß und allein schon bei dem Intro eine leichte Gänsehaut verspürte. Farbkleckse begleiten die Anfangsmelodie und sorgen für den ersten Bezug zu den bereits aus dem Buch bekannten, Illustrationen. Nach und nach formt sich aber die Realität. Die erste Nahaufnahme des Hauptdarstellers (Lewis McDougall), der Conor O´Malley spielt, verkörpert seinen Albtraum. Als Zuschauer stellt man sich also automatisch zu Beginn auf eine etwas geladene Atmosphäre ein, die im Gegensatz zum anfänglich erwarteten, typischen Jugendbuch / Jugendfilm, deutlich an Ernsthaftigkeit gewinnt. Ich finde es großartig, wie der Regisseur darauf achtet, dass sich die im Roman vorhandenen Elemente in dem Film noch entwickeln. Viele Details wurden ein wenig zu Gunsten des Gesamteindrucks „optimiert“. Mir gefiel die deutlich stärkere Fokussierung auf Conor O´Malleys Interesse zur Malerei und die damit einhergehenden Verbindungen zu seiner Mutter. Für mich waren diese Feinheiten sehr ausschlaggebend, was die allgemeine emotionale Basis anging. Wohingegen ich beim Buch das Gefühl hatte, dass sich vieles zu schnell abspielt, dass sich erst zum Schluss vieles gefühlsmäßig offenbart, hat der Film durchgängig eine Konstante, die dafür sorgt, dass man die Angst, die Zerbrechlichkeit und die Zweifel der Figuren spürt. Alles nimmt in genau dem entsprechenden Maß Bezug zueinander auf und nimmt zum Schluss dennoch keine deprimierende Note an, sondern eine sehr zarte, liebevolle, wie auch Trost spendende. Die 108 Minuten des Films empfand ich als passende Länge. Es wird zwar nichts unnötig in die Länge gezogen, aber auch hier wirkt sich die Ausschmückung mancher Passagen deutlich positiver auf den Gesamteindruck aus.
Ebenfalls nicht zu verachten waren für mich die atmosphärischen Gegebenheiten. Es wurde darauf geachtet, dass sich die Drehorte mit der tatsächlichen und auch angedeuteten Botschaft der Geschichte vertragen. So diente der Norden Englands als Inspirationsquelle und damit wurde alles richtig gemacht, denn alles wirkt auch hier authentisch (trotz zusätzliche erstellten Studionachbildungen) und passt in die sehr persönliche Stimmung.

Die Besetzung
Mit der Besetzung hat der Regisseur meiner Meinung nach alles richtig gemacht. Lewis McDougall war mir vorher unbekannt. Durch seine Darstellung in diesem Film hat er sich aber einen Platz in meinem Herzen erspielt, sodass ich sicher bin, dass man ihn nicht so schnell vergisst. McDougall verkörpert Conor unfassbar präzise. Darüber hinaus hat er im Film (im Vergleich zum Buch) noch deutlich an charakterlichen Zügen dazugewonnen. Hier erscheint er viel vielschichtiger und auch deutlich authentischer, was merkwürdig erscheinen mag, da viele Dialoge zwischen ihm und dem „Monster“ einfach übernommen wurden. McDougall schafft es aber einfach, eine Figur zu verkörpern, die beides enthält; die kindliche Verletzlichkeit und diese Stärke, die man erst mit dem Heranwachsen erlernt. Ich kann nicht leugnen, dass mir bei vielen Szenen die Tränen in die Augen geschossen sind und das lag wirklich überwiegend an der authentischen Verkörperung von Conor.
Auch die übrige Besetzung hat meiner Meinung nach eine sehr gute Leistung erbracht. Sigourney Weaver spielt ihre Rolle als Conors Großmutter einwandfrei. Auch hier wurde gut daran getan, die persönlichen Ängste ihrer Figur und gezielte Handlungen etwas hervorzuheben und damit eine weitere Verbindung zu dem „Hauptthema“ aufzuziehen.
Liam Neeson als Monster erkennt man nun tatsächlich nicht sonderlich, die Effekte, die aber mit seiner Figur einhergehen sind wirklich großartig. Die „Lebendigkeit“ seiner Figur ist authentisch und wirkt keinesfalls wie ein billiger Effekt. Seine Figur wurde wohl am wenigsten "verändert", was ich aber nachvollziehen kann, da mir das "Monster" auch im Buch schon als am "ausgereiftesten" erschien.
Conors Mutter, die von Felicity Jones gespielt wird hat mich ebenfalls überzeugt. Auch hier wurden zusätzliche Details hinzugefügt, die ihre Rolle viel intensiver darstellen. Alles in allem ist es den Beteiligten gelungen durch die gute Besetzung und die kleinen erweiterten Details dafür zu sorgen, dass der Film mehr Bezugspunkte hat und sich stärker ineinander verschränkt. Für mich war es ein großer Kritikpunkt, der den Zuschauer aber zwar auf emotionaler Basis mehr fordert, ihn aber dafür umso mehr begeistert.

