Buchmendel und Die unsichtbare Sammlung von Stefan Zweig

Oktober 28, 2016








(Original: "-" / 1929) Übersetzer/in: -, 150 Seiten mit zahlreichen Illustrationen von Joachim Brandenberg und Florian L. Arnold, gebunden,  Einzelband, ★★★★★ 5 Sterne
Bibliografie auf der Verlagsseite (Topalian & Milani Verlag)»
Das Buch beinhaltet zwei Novellen des bekannten Schriftstellers Stefan Zweig: „Buchmendel“ und „Die unsichtbare Sammlung“.


MEINE MEINUNG | FAZIT 

"Ja, ich kann mir´s schon denken, warum Sie mich aufsuchen… Die Geschäfte gehen jetzt schlecht in unserem armen, heruntergekommenen Deutschland, es gibt keine Käufer mehr, und da besinnen sich die großen Herren wieder einmal auf ihre alten Kunden und suchen ihr Schäflein auf…“ S.23

Was bei diesem Buch natürlich sofort ins Auge fällt, ist die außerordentlich schöne Gestaltung und die zahlreichen Illustrationen, welche genügend Tiefgang besitzen und sich so geschickt mit den beiden Novellen verbinden. Die Intentionen der Illustrationen werden nach jeder Erzählung durch einen kurzen Text erläutert, was mir persönlich gut gefallen hat, da die künstlerische Arbeit ebenfalls genügend gewürdigt wird. Die Novellen „Buchmendel“ und „Die unsichtbare Sammlung“ von Stefan Zweig werden sicherlich viele kennen, ich muss zu meinem Bedauern sagen, dass ich erst mit diesem Buch den Einstieg in die wunderbare Erzählwelt Zweigs gefunden habe. Umso begeisterter war ich, als mir die Novellen mit einer solch liebevollen Aufarbeitung in die Hände fielen. Das Buch ist sehr modern gestaltet und vereint dadurch zusätzlich ganz geschickt, die klassischen Geschichten mit den zeitgemäßen Ansichten. Beide Texte beziehen sich auf die sich verändernde Gesellschaft, die durchaus negativ wahrgenommen wird. Als Leser spürt man Zweigs Interesse oder Wunsch nach einem sinnvollen Lebensstil und einem bedachteren Umgang miteinander. Es sind zwei Erzählungen die sehr gut miteinander harmonieren und das Buch dementsprechend zu einer wunderbaren Lektüre entstehen lässt.

"Ich ärgerte mich, wie man sich immer ärgert, wenn der eigene Leib dem Willen nicht gehorcht, wenn irgendein Versagen einen die Unzulänglichkeit und Unvollkommenheit unserer geistigen Kräfte gewahr werden läßt.“ S.70

Inhaltlich möchte ich von den Erzählungen nicht zu viel vorweg nehmen, zudem gehe ich auch davon aus, dass viele die Werke Zweigs vielleicht bereits kennen. Was für mich allerdings ganz erwähnenswert ist, ist die Liebe zum Detail in dem Buch. Das Buch endet zum Beispiel nicht einfach nur mit der Erzählung „Buchmendel“, sondern weist noch einige Lebensverläufe von Stefan Zweig auf, welche seine Lebensphilosophie aufgreift. Zudem ist sein „Abschiedsbrief“ abgedruckt, welcher den Leser auf eine ganz besondere Art berührt und dafür sorgt, dass man die Novellen mit einem etwas erweiterten Blickwinkel wahrnimmt. Ich bin wirklich begeistert wie viel man aus diesen knapp hundertfünfzig Seiten mitnimmt. Für mich gleicht das Buch definitiv den Defizit aus, den der deutsche Buchmarkt noch hinsichtlich der Gestaltung von besonderen Literaturausgaben hat.

"Ein bitterer Geschmack kam mir auf die Lippen, Geschmack von Vergänglichkeit: Wozu lebt man, wenn der Wind hinter unserm Schuh schon die letzten Spuren von uns wegträgt?“ S.97


Zwei Novellen Stefan Zweigs, vereint in einem Band, welche das Bücherherz höher schlagen lassen. Thematisch wird man hier auf Gedanken bezüglich der Entwicklung der Gesellschaft und dessen negativen Folgen, wie aber auch den vereinzelt guten Menschen und Ansichten gebracht, die einen deutlich größeren Platz einnehmen sollten. Die kurzen Erzählungen an sich sind schon lesenswert und hinterlassen einen leicht melancholischen Hauch, aber die Illustrationen, die mit viel Liebe zum Detail gestalteten, zusätzlichen Seiten, lassen das Buch zu einem wirklichen Hingucker werden, welches man als literaturverliebter Mensch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.





























Vielen Dank an den Topalian & Miliani Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Kommentare:

  1. Hui, das ist ja wirklich eine tolle Ausgabe! Die macht ja direkt mal der Büchergilde Konkurrenz ;-) Zweigs Schachnovelle gehört ja zu meinen Lieblingsbüchern, allerdings habe ich dafür bisher noch viel zu wenig sonst von ihm gelesen. Dank dir also für diesen (Geheim)Tipp!
    Liebe Grüße, Cara

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    1. Wenn das so ist, dann muss ich "Die Schachnovelle" auf jeden Fall auch noch lesen! Ich mochte diese beiden Erzählungen wirklich sehr, so dass ich mir schwer vorstellen kann, dass mich andere Erzählungen komplett enttäuschen. : )


      Liebe Grüße
      Karin

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