Mitternacht zu sein ist nicht jedem gegeben von António Lobo Antunes

November 30, 2015



(Original: "Não é mei noite quem quer") Luchterhand, 576 Seiten, Hardcover,  Einzelband,  ★★(★)☆☆ 2 bis 3 Sterne
"Was bleibt vom Leben, wenn man alles verloren hat? Eine Frau Anfang fünfzig hält Rückschau auf ihr Leben: Es sind nur drei Tage, die sie im einstigen Ferienhaus ihrer Familie verbringt, um Abschied zu nehmen, weil das Haus verkauft worden ist. Doch in diesen drei Tagen stürzt das ganze Drama ihrer Existenz über sie herein, und ihre Erinnerungen an die glücklichen Tage der Kindheit weichen einem immer bedrohlicheren Strudel der Verzweiflung …"  

MEINE MEINUNG | FAZIT

"[...] [U]nd als ich es bemerkte, starb ich, ohne dass sie begriff, dass ich tot war, wir sterben, und niemand  nimmt es wahr, wir hören auf zu existieren, und die anderen glauben, wir seien gegenwärtig, sie antworten den Nachbarn an unserer Stelle - Sie ist erschöpft das ist alles [...]" S. 165

Dieses Werk von António Lobo Antunes ist sicherlich ein literarisch anspruchsvolleres als viele andere Bücher. Die Sätze sind ineinander verstrikt und es gibt keine klaren Kapitel, in denen bestimmte Abläufe geschehen. Vielmehr ist es ein innerer Monolog einer Protagonistin, die versucht ihr bisheriges Leben zusammenzufügen und zu entscheiden, was sie wirklich will und wie sie das Erlebte verkraften und deuten soll. Dabei fällt auch auf, dass die Protagonistin nicht namentlich erwähnt wird, sondern sie von ihren Familienmitgliedern lediglich des öfteren mit "Kleine" angesprochen wird. So fiel es mir als Leser zunehmend schwerer eine wirkliche Verbindung zum Hauptcharakter aufzubauen, auch wenn man sehr viel aus ihrem Leben und ihrer Gefühlswelt erfährt. Hinzu kommt das "erschwerte" Lesen durch die sehr eigene Schreibweise des Autors. Die Kapitel bestehen aus Sätzen, die nicht mit einem Punkt abgeschlossen werden, bis auf den Schluss jeden Kapitels. Ich konnte das Buch daher nicht immer lesen, wenn ich gerne gelesen hätte, da man sich für das Buch doch mehr Zeit nehmen sollte, um das Gesagte und die Stimmung auf dich wirken zu lassen. Gleichzeitig kann die Art der Geschichte aber auch eine poetische Wirkung haben und wenn man sich wirklich auf den Schreibstil einlässt, entdeckt man wirklich viele schöne Stellen. Ich würde also schon sagen, dass das Buch etwas spezieller ist und vielleicht nicht jedem zusagt. Daher empfehle ich aufjedenfall sich einmal die Leseprobe anzusehen und zu schauen, ob man überhaupt mit dem Erzählstil auf einen Nenner kommt.

"[...] die da ist eine andere mit meinem Namen, die zufällig fühlt, was ich fühle oder zu fühlen glaube, ich habe mich verändert Senhor, ich bin kein Mädchen, bin ein Esel, der fallen wird, der fällt und den sie hinterher nicht in dieses Haus bringen werden, denn das Haus ist am Ende, [...]" S. 142