Visual Effects
Nicht zu verachten sind bei diesem Film natürlich die prägnanten animierten Elemente. Große Teile werden von dem "Monster" bestimmt, welches zwar von Liam Neeson verkörpert wird, aber natürlich hauptsächlich aus der Animation besteht. Zwar kann man heutzutage in den meisten Fällen davon ausgehen, dass die Visual Effects nicht mehr wie billige Animationen wirken, aber ich war dennoch ganz positiv überrascht von der ordentlichen Leistung. Das Monster wirkt real und das in vielerlei Hinsicht; ausschlaggebend sind sicherlich auch die teilweise nachgestellten Körperteile, die durch gekonnte Make-Up-Effekt-Schöpfer dafür sorgen, dass nicht nur auf Computerarbeiten zurückgegriffen wurde.
Aber nicht nur das Monster sollte hier erwähnt werden, sondern auch die Geschichten, die das Monster erzählt. Diese werden quasi als Illustration dargestellt. Mich haben diese, von der Machart, unfassbar stark an die "Beedle the Bard" Geschichte aus Harry Potter erinnert. Auch wenn man zuerst das Gefühl verspürt, sie seien "kopiert", merkt man schnell, dass sie eine sehr eigene Magie in sich tragen, so dass man letztlich auch von diesen begeistert ist. Sie sind verträumt, heben sich aber nicht komplett vom Rest des Films ab, sondern fließen gekonnt in ihn hinein.

Vergleich zum Buch
Bereits ein wenig herausgehört hat man vielleicht, dass mir der Film sogar etwas besser gefallen hat als seine Romanvorlage. Das liegt an einigen Gemeinsamkeiten, wie auch gezielten Unterschieden die sich in Bezug auf das Buch auffinden lassen. Durchaus gelungen fand ich die recht nahe Nähe zum Buch, so dass das Monster in seiner Art, wie auch die mit ihm geführten Dialoge beibehalten wurden. Man kann sich also darauf freuen, dass man nicht mit einer ganz anderen Umsetzung der beiden Protagonisten rechnen muss. Die Unterschiede waren demnach tatsächlich nicht außerordentlich groß, sorgten aber allgemein dafür, dass der Film etwas reifer und auch konzentrierter wirkt. Mit "konzentriert" meine ich, dass gezielte Bekanntschaften die Conor im Buch eingeht, im Film außeracht gelassen wurden, die aber tatsächlich auch gar nicht gefehlt haben. Hier wird sich deutlich stärker auf die Beziehung zum Monster fokussiert und die damit einhergehende Verknüpfung zur Mutter. Ebenfalls die Spielerei mit den malerischen Aspekten kommt im Film wunderbar zur Geltung und sorgt für eine zusätzliche, gefühlvolle Entwicklung, die man im Buch etwas vermisst.

„Sieben Minuten nach Mitternacht“ Filmausgabe (mit Illustrationen von Jim Kay), Bibliografie auf der Verlagsseite» , cbj Verlag:
Ich bin wohl eine der wenigen, die den Film gesehen haben, bevor sie die Romanvorlage kannten. Dennoch wurde ich nicht enttäuscht. Wie man meiner Kritik zum Film anmerken konnte, gefiel mir der Film sogar etwas besser, als das Buch, dennoch ist es eines meiner Favoriten. Im cbj Verlag ist nun aber auch eine etwas erweitere Version des Romans erschienen, nämlich inklusive eines Bonuskapitels. Darin enthalten sind Bilder, die dem Film entnommen sind, wie auch dem Einbezug des Filmplakats als Buchcover. Das Format der bisherigen Ausgabe ist gleich geblieben, so kann man sich darauf freuen, dass die wundervollen Illustrationen von Jim Kay enthalten sind. Ich persönlich besitze zwar schon eine Ausgabe des Romans, konnte dieser Version aber nicht widerstehen. Wenn man das Buch und den Film liebt, dann ist diese Ausgabe sicherlich eine wunderbare Alternative, um von beidem ein kleines Stück in einer Form zu haben. Die Bilder sind hinten angehängt und sind auf einem etwas festeren Papier mit Glanzoptik gedruckt, sodass sie gut zur Geltung kommen. Obwohl mir Gefühlstechnisch der Film mehr Fläche geboten hat, finde ich die Passagen, welche die Geschichten des Monsters einleiten, auch hier im Buch sehr gelungen. Sie sind für mich irgendwie das Herzstück des Buches und greifen die gesamte Tragik, wie auch Hoffnung des Geschriebenen wunderbar auf. Diese Ausgabe wird sicherlich beiden Lesern gefallen, denen die schon länger von der Geschichte begeistert sind und zusätzliche Eindrücke des Films in ihrer Ausgabe enthalten haben möchten und denen, die sich ganz neu an die Geschichte wagen und dann durch das Bonusmaterial sicherlich auch den Impuls verspüren werden, das Gelesene auf der großen Leinwand sehen zu wollen. In beiden Fällen aber lohnt es sich.

Verlosung Hörbuch:
Um euch nun auch ein wenig auf den Film oder das Buch einzustimmen, möchte ich gerne ein Hörbuch des Films/ Buchs verlosen. Lasst mir doch einfach bis zur nächsten Woche, also zum offiziellen Filmstart (04. Mai), die Antwort auf folgende Frage unten in den Kommentaren da:

Kennst du das Buch zu "Sieben Minuten nach Mitternacht" bereits? Interessiert dich der Film? Und auf die Umsetzung welcher Figur freust du dich am meisten im Kinofilm?

Du kennst es noch nicht? Wie würdest du darauf reagieren, wenn ein "Monster" vor deiner Tür steht? Und würdest du dir den Film dennoch anschauen?

