Die S.E.A. Expedition von Nikolaus Hansen und Tina Uebel

September 09, 2016


(Original: "-"/ 2016) Übersetzer/in: -, 352 Seiten mit 44 farbigen Illustrationen, gebunden,  Einzelband, ★★★ 4 Sterne
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"Im Bann eines der größten Polarforscher aller Zeiten: Ein Jahrhundert nach Ernest Shackleton folgt die Expedition »S.E.A. – Sir Ernest’s Anniversary« seinem Weg nach dem Untergang der Endurance im Weddellmeer. Dafür brechen zehn Männer und zwei Frauen Ende 2015 zu einem Segeltörn über den wildesten Ozean der Welt auf. Unter schwierigsten Bedingungen gelangen sie von den Falklandinseln über Elephant Island bis nach Südgeorgien, wo ein Teil des Teams auf Skiern die dramatische Gletscherlandschaft überquert. Die Crewmitglieder Nikolaus Hansen und Tina Uebel halten das gewagte Unterfangen in einem mitreißenden Bericht fest, ergänzt durch einzigartige Aufnahmen unberührter Eislandschaften. Dabei zeichnen sie den Verlauf von Shackletons Rettungsaktion nach und zeigen, weshalb sie die Menschen bis heute fasziniert."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Es ist unglaublich schön. Frisch gemachter Berg. Und niemand hier, keiner außer uns, der Ozean dort draußen jenseits der Antarctic Bay leer, als wäre der Mensch nie erfunden.
S.10

Man muss nicht zwingend ein ausgeprägtes Interesse an der Antarktis ausweisen, um sich in diesem Buch verlieren zu können. Allerdings kann ich auch aus persönlicher Sicht sagen, dass, wenn man dieses Interesse hat, das Buch umso spannender ist. Ich muss zugeben, von der "Shackleton Expedition" hatte ich bisher nichts gehört. Ich kannte die Vorgeschichte nicht, aus der die Idee entstand, dass sich zwölf mutige Menschen auf den Weg machen, um genau diesen Spuren der Vorgeschichte zu folgen. Glücklicherweise greift das Buch viele Informationen und Bezüge der hundert Jahre alten Expedition auf. Die Tatsache, dass originale Auszüge der Tagebücher der Shackleton-Besatzung zitiert werden, fand ich umso interessanter. Man kann wirklich in eine äußerst einzigartige Welt eintauchen, die sich zwar mit der Faszination der antarktischen Gebiete befasst, welche aber auch die immer stärker werdende Bindung der Team Mitglieder (der heutigen und der vor hundert Jahren) thematisiert. So hatte ich das stete Gefühl einen waghalsigen "Road-Trip" mitzuverfolgen, der sich nicht auf der Straße, sondern auf dem Meer abspielt. Die Erlebnisse werden überwiegend von Nikolaus Hansen und Tina Uebel festgehalten. Diese beiden kommen auch abwechselnd in unterteilten Kapiteln zu Wort. Die Eindrücke der anderen Team Mitglieder werden aber ebenfalls von beiden dokumentiert und preigegeben. So bekommt der Leser einen sehr guten und weiten Überblick über die tatsächliche Lage an Board und den kleinen "Ritualen", die zwischen den, zu Freunden gewordenen Teilnehmern der Expedition entstehen. Mir gefiel zunehmend der Aspekt, dass klar gestellt wird, dass es sich um kein Abenteuer handelt, das noch nie jemand zuvor gewagt hat. Nichts wird unnötig "aufgebauscht". Die Faszination für die Reise an sich wird aber dennoch deutlich und man selbst kann auch aufgrund der beiliegenden Bilder erahnen, was für eine außerordentliche Reise es gewesen sein muss.

"Wenn wir von den Polargebieten reden, müssen wir von Obsession reden.“ S.17

Die eigentlichen Bezüge, beziehungsweise die Verbindung zwischen beiden Erlebnissen der zwei Besatzungen, mit hundert Jahren unterschied, werden gut herausgearbeitet und auch nahegelegt. Als Leser merkte ich deutlich, dass die Autoren von der Persönlichkeit Shackletons fasziniert waren und diese Faszination auf den Leser übertragen wollten. Das ist ihnen auch tatsächlich gut gelungen. Zunehmend wird man vertrauter mit den Erfahrungen der Expeditionen und lässt sich von den Eindrücken der Teilnehmer mitreißen. Darunter findet man dann eben nicht nur die Bewunderung für die Eisberge und die eigentliche Landschaft, sondern auch informative Passagen zu der allgemeinen Situation der Gebiete, dass es tatsächlich unerlässlich ist, sich an gewissen Orten von allen Sporen, Keimen oder Ähnlichen zu befreien, bevor man an Land geht und warum dies so ist. Dem Leser werden zudem die Verhaltensweisen von bestimmten Tierarten näher gebracht, sowie auch die Orte, die nach Shackletons Tod noch eine besondere Funktion erfüllen. Alles in allem ein sehr interessanter und auch lesenswerter Erfahrungsbericht, der mich gut unterhalten hat. Der Unterhaltungsaspekt entsteht vor allem durch die Abwechslung der Schreibstile, wie auch der Art der Schreibstile. Besonders Tina Uebels Kapitel sind oftmals sehr "locker" verfasst und bringen einen zum Schmunzeln. Ich muss gestehen, dass ich mit dem ein oder anderen Kapitel meine Schwierigkeiten hatte, irgendwie hat mich da die Schreibweise tatsächlich etwas "gestört", was der eigentlichen Botschaft des Buches und der allgemeinen Betrachtung aber nicht sehr geschadet hat. Bei einigen Begrifflichkeiten musste ich mich tatsächlich erst einmal einlesen, vor allem in Bezug auf das Fachjargon, das man zum Segeln benötigt. Mit der Zeit merkt man aber, dass man durch genau diese Fachbegriffe, den Eindruck verspürt, als sei man selbst Mitglied an Board.

"Und es stellt sich eine Ahnung dessen ein, was Sheckleton und seine Leute hier vor 100 Jahren durchgestanden haben - ohne unsere Technik, ohne unsere Hightech-Klamotten, ohne unsere immer noch bescheidenes Wissen um diesen Ort“ S.108
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Faszinierende Bilder, schöne Schilderungen, humorvolle Neckereien unter Team-Mitgliedern und die Begeisterung für die Expedition an sich, lassen das Buch zu einer ganz besonderen Erkundung der Antarktis werden. Dabei treten die Mitglieder nicht nur in "Shackletons" Spuren, sondern erleben selbst eine Reise, die sie niemals vergessen werden. Informative Details über die Regionen und über die Lebewesen, wie auch die nötigen Verhaltensweisen, sorgen für eine abwechslungsreiche Schilderung der Reise. Originale Tagebucheinträge der Shackleton Expedition verbinden zudem geschickt die eigene Erfahrung der Team-Mitglieder.



 Vielen Dank an den Piper Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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