Obwohl die Geschichte aus der Sicht der Protagonistin geschildert wird, gibt es zwei Kapitel die sich davon abheben. Zum einen gibt es ein Kapitel, welches die Erzählweise der "Kollegin" wiedergibt, die jedoch auch in anderen Teilen der Geschichte erwähnt wird und ein Kapitel, welches von einem der beiden Brüder der Protagonistin geschildert wird. Die Erzählweise der Kollegin war durchaus ein Kontrast zu dem bisherigen Text auch wenn der Erzählstil ähnlich war. Allerdings hatte er viel mehr humorvolle Stellen, bei denen man lächeln musste, zum Beispiel in Bezug auf die Anschaffung gewisser Stofftiere, die personifiziert werden. Auch das Kapitel des Bruders hob sich etwas ab, obwohl er für mich sogar noch deprimierender war als der, der Protagonistin. Ich muss also wirklich sagen, dass es ein sehr nachdenkliches Werk ist, welches vorallem auch durch die verschiedenen und vielen Metaphern lebendig wird. Es gibt daher auch keine wirklichen Zeitzonen, die einen klaren Ablauf der Geschichte zeigen, sondern nur Andeutungen durch die Erzählerin, die Dinge sagt wie: "Mein Mann, damals noch nicht mein Mann [...]". So hat der Leser eine gewisse Linie, die er sich fügen kann um herauszufinden von welchen Erinnerungen die Protagonistin spricht und wann sie vorgefallen sind. Grundsätzlich gibt es aber drei große Teile, die mit einem Datum versehen sind, welche aufzeigen, zu welchem Zeitpunkt die Protagonistin über das Erwähnte nachdenkt. Bei vielen Stellen vermischten sich aber auch viele Eindrücke und ich hatte manchmal das Gefühl nicht wirklich alles richtig zuordnen zu können, besonders auch bei einigen Stellen, die mir einfach etwas zu konfus waren.

"Sterben ist, dass es am Tisch einen Platz zu viel gibt und man die Stühle etwas mehr auseinanderstellt, um es zu kaschieren, man spürt das Unbehagen der Abwesenheit [...]" S. 28

Zwar übeschneiden sich viele Vergangenheitserinnerungen in ihrer Thematik, wie die Probleme in der Familie, die Verluste die die Protagonistin erleiden musste und ihre persönlichen Schicksalsschläge, die den Leser auch nicht ganz unberührt lassen, zentraler Punkt bleibt in dem Buch aber wohl der Tod. Alles scheint zu diesem Gedanken zurückzuführen. Egal in welcher Hinsicht und wen es getroffen hat. Leider gehen viele bedeutsame Stellen etwas unter, da man sich eben zu sehr bemüht, nichts zu überlesen. Literarisch gesehen ist das Buch aber sicherlich sehr vielfältig und hat auch viele starke Pasagen. Mir persönlich war es am Ende doch etwas zu lang und zu speziell, da ich zwischen einigen Kapiteln immer mal wieder eine Pause einlegen musste. Dennoch finde ich, dass das Buch an sich eine schöne literarische Darlegnung einer Geschichte über die Schicksalsschläge eines Lebens ist.



Eine anfangs gewöhnungsbedürftige Erzählweise gepaart mit einer bewegenden Geschichte. Ich konnte mich leider nicht immer mit der Protagonistin auf einer "Ebene" bewegen und denke, dass man sich für das Buch Zeit nehmen sollte. Dennoch finde ich, dass das Buch an sich eine schöne literarische Darlegnung einer Geschichte über die Schicksalsschläge eines Lebens ist. Symbolisch und metaphorisch angehaucht. Obwohl es vieles gab, was ich an dem Buch schätze, hat mich die Länge des Buches verbunden mit der Schreibweise, an manchen Tagen von dem Buch ferngehalten.



Vielen lieben Dank an den Luchterhand Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Die letzte Freiheit von Georg Diez

November 27, 2015





(Original: -) von Georg Diez,  Berlin Verlag [klick],  124 Seiten, Klappenbroschur, Einzelband, ★★★  4 Sterne

Original-Klappentext: "Der Tod gehört zum Leben. Wer fragt, wie wir sterben wollen, fragt auch, wie wir leben wollen: frei, selbstbestimmt und autonom? Oder so, wie andere es wollen: verwaltet und bevormundet von Ärzten, Krankenkassen, Angehörigen? Es tobt ein ideologischer Krieg um die Frage nach dem guten, dem richtigen Tod. Allein der Mensch, um den es geht, spielt dabei oft keine Rolle. Will er sich helfen lassen? Muss er sich helfen lassen? Und was ist, wenn er sein Ende selbst bestimmen will? Gibt es dafür einen respektvollen, einen würdevollen Weg?" 