Teilnahmebedingungen: Beantwortet mir die oben gestellte Frage (unter Angabe eurer gültigen E-Mail Adresse) und hüpft somit in den Lostopf. Ihr müsst 18 Jahre alt sein (oder die Erlaubnis eurer Eltern einholen). Die Auslosung des Gewinners erfolgt am 05. Mai. Im Anschluss wird der Gewinner benachrichtigt. Im Falle eines Gewinns bitte ich denjenigen dann, mir seine Adresse zukommen zu lassen. Der Gewinn wird euch dann direkt von "Entertainment Kombat" zugeschickt. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Teilnahme ist für alle aus Deutschland, Österreich und der Schweiz möglich.

Gewinner: Mit einer kleinen Verspätung habe ich nun aber unter allen Teilnehmern ausgelost. Gewonnen hat Suzanne. Herzlichen Glückwunsch! Da du auch eine E-Mail Adresse dagelassen hast werde ich dich noch persönlich kontaktieren.

Vielen lieben Dank an alle für die Teilnahme!








Ein geschenkter Anfang von Lorraine Fouchet

April 26, 2017






(Original: "Entre ciel et Lou" / 2016) Atlantik Verlag , Übersetzer/in: Sina de Malafosse (aus dem Französischen), 368 Seiten, gebunden,  ★★ 3 Sterne 

"»Wer auf meiner Beerdigung weint, mit dem rede ich kein Wort mehr«, hat Lou oft gewitzelt. Lou, die auf der kleinen bretonischen Insel ein echter Paradiesvogel war und von allen geliebt wurde. Lou mit ihren Spleens – Champagner, bitte, aber nur von Mercier! – und Macken – sie kochte miserabel, aber mit Liebe –, einem Lachen, das lauter war als das Kreischen der Möwen, und einem Herzen so weit wie das Meer. Nun ist Lou tot – und die Familie droht auseinanderzubrechen. Im Testament bittet sie ihren Mann Jo, ihr einen letzten Wunsch zu erfüllen: Er soll das zerrüttete Verhältnis zu ihren erwachsenen Kindern Cyrian und Sarah wieder kitten und beide glücklich machen. Erst dann darf er Lous letzten Brief lesen – der versiegelt, natürlich in einer Champagnerflasche, auf ihn wartet. Eine Flaschenpost, die das Leben einer ganzen Familie verändert."


MEINE MEINUNG | FAZIT

Es gibt Bücher, die liest man zwar ganz gerne, aber am Ende springt der Funke einfach nicht auf einen über. Genauso erging es mir mit "Ein geschenkter Anfang". Obwohl mir die Grundidee gefallen hat, haben sich zunehmend Dinge eingeschlichen, die mich von dem Buch etwas entfernt haben. Es gab auch durchaus Figuren, die ich mochte und die durch ihre Gedanken und Handlungen dem Buch eine zarte Note angefügt haben, so dass man die Emotionen nicht ganz außeracht gelassen hat. Zum Beispiel ist mir "Pomme" ans Herz gewachsen, weil sie trotz ihrer jungen Jahre versucht, in sich selbst etwas Besonderes zu finden und daraus Stärken zu ziehen. Auch die angedeutete Flaschenpost in der Inhaltsangabe und die logische, wie auch Stück für Stück auftretende Bezugnahme zu anderen Geschehnissen haben mir ganz gut gefallen. So ergab sich eine durchaus "runde" Geschichte.
Auch die Darstellung des Ortes (Bretagne) und die damit einhergehende Fokussierung auf eine bestimmte Atmosphäre ist ganz gut geglückt.
Allerdings teilt sich ab da auch etwas meine positive Meinung zum Rest. Mir schienen viele Handlungen einfach reingeworfen worden zu sein, weil sie den nächsten Schritt "einleiten" können oder etwas lösen, was im Raum steht. Dabei ging für mich aber jegliche Emotion verloren, weil es einfach von allem anderen losgelöst schien. Teilweise habe ich auch gemerkt, dass dies nicht nur ausschließlich auf die Lösung der "Probleme" zurückzuführen ist, sondern auch auf die Schreibweise. Sie war etwas abgehakt und floss nicht wirklich ineinander über. So hatte ich manchmal das Gefühl, dass ich ein "Pixi-artiges" Buch lese, welches emotionale Passagen, für mich, nicht wirklich passend vermittelt.

"Es verblüfft mich immer, wenn die Leute in Interviews auf die Frage:´ Was war der schönste Tag ihres Lebens?´antworten: ´Der Tag der Geburt meiner Kinder.´ Für mich ist es der, an dem du mich das erste Mal angelächelt hast. Unsere Kinder waren eine logische Folge, sie haben sich daraus ergeben.´“  S.17

