Der Flüsterer im Dunkeln von H.P. Lovecraft

Oktober 31, 2016







(Original: "The Whisperer in Darkness" / 1931) Übersetzer/in: Rudolf Hermstein, 123 Seiten, Taschenbuch,  Einzelband, ★★★★ 4 Sterne
Bibliografie auf der Verlagsseite (Suhrkamp Verlag)»
"Der Flüsterer im Dunkeln ist eine Art schauerlicher Science-fiction; Wesen aus dem interstellaren Raum bemächtigen sich der Gehirne von Forschern zu dunklen Zwecken."


MEINE MEINUNG | FAZIT 

"Man erzählte sich von sonderbaren Klauenabdrücken, die am Morgen unter den Fenstern von Bauernhäusern gesehen worden waren, und gelegentlich auch von dem Verschwinden einer Person in einer Gegend außerhalb der bekanntermaßen heimgesuchten Gebiete.S.12f.

Natürlich haben sich Horrorgeschichten im Laufe der Zeit etwas verändert. Sie werden meist gruseliger, vielleicht auch sogar blutiger. Die Anfänge solcher Geschichten bildet aber zum Beispiel der sehr bekannte Schriftsteller H.P. Lovecraft. Seine Horrorerzählungen sind noch deutlich subtiler, bewegen sich dennoch in recht Gänsehaut-erzeugenden Äußerungen. In "Der Flüsterer im Dunkeln" erfährt der Leser was vor sich geht, aber vieles bleibt trotzdem im Verborgenen. Es gibt Hinweise darauf, was genau passiert sein könnte, Einiges bleibt aber unausgesprochen. Das macht zugegebenermaßen auch den Reiz der Geschichte aus. Der Leser wird mit einem Erzähler konfrontiert, welcher übernatürliche Ereignissen und auch Gestalten auf der Spur ist, obwohl er den ganzen Mythen recht skeptisch gegenübersteht. Als Leser ist man demnach in der Situation, dass man sich fragen muss, ob man ihm vertrauen kann und ob sich alles nicht doch als "Traum" oder ähnliches erweisen könnte. Durch die gezielten Äußerungen und Hinweisen in gewissen Briefen wird der Leser aber auch auf Entwicklungen in der Geschichte vorbereitet. Die Spannung der Geschichte liegt aber zudem auch an der Kommunikation zwischen dem Protagonisten und gleichzeitigen Erzähler und einem weiteren Mann, der sich für die eigenartigen Geschehnisse und Erzählungen interessiert, die besagen, dass etwas Merkwürdiges vor sich geht. Sie kommunizieren nämlich vorerst ausschließlich über den Briefverkehr. Alles, was an dem Ort geschieht, basiert allein auf den Aussagen seines "Freundes". Auch hier muss man sich fragen, in wie weit die unheimlichen Wesen, die beschrieben werden und deren Verhaltensweisen zutreffend sind.

"Daß er tödliche Angst vor den dichtgedrängten grünen Bergen und dem endlosen Gluckern der Bäche gehabt hatte, inmitten derer er geboren und aufgewachsen war, besagte auch nichts, denn Tausende leiden unter solchen krankhaften Angstzuständen.S.7

Ich muss dazu sagen, dass ich mir die Geschichte zwar deutlich "gruseliger" vorgestellt habe, aber ich kann nicht leugnen, dass sie durchaus ihren Reiz und ihre Spannungsmomente hat. Mir gefiel die Gestaltung der neuen Erkenntnisse rund um den mystischen Ort und die Abdrücke, die gefunden werden und auch die spielerische Taktik, den Leser zu verunsichern. Dennoch kann man natürlich vieles erahnen und man befindet sich nicht zwingend in der Situation, dass man auf eine ganz außergewöhnliche Wendung stößt. Dennoch hält die Geschichte einige Überraschungen bereit, die sich zum Beispiel zum Verbleib einiger Personen äußern oder auch die Absichten der fremdartigen Wesen aufgreifen. Es ist sicherlich eine gute, literarisch unterhaltsame Lektüre, die ihren ganz eigenen Charme hat und wirklich zum weiterlesen animiert. Am Ende war ich mir etwas unschlüssig, ob man dieses Buch lesen sollte, bevor man nicht die anderen berühmten Werke Lovecrafts gelesen hat, denn es tauchten Namen auf, die man aus anderen Geschichten von ihm kennt und zu denen ich dann noch keine Verbindung aufbauen konnte. Eine stetige Entwicklung und gewisse Spannungsmomente sind aber definitiv beinhaltet.

"Was der Flüsterer behauptete, war für einen Menschen völlig unglaublich - aber schienen nicht die anderen Dinge nur deshalb noch weiter hergeholt und noch absurder, weil sie noch weiter von der Möglichkeit sichtbarer, konkreter Beweisführung entfernt waren?“ S.101f.
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Eine ausgesprochen gute, frühe "Horrorgeschichte", die den Leser gebannt einfängt und mit den selbst einzuschätzenden Wahrheitsgehalten der Protagonisten spielt. Spitzt sich in der Dramatik zu und offenbart die Absicht unheimlichen Wesen. Mit spielerischem Erzählstil und einer gekonnten Kreativität sorgt das Buch für Suchtgefahr.


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