MEINE MEINUNG | FAZIT

"´Mir geht es richtig schlecht´. Er hatte das schon öfter gesag, es war die Art von Offenbarung, die erfolgreiche Menschen ab und zu gern machen, so scheint es mir, auch weil sie den Schmerz und den Schock genießen, der diese Nachricht anrichtet: bei ihnen selbst und bei denen, die sie damit überraschen." S. 9

"Die letzte Freiheit" ist keine leichte Kost und dennoch bleibt man nach beenden des Buches nicht mit einem völlig niederschmetternden Gefühl zurück. Das Thema des Freitods und der Sterbehilfe ist sicherlich eines der wohl umstrittensten in der Gesellschaft. Georg Diez setzt sich unteranderem genau damit auseinander. Wieso liegt es an der Gesellschaft, dass der selbstgewählte Tod eine solche Schande ist? Verschiedene Epochen werden kurz unter die Lupe genommen und in Hinblick auf das manchmal sogar romantische Bild des Selbstmords untersucht. Gleichzeitig wird auch der Begriff an sich erläutert und auch die verschiedenen Namen für die Sache an sich werden verglichen. Sprich wie unterscheidet sich der Blick der Gesellschaft, wenn man statt Freitod den Namen Selbstmord oder Suizid verwendet? Diez schafft es auf diesen wenigen Seiten seinen Standpunkt klar zu verdeutlichen. Er setzt sich für die Freiheit ein. Für die Freiheit des Menschen sein Leben so gestalten und beenden zu können, wie er es möchte. Unabhängig davon, wieviele Kosten man "verursacht" oder was von der Gesellschaft als Schande angesehen wird. Man merkt deutlich, dass dieses Thema Diez wohl nie losgelassen hat und auch nie loslassen wird weil es ein ständiger Begleiter für ihn ist. Kurze andeutungen an sein früheres Werk "Der Tod meiner Mutter" bekräftigen dies.

"Und das, im schwarzen Rechteck, sind die Suizide in Deutschland im Jahr 2013, 10 276 Menschen. [...] Und das, [...] das ist ein echter gesellschaftlicher Notstand. Das ist die Zahl der gescheiterten Selbbstmordversuche in Deutschland im Jahr 2013 [...] 493 355 Menschen. Alle 64 Sekunden ein Mensch." S.59

Um die Lage der Menschen zu verdeutlichen, die sich mit solchen Gedanken überhaupt beschäftigen, nutzt Dietz zum einen eine kleine Anekdote, die an einen Freund anschließt, mit dem er unterwegs ist und der sich ihm anvertraut hat. Unterbrochen werden diese Teile immer mit den Statistiken und bekannten Fällen der Menschen, die den Freitod gewählt haben. Es werden Tagebucheinträge dieser herbeigezogen um deren Situation und Gedanken zu verdeutlichen. Dadurch entstehen mehrere Perspektiven und verschiedene Bereiche, in die Diez eindringt. So verknüpft er diese persönlichen und gefühlsgeleiteten Beiträge mit der Macht der Politik. Wieso übt sie soviel Macht auf das eigene Leben des Einzelnen aus? Welche Gefahren scheinen sich dadurch zu entwickeln? Die dritte Komponente in dieser Angelegenheit bildet die Sicht der Religion. Wird der Freitod als Sünde angesehen? Lässt sich das in der Bibel überhaupt bestätigen? Es herrscht eine gut aufgebaute Struktur, die den Verlauf des Gedankens, die dieses Thema mit sich bringt gut in Einklang bringt. Verzichtet wird natürlich auch nicht auf die verschiedenen Stadien und Unterschiede, die sich in Bezug auf jeden Einzelnen, der davon betroffen ist, herauskristallisieren. Dazu gehört, dass sich Diez mit den Ängsten der jungen Leute, wie auch der alten Leute auseinandersetzt und versucht herauszufinden, was die Menschen wirklich dazu drängt, überhaupt in Erwägung zu ziehen, den Freitod zu wählen. Auch hier steht wieder das Problem des eigenen Willens dem Willen und der Ansichten der Gesellschaft gegenüber. Kritisch aber nicht zu sehr einnehmend schildert Diez seine eigene Meinung. Als Leser hat man natürlich seine eigenen Ansichten. Es ist aber sicherlich spannend zu sehen, wie jemand über das Thema denkt, der, man kann schon sagen, davon betroffen ist.