Was die Reaktionen und das gesamte Verhalten der Familie angeht, konnte ich leider ebenso oft gar nicht nachvollziehen, wie sich daraus ein gefühlvolles Buch ergeben sollte. Speziell Dinge die der Vater "Jo" sagt, haben dafür gesorgt, dass ich mich ab und ab abrupt dagegen gesträubt habe, dem Buch Sympathien entgegenzubringen. Zum Beispiel bei Sätzen wie: "Sag mir, dass du mich betrogen hast, dass dieser Widerling nicht von mir abstammt. Ich bitte dich, meine Liebste, sag mir, dass er der Sohn des Postboten ist.". Natürlich wird in dem Buch darauf eingegangen, wie eine zerrüttete Familie wieder zusammenfinden soll und dass es nicht nur Bilderbuchfamilien gibt, aber solche Sätze lösen in mir einfach kein Verständnis aus und sie scheinen mir auch nicht sonderlich authentisch. Ebenfalls die bizarren Verhaltenswechsel des Vaters in Bezug auf seine Gemütsstimmung hat sich für mich etwas zu paradox angefühlt und das einmal unabhängig von der Situation, die ihn aufwühlt. 
Es hört sich vielleicht etwas härter an, als ich es beim Lesen verspürt habe, denn durchaus hatte das Buch auch einige schöne Passagen mit würdigen Zitaten, die etwas transportieren, aber es schien mir, als sei um diese Zitate herum eine Geschichte konstruiert worden, die an vielen Stellen nicht ganz zusammenpasst. 
Die Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht verschiedener Protagonisten erzählt, was eigentlich kein negatives Kriterium darstellt. Vieles wird auch recht gut ausgeführt, was die Gedanken der Betreffenden angeht, allerdings gab es eben auch durchaus vieles, was für mich nicht ganz aufgegangen ist. Alles lief nach einem Schema ab, das sich stark unrealistisch angefühlt hat, sodass Probleme durch einen Satz gelöst wurden, obwohl sie scheinbar mehrere Jahrzente bestanden haben. Das eigentliche Vorhaben, die Situation der Familie, also das Fehlen der Mutter zu veranschaulichen und damit gleichzeitig große Emotionen aufzubauen, schlug bei mir persönlich leider etwas fehl. So blieb ich irgendwie mit einer Geschichte zurück, deren Grundidee, wie auch einige Zitate, mir gefielen, aber auch mit einer Geschichte, die mir eine Familie präsentiert hat, die mich am Ende etwas "hilflos" zurückgelassen hat.

"Ich lachte lauthals los, Lou. Ich kann auch ohne dich noch lachen, aber ich höre schneller wieder auf." S.153


Hat sich von der Grundidee recht vielversprechend angehört und einige Passagen haben mir gefallen, die gesamte Familiendarstellung, wie auch einige für mich wahllos zusammengewürfelte wirkende Handlungen, haben dazu geführt, dass mir das Buch auf emotionaler Ebene etwas fern blieb. Die Protagonistin "Pomme", wie auch ihre Gedankenwelt haben mir am ehesten zugesagt, bei den restlichen Ausführungen fehlten mir oft eine fließende, wie auch ein authentisch menschliche Entwicklung.























Vielen Dank an den Atlantik Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Neuerscheinungen Mai

April 24, 2017






Es werden bereits die ersten Vorschauen für das Herbst-/Winterprogramm veröffentlicht. Es gibt allerdings noch einige demnächst erscheinende, interessante Neuerscheinungen, die noch aus dem Frühjahrsprogramm kommen. Natürlich wollte ich es mir nicht nehmen lassen, sie euch kurz vorzustellen. 

Wie immer gelangt ihr durch einen Klick auf den Titel, auf die jeweilige Verlagsseite und zu den dazugehörigen Informationen zum Buch

"Der Freund der Toten" von Jess Kidd, Dumont, gebunden, 19. Mai
Ein Buch, was mich diesen Monat mitunter am meisten interessiert. Die Geschichte soll sich durch "beißenden Humor" auszeichnen, was ich eigentlich ganz gerne mag. Und auch der Inhalt hört sich nicht ganz uninteressant an, denn die Suche nach der eigenen Identität kann meist wirklich spannend werden.

"Die Taufe" von Ann Patchett, Berlin Verlag, gebunden, 02. Mai
Aufmerksam wurde ich auf das Buch eher durch den Namen der Autorin. Sie hat bereits das kleine Büchlein "Aus Liebe zum Buch" geschrieben, wodurch sie mir positiv im Gedächtnis geblieben ist. Mal sehen, ob ich mich zu diesem Buch auch noch hinreißen lassen werde.

"Für Bücherfreunde" (Hrsg.) von Daniel Keel und Daniel Kampa, Diogenes, gebunden, 24. Mai
Bücher über Bücher oder über andere Literaturbezüge sind immer lesenswert. Daher kam dieses Buch sofort auf meinen Merkzettel.

"Die Sirene" von Giuseppe Tomasi di Lampedusa, Piper, gebunden, 02. Mai
Ich bin bekanntlich ein "Fan" von Erzählungen.  Dieses Buch versammelt ganz scheinbar fantasievolle Stories, die mich ebenfalls sofort neugierig gemacht haben. Werde ich sicherlich in der nächsten Zeit mal im Auge behalten.

"Fay" von Larry Brown, Heyne Hardcore, gebunden, 09. Mai
Beim Lesen der Inhaltsangabe zu diesem Buch hatte ich zwei gegensätzliche Gedanken. Der eine sagte mir, dass sich daraus wirklich etwas Gelungenes entwickeln könnte, der andere war sich nicht ganz sicher, ob mich die Thematik so stark anspricht. Jugendliche Ausreißer-Geschichten kennt man irgenwie schon und ich weiß nicht, ob ich mir die knapp siebenhundert Seiten "aufbrummern" möchte. Bleibt daher zwar vorgemerkt, aber vielleicht etwas au den hinteren Rängen.

"Always and forever, Lara Jean" von Jenny Han, Simon & Schuster (englische Ausgabe), gebunden, 02. Mai
Dieses Buch musste einfach ganz klar auf meinen Merkzettel. Es handelt sich hier um den dritten Teil der "To all the boys I´ve loved before" Reihe. Es ist tatsächlich ein Buch, das voller jugendlicher Naivität ist und auch verdammt kitschig daherkommt. Aber ab und zu brauch ich solche Geschichten einfach und da mir die ersten beiden Bände ganz gut gefallen haben, werde ich wahrscheinlich auch das Finale in Angriff nehmen.

"Stolz und Vorurteil" von Jane Austen, Penguin, Taschenbuch, 09. Mai
Nicht neu, aber in neuem Gewand kommt dieser Klassiker daher.

"Die Stadt im Nichts" von Mark Watson, Broschur, Heyne Encore, 22. Mai
"Doch kaum hat er sich an seine neue Umgebung gewöhnt, wird ein Mitarbeiter seines Teams tot aufgefunden. Das Merkwürdige daran ist, dass es niemanden so recht zu stören scheint …" Mit solchen Andeutungen hat man mich meist immer schnell für das Buch eingenommen. Da mir auch hier schon "Hotel Alpha" von Mark Watson gefallen hat, werde ich mir das Buch mal merken.

"Biete Krise, suche Glück" von David Foenkinos, Penguin, Taschenbuch, 09. Mai
Foenkinos ist mir eigentlich durch seinen Roman "Charlotte" bekannt; gelesen habe ich das Buch bisher aber noch nicht. Dieses Buch wurde zudem bereits 2014 unter dem Titel "Zurück auf Los" veröffentlicht. Das ging aber komplett an mir vorbei. Auch jetzt bin ich mir noch etwas unschlüssig, ob ich mich nicht nur von dem Cover hab beeindrucken lassen. Der Inhalt löst bei mir noch keine Jubelschreie aus, aber mal sehen.

"Gemischte Gefühle" von Katherine Heiny, Hoffmann und Campe, gebunden, (auf Juli verschoben)

"Die Stunde der Welt" von Frank Schirrmacher, Blessing, gebunden, 09. Mai
"Frank Schirrmacher erkundet die Bedeutung von Georg Trakl, Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal, Stefan George und Gottfried Benn, deren ästhetische Errungenschaften die literarische Moderne prägten und bis heute nachwirken." Da meldet sich wohl mein Studentenherz zu Wort. Ich finde solche Bücher immer wahnsinnig interessant und werde mir das Buch auch hier weiter oben auf der Liste vormerken.

Merkwürdigerweise scheint hier nur noch das e-book zu erscheinen (auch wenn es bei zB Thalia noch als gebundene Variante gelistet ist). Sollte dies so bleiben, muss ich wohl nicht mehr darüber nachdenken, ob es für mich in Frage kommt. Ich besitze keinen e-Reader und bin wirklich kein Freund davon, Bücher auf PC´s zu lesen. Daher warte ich hier mal ab, ob die Ausgabeart beibehalten wird.

Welche Neuerscheinugen interessieren euch im Moment am meisten?




Welttag des Buches

April 23, 2017












Wenn Büchern ein internationaler Tag gewidmet wird, dann soll das schon etwas heißen. Ab dem 14. Jahrhundert gibt es sie in der Form, die uns heute noch am gängigsten daherkommt; nämlich aus Papier. Dieses bedruckte Papier ist aber weit mehr, als nur ihr Gegenstandswert. Es beinhaltet zahlreiche, fantasievolle Geschichten, die uns immer auf ganz persönlicher, emotionaler Basis berühren.
Im zunehmend virtuellen Zeitalter, scheint für viele das Buch bereits ausgestorben zu sein. Für leseinteressierte Menschen allerdings ist die Entwicklung des Internets nur eine weitere, großartige Ergänzung dazu, sich über Bücher informieren zu können, sie in die Lieblingsbuchhandlung bestellen oder sich einfach von schönen Ausgaben einnehmen zu lassen.

Was also bedeutet nun der "Welttag des Buches" für mich? Für mich ist es in dem Sinne ein besonderer Tag, weil sich alle Menschen auf der ganzen Welt gezielt darüber äußern, dass sie Bücher feiern, dass es Bücher gibt, die ihnen etwas an Erfahrung, Emotionen oder Ähnlichem weitergegeben haben. Es ist ein Tag, der abseits der alltäglichen Liebesbekundungen zu Büchern, eine neue Liebe entflammen lässt, einfach weil man durch andere Kommentare (zB. via Twitter) merkt, dass es kein "Hype" ist, wieso man liest, sondern weil man sich innig in diese Vielfalt der Literatur hinein katapultiert und eben verliebt hat. Und dies ist immer sehr persönlich, sehr individuell.
So ist für mich diese ständige Diskussion, die die vermeintlichen Schwachstellen der Literaturblogger-Welt aufgreift (wie auch letztens erst wieder einmal thematisiert) einfach nur ermüdend. Für mich macht es keinen Unterschied, ob man auf seinem Blog ein Bild des Buches mit Duftkerzen, Tassen, Tee oder im Gegensatz dazu mit hoch intellektuellen Details einbindet. Dadurch zeichnen sich Blogs nun einmal aus (man muss sie schließlich auch nicht lesen, wenn man es nicht will), dass sie die Interessen der dahinterstehenden Person verkörpern. Das nimmt keinen Einfluss auf die Beurteilung des besprochenen Buches, um das es schlichtweg gehen sollte. Und ist es nicht auch genau das, was uns Bücher meist lehren (wollen)? Dass der Leser sich nicht davor scheuen soll, er selbst zu sein. Dass das Buch den Leser dazu ermutigen will, gegenüber seinen Mitmenschen offener und empathiefähiger zu sein? Für mich schlägt diese Aufforderung, dass Menschen, die Bücher gerne weiterempfehlen, es lassen sollten, ihre Persönlichkeit zu offenbaren und sich hinter einer Anonymität verstecken sollten um das Buch möglichst souverän vorzustellen, fehl. 
Bücher werden dafür gefeiert, dass sie die Vielfalt der Welt aufzeigen und das sollten wir in unserer Betrachtung der Gesellschaft nicht abhandenkommen lassen. So ist der Welttag des Buches für mich nicht nur ein wunderbarer Tag, um die fantastischen Bücher zu feiern, sondern auch ein Tag, der veranschaulichen sollte, dass es erlaubt und von mir auch erwünscht ist, einen "Ulysses" neben ein Stück Kuchen zu legen (es zu fotografieren) und dennoch eine ordentliche Besprechung dazu zu liefern. Denn Bücher sind keine losgelösten  Objekte, die nie in Kontakt mit anderen Gegenständen kommen, man darf sie gerne vielfältig einsetzen und sie so darstellen und weiterempfehlen, wie man es selbst für richtig hält. Also posaunt eure Liebe zur Literatur so heraus, wie ihr es wollt!