" Er wollte nicht sterben, aber wenn er schon sterben musste, dann so, wie er es wollte." S. 39
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Ein kleines Buch über ein wichtiges, wenn auch sehr bedrückendes Thema, welches erstaunlich viel vereint und anspricht. Ist zwar nachdenklich und "traurig", regt aber dazu an, dass man sich wirklich mit dem Thema auseinandersetzt und sich dennoch nicht niedergedrückt fühlt. Ist zudem sehr persönlich und für meinen Geschmack sehr gut geschrieben; nicht zu abschweifend und lässt den ein oder anderen vielleicht etwas mehr Verständnis für die Betroffenen aufbringen.





Neuzugänge November #1

November 26, 2015



























Wieder einmal haben sich bei mir einige Neuzugänge angesammelt. Diejenigen, die mir auch auf Instagagram folgen, werden den Großteil sicherlich schon gesehen haben. Um aber meinen Blog auch auf dem neusten Stand zu halten, wollte ich mein Neuzugänge mit diesem Post vervollständigen.

Der Distelfink von Donna Tartt
Wie bereits in meinem Post "Zeitstempel für Interesse an Büchern?" angesprochen, habe ich dieses Buch mitgenommen, weil es nun auch im Taschenbuchfomat erhältlich ist und ich es schade fand, dass mein Interesse an dem Buch irgendwie so stark abgenommen hat. Ich wollte dem Buch eine Chance geben und hoffe, dass es nicht allzu lange auf meinem ungelesenen Stapel liegen wird.

Sieben kurze Lektionen über Physik von Carlo Rovelli
Das Buch ist bei mir erst vor drei Tagen eingezogen. Da es aber so klein ist, wurde es bereits gelesen und auch rezensiert. Wer sich näher dafür interessiert, gelangt hier zu der Rezension. Ganz passend dazu: Gestern war das Jubiläum der Relativitätstheorie. Also eigentlich ein perfekter Zeitpunkt um sein Wissen etwas aufzufrischen.

Die letzte Freiheit von Georg Dietz
Dieses Werk habe ich durch Zufall im Internet, beim durchstöbern der Verlagsseiten, entdeckt! Ich finde das Thema der Selbstbestimmung sterben zu wollen, beziehungsweise der Sterbehilfe wahnsinnig interessant und hoffe, dass das Buch einige Ansätze aufgreift und sie "glaubwürdig" vermittelt. Das Thema ist sicherlich eines der sensibelsten. Aber gerade darum finde ich sind Bücher auch ein gutes Sprachrohr. Um gewisse Themen an die Öffentlichkeit zu tragen, die sonst immer verschwiegen werden.

Praterveilchen von Christopher Isherwood
Das Buch ist zusammen mit Carlo Rovellis Werk bei mir eingezogen. Ich wollte es ebenfalls direkt lesen, habe aber festgestellt, dass es an den Vorroman "Leb wohl, Berlin" anknüpft.  Da werde ich dieses Buch sicherlich erst nächsten Monat in Angriff nehmen, wenn ich den Vorgänger gekauft  und gelesen habe.

Klein aber fein ist meine Ausbeute für diesen Monat. Ich hoffe, dass ich nun erst einmal die Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke für meine lieben Mitmenschen besorge, bevor ich weitere Bücher anschaffe, denn sonst wird es ein finanzielles Fiasko werden. Wobei es sich natürlich immer lohnt Bücher zu kaufen. Es ist aber auch wirklich schwer zu widerstehen, wenn man in der Kalenderabteilung einer Buchhandlung aushilft.


Welche Bücher habt ihr bereits gelesen? Wie haben sie euch gefallen? Fahrt ihr euren Bücherkauf auch vor der Weihnachtszeit etwas runter?