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen wunderbaren Welttag des Buches. Und auch, wenn heute die Buchhandlungen leider geschlossen sind und man nicht mit einem Bucheinkauf feiern kann, lässt sich das bestimmt auch durch das schlichte Lesen der aktuellen Lektüre ausgleichen. Oder seid ihr sogar bei "#verlagebesuchen" dabei?


Was lest ihr heute? Habt ihr euch eine spezielle Lektüre ausgewählt? Was bedeutet der Welttag des Buches für euch?



Do Androids Dream Of Electric Sheep? von Philip K. Dick

April 19, 2017







(Original: "-" / 1968) Orion Books Publishing, Übersetzer/in: -, 214 Seiten, Taschenbuch, Englische Ausgabe  ★★(★) 3 bis 4 Sterne 

"Der Krieg hat die Erde zerstört zurückgelassen. Zwischen den Ruinen jagt der Kopfgeldjäger Rick Deckard seine Beute, die flüchtigen Androiden. Bringt er sie gerade nicht zur Strecke, träumt er davon das Statussymbol schlechthin zu besitzen: ein lebendiges und echtes Tier. Doch dann bekommt Rick seine große Chance: er soll sechs "Nexus -6" Ziele "erbeuten" und dies für eine erstaunlich hohe Belohnung. Doch das Leben verläuft nicht nur auf einer geraden Strecke geradeaus und schnell verstrickt sich Rick in einen kaleidoskopischen Albtraum."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Nothing could be more impolite. To say, ´Is your sheep genuine?´would be a worse breach of manners than to inquire whether a citizen´s teeth, hair, or internal organs would test out authentic." S.5

Der Film "Blade Runner" ist sicherlich vielen ein Begriff. "Do Androids Dream Of Electric Sheep?" ist die Romanvorlage dazu und entführt uns, wie bei Philip K. Dick ganz typisch, in eine recht bizarre und anders entwickelte Welt, als wir gewohnt sind.
Ich persönlich habe den Film noch nicht gesehen, war also recht unvoreingenommen, was die Handlung und die Science Fiction Einflüsse anbelangt. Definitiv hat das Buch bei mir seine Wirkung hinterlassen und zwar hinsichtlich vieler Kritikpunkte an der Betrachtung unserer jetzigen Sichtweise in Bezug auf Tiere und dem gleichzeitigen Wunsch, das "echte" Leben komplett auf künstliche Weise nachzuahmen. Der Science-Fiction Roman greift bereits zu Beginn einen ersten wichtigen Punkt auf, der aufzeigt, dass Menschen große Zerstörungskünste besitzen. Die Erde ist durch den Krieg kaum noch bewohnbar, Tiere sind durch die entstandenen Schäden unfassbar rar und sollen nun beschützt werden.
So schrecklich dieses Szenario und die Ausgangssituation ist, so wunderbar zeigt sie auf, was bei der Menschheit immer noch falsch läuft. Kriege sorgen für die immer sehr begehrte Macht, da wird von den möglicherweise katastrophalen Folgen erst einmal abgesehen. Tiere sind für uns sowieso nur Viehzucht und übermäßig produzierte Nahrung, die man überall finden und kaufen kann. Durch diese gezielten Wandlungen der Verhältnisse sorgt Philip K. Dick dafür, dass sich diese schon ironische Wandlung zum menschlichen Beschützer der Tiere, zu einem kleinen Gedankenkarussell entwickelt. 
Unbeachtet gelassen werden aber auch dennoch nicht die Konflikte, dass der Mensch sich nur um die Tiere kümmert, weil sie ihm das nötige Prestige verleihen. So nimmt dieses Themengebiet in dem Roman einen recht hohen Anteil ein, ist aber trotzdem noch an viele andere Überlegungen gekoppelt. All dieses liest sich mit einem "Fingerzeig", der aber auch nötig ist. Man möchte natürlich als Leser erfahren, was es mit den Androiden auf sich hat, schnell merkt man aber, dass der Roman darauf abzielt uns etwas wichtiges vor Augen zu halten.

"´And androids´ Eldon Rosen added. ´Although naturally the public isn´t told that; they´re not supposed that androids are on Earth, in our midst.“  S.45.

Durch diese immense Wucht an komplexen Problemen, die das Verhalten der Menschen mit sich bringt, war ich mir nicht immer sicher, ob mir das Tempo des Buches so gut gefallen hat. Zentral gibt es zwei Protagonisten, die uns durch die Geschichte führen. Die Fortschritte, die der Kopfgeldjäger Rick Deckard in dem Verlauf macht, schienen mir manchmal etwas zu hektisch, manchmal so, als sei alles ein gutes Konstrukt, weil es in die Handlung passt, wobei aber diese "geschmeidige" Übergänge etwas darunter gelitten haben. 
Es kamen einige Textstellen, bei denen man herausgefordert wird, nachzudenken, ob die vorgeführten Ergebnisse stimmen können. Man liest und denkt parallel dazu weiter, ob es einen doch anderen Ausgang nehmen könnte, als bereits geahnt und dann nach wenigen Sätzen, richtet der Autor alles wieder hin. Quasi ohne weitere Schwierigkeiten, was sich für mich manchmal einfach zu "abgeschnitten" angefühlt hat, was vielleicht auch der allgemeinen Kürze des Buches geschuldet ist. Demnach hat mir rein von der Schreibweise betrachtet, nicht alles gefallen, dafür fand ich aber die inhaltlichen Aspekte umso stärker.
Mir gefiel das komplette "Spiel" mit der Frage nach den Gefühlen und Empfindungen von Lebewesen und auch die Definition dessen. So spielt zwar die bereits aufgegriffene "Verehrung" der Tiere eine Rolle, aber eben auch die Frage danach, wann etwas neu Erschaffenes als vollwertiger Mensch angesehen werden kann. Wo kann man sich vorstellen, entsteht Empathie? Ist das überhaupt möglich, solange man kein "echter" Mensch ist? Durch die auch hier recht raschen Wechsel der "Jagd" von Rick Deckard auf die Androiden, entstehen tatsächlich viele Blickwinkel auf diese Überlegung, die aber gar nicht so leicht zu bestimmen sind. Ebenso gelungen, der Einbezug des zweiten Protagonisten, der noch auf der Erde weilt; Isidore. Er verkörpert die Menschen, die irgendwie bei allem nur hinten dran hängen und keine Chance auf Anerkennung und Erfolg haben. Überraschenderweise war für mich dieser Charakter am Ende noch interessanter, als der des Kopfgeldjägers.


Die Romanvorlage von "Blade Runner" überzeugt durch eine recht deutlich vorstellbare, zerstörte Erde, die nun versucht durch neue Werte und Ausflüchte, eine Zukunft zu haben. Viele komplexere, auch moralische Fragen werden aufgegriffen und stellen gleichzeitig dar, wie schwierig es ist, durch zunehmende Vermenschlichung künstlicher Intelligenzen, den Nachweis möglicher Empathie zu erbringen. Die Handlungen haben ein recht zügiges Tempo, was dem schweren Inhalt manchmal vielleicht nicht ganz gerecht wird.


Der Report der Magd von Margaret Atwood

April 16, 2017










(Original: "The Handmaid´s Tale" / 1985) Piper Verlag, Übersetzer/in: Helga Pfetsch (aus dem kanadischen Englisch),  ★★ 5 Sterne 

"»Mit ›Der Report der Magd‹ hat sich Margaret Atwood in die Nachfolge von Aldous Huxley und George Orwell hineingeschrieben.« Der Spiegel
Die provozierende Vision eines totalitären Staats, in dem Frauen keine Rechte haben: Die Dienerin Desfred besitzt etwas, was ihr alle Machthaber, Wächter und Spione nicht nehmen können, nämlich ihre Hoffnung auf ein Entkommen, auf Liebe, auf Leben ... Margaret Atwoods »Report der Magd« wurde zum Kultbuch einer ganzen Generation und von Volker Schlöndorff unter dem Titel »Die Geschichte der Dienerin« verfilmt."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Das Normale, sagte Tante Lydia, ist das, was ihr gewohnt seid. Was ihr jetzt erlebt, mag euch vorläufig noch nicht normal vorkommen, aber nach einiger Zeit wird sich das ändern. Es wird das Normale werden." S.52

Man kann die Tatsache wohl nicht wirklich von sich weisen, dass zur jetzigen Zeit, beängstigende Zukunftsvisionen realer denn je erscheinen. Politisch scheint alles drunter und drüber zu gehen, man weiß nicht genau, welche Konflikte folgen werden und welche fanatischen Kreise sich noch zu entwickeln drohen. Umso erstaunlicher, bizarrer und auch durchaus gruselig die Tatsache, dass Margaret Atwood ihren bekannten Roman "The Handmaid´s Tale" im Original bereits im Jahr 1985 veröffentlicht hat und sich viele Überlegungen und Entwicklungen darin wiederfinden lassen, die den Leser etwas benommen zurücklassen.
Im Mittelpunkt steht ein Staat, der es sich zu Eigen gemacht hat, Frauen zu kontrollieren. Von beinahe jetzt auf gleich vollzieht sich eine Umwandlung der gesamten gesellschaftlichen Werte, sodass Frauen gezwungen werden als "Gebärmaschine" zu dienen. Das einmal rein zum inhaltlichen Kontext, um meinen Eindrücken besser folgen zu können. Als weibliche Leserin hat es mich natürlich nicht verwundert, dass ich von den persönlichen Eindrücken der Ich-Erzählerin nicht nur von Anfang an eingenommen, sondern teilweise auch, man kann es sagen, geschockt war. Allein die bloße Vorstellung daran, wie sich Frauen in diesem Gebilde zu fügen haben und wie weit die Observation, wie auch die Bestrafung derer ausfällt, lässt einen nicht unberührt zurück. Es schwingt immer etwas ganz Verletzliches mit. Man hat das Gefühl, man ist wirklich mit der Ich-Erzählerin alleine, als sei man etwas, woran sie sich festhält, etwas, für das es sich lohnt, ihre Geschichte zu erzählen. Man verspürt so eine Art Flüsterton, den der Text an sich hat. Als würde man bei einem Geständnis anwesend sein, das aber nur man selbst hören darf. Für mich einfach umso beeindruckender, wenn man dem tatsächlichen Verlauf der Geschichte folgt. Margaret Atwood erschafft hier nicht nur eine Atmosphäre, die für das Buch angemessen wäre, die erschafft wirklich die Welt, die sich mit jeder Seite realer (wenn auch beängstigender) anfühlt.
Es geschehen Dinge, die einen verletzen, berühren, die einem den Atem stocken lassen, die manchmal dazu führen, dass man gar nicht mehr weiß, welche "Gruppe" der Beteiligten nun noch gut oder schlecht ist und Dinge, über die man tatsächlich lange nachdenkt.

"Jetzt kann ich nicht umhin, die kleine Tätowierung an meinem Knöchel zu sehen. Vier Ziffern und ein Auge - das Gegenteil eines Passes: Sie soll garantieren, dass ich niemals endgültig in eine andere Landschaft entschwinden kann. Ich bin zu wichtig, zu rar dafür. Ich bin Nationalbesitz.“  S.90f.

Dem Gesagten der Erzählerin kann man demnach sehr gut folgen. Alles geschieht in rationierten Schritten. Man wagt sich immer weiter vor und dann auch wieder ein wenig zurück. Die Erzählung beginnt nämlich bereits in ihrer aktuellen Situation, in der sie sich befindet. Als Leser fragt man sich aber natürlich, wie es zu solch einem Staat kommen konnte. In weiteren Kapiteln erfahren wir dann mehr über ihre Vergangenheit und ihre Schicksalsschläge, die sie rekapituliert. Für mich persönlich war es erschreckend zu sehen, wie nah wir immer noch solch eines Szenarios sind, vielleicht näher als noch vor einigen Jahren. Es werden Dinge angedeutet, dass systematisch versucht wird, das Geld nicht mehr auszuzahlen, dass man dadurch quasi nur per Kreditkarte zahlen und auch leben kann. Wenn man sich unsere jetzigen Bank-Geschehnisse ansieht, könnte man vermuten, da tauchen gewisse Parallelen auf. Durch solche Kleinigkeiten fühlt sich das Buch plötzlich gar nicht mehr nach einer weit entfernten, dystopischen Schreckensversion an, sodass man beginnt die Schilderungen sehr extrem wahrzunehmen und sich fragt, ob ein solch drastischer Rückschritt tatsächlich möglich wäre. Haben Frauen tatsächlich Jahrzehnte dafür gekämpft unabhängig zu sein, um dann in so einem System zu landen? Aber nicht nur dieses sehr weit ausführbare Thema, steht hier allein im Vordergrund, sondern auch die wesentlichen Sehnsüchte des Menschen. Können Menschen allen Verboten widerstehen? Und wie lange widerstehen sie, wenn die Bestrafung vor ihren Augen ausgeführt wird?
Meiner Meinung nach spielt Atwood in ihrem Roman so raffiniert mit scheinbar vergessenen Werten, fanatischen Bibelsprüchen (die symbolisieren, dass keine Religion frei von falscher Interpretation ist) und Dingen, die wir als so selbstverständlich wahrnehmen. Ebenso hat mich die ganze Umsetzung dieser vielen Themengebiete sehr überrascht und auch positiv zurückgelassen. Denn obwohl die eigentliche Erzählung der "Magd" endet, fügt Atwood ein weiteres Kapitel ein, das zusätzlich gezielt, weitere Aufschlüsse über vielleicht offen gebliebene Fragen bespricht. Meiner Meinung nach, ein kleiner Geniestreich, mit dem ich nicht gerechnet hätte und der das Buch noch einmal interessanter macht.

"Man musste solche Papierfetzen mitnehmen, wenn man einkaufen ging, obwohl [...] die meisten Leute schon Plastikkarten benutzten. Allerdings nicht für Lebensmittel, das kam später.  [...] Ich muss diese Art Geld auch noch benutzt haben, eine Zeit lang, bevor alles von der Compubank eingezogen wurde. So, nur so, nehme ich an, konnten sie es überhaupt durchführen, ganz plötzlich, ohne dass irgendjemand vorher davon wusste. Hätte es noch bares Geld gegeben, wäre es schwieriger gewesen." S.232f.


Ein raffiniert konstruiertes, totalitäres Regime, welches sich gar nicht so fern anfühlt. Atwood verbindet hier die ganz persönlichen Sehnsüchte der Protagonistin, mit der knallharten Führung des Staates und sorgt dafür, dass man nicht nur einmal mit weiten Augen zurückbleibt. Packend und gleichzeitig wahnsinnig emotional. Beinhaltet gleichzeitig wahnsinnig viel Interpretations- und Gesprächsmöglichkeiten.



Vielen Dank an den Piper Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!