Sieben kurze Lektionen über Physik von Carlo Rovelli

November 24, 2015




(Original:"Sette brevi lezioni di fisica") , rowohlt [klick]| 96 Seiten,  Hardcover, Einzelband, ★★★  4 Sterne
"Wo kommen wir her? Was können wir wissen? Seit ihren umwälzenden Entdeckungen im zwanzigsten Jahrhundert spüren Physiker den Kräften und Teilchen nach, die die Welt im Innersten und Äußersten zusammenhalten. Für jedermann verständlich, hat Carlo Rovelli dieses zauberhafte Buch darüber geschrieben. "  

MEINE MEINUNG | FAZIT

"Diese Lektionen wurden für Leser geschrieben, die eher wenig über die modernen Naturwissenschaften wissen." S. 9

Das große Wissen, das die Menschen derzeit über die Welt und deren physikalische Zusammenhänge haben, fasziniert unglaublich viele von uns. Mich ganz besonders. Wenn ich wohl ein etwas größeres Talent in der Mathematik und der Physik aufweisen könnte, hätte ich mich sicherlich gerne mit der Astronomie beschäftigt. Leider bleibt vieles für mich, was sich in der Physik genau abspielt immer noch ein Rätsel, ganz zu schweigen von den ganzen Formeln. Carlo Rovelli hat mit diesem kleinen Büchlein wohl eben genau an solche Menschen wie mich gedacht. Man möchte etwas über die Geheimnisse der Physik und des Universiums lernen, möchte sich aber nicht durch die ganzen Formelsammlungen und ausgeschweiften Erklärungsversuche verschiedener Physiker quälen. Demnach findet man in "Sieben kurze Lektionen über Physik" eine handvoll Kapitel, die sich auf unkomplizierte Weise mit diesen Themen beschäftigen. Von der Arbeit Albert Einsteins und seiner Relativitätstheorie bis hin zu den schwarzen Löchern, die sich im Universum bilden, deckt Rovelli viele Themen ab, die die Grundlagen verdeutlichen. Mir gefiel, dass die Kapitel relativ knapp gehalten sind und an den nötigen Stellen mit einer kleinen Veranschaulichung ausgestattet sind. Zudem ist der Text nicht strikt nach den normalen Lehrbüchern geschrieben, sondern es fließen viele persönliche Meinungen des Autors mit ein, was das ganze etwas auflockert. Viele der erzählten Dinge kennt man grob aus der Schulzeit, dennoch ist es schön, sich dies noch einmal durchzulesen und sein Wissen aufzufrischen oder an manchen Stellen auch zu erweitern.

"Wir sind wie ein Einzelkind. das heranwächst und lernt, dass es nicht der Mittelpunkt der Welt ist, wie es dachte, als es klein war. Es muss akzeptieren, dass es eins unter anderen ist." S. 77

Ich mochte vorallem auch den Standpunkt den Rovelli vertritt. Er zeigt uns auf und lässt uns begreifen, dass wir uns nicht über alles stellen sollen, weil wir anscheinend das "höchste Wesen" sind. Die Galaxien und das Universum sind viel zu weitgreifend um sich diese Ansicht herausnehmen zu können. Zudem gefiel mir auch, dass das Problem, der sich in Wiederspruch befindenen Relativitätstheorie und der Quantenmechanik angesprochen wird und dass man heutzutage immer noch versucht diese Theorien irgendwann einmal zusammenzuführen ohne dass sie ihre Richtigkeit verlieren. Rovelli schmeißt außerdem nicht einfach irgendwelche Begriffe in den Raum, die man dann selbst versuchen muss zu verstehen, sondern er verwendet nur das nötigste Vokabular und bezieht sich auch auf alle genannten Begriffe. Es macht wirklich Spaß sich durch die Kapitel zu lesen und zu sehen, wie ein Physiker versucht die "Welt" und die atomaren Strukturen verinfacht darzustellen. Was mir etwas den "Lesespass" genommen hat war die Tatsache, dass mir der Autor an viel zu vielen Stellen unbedingt erwähnen musste, dass viele renommierte Physiker aus Italien kommen. Ich hatte dann kurzzeitig immer mal wieder das Gefühl, als sei das seine wichtigste Angelegenheit. Ist zwar nur ein sehr kleiner Kritikpunkt, aber als Leser schnappt man den "Störfaktor" nun einmal auch schnell auf und das beeinflusst manchmal die restlichen Leseabschnitte. Dennoch finde ich ist das Buch äußert gelungen.
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Für alle, die ihr Wissen im Gebiet der Physik ohne lästige Formeln und komplizierte Erkärungsversuche auffrischen wollen. Beschäftigt sich mit den wichtigsten und sehr interessanten Themen und wird auch auf eine sympathische Weise vermittelt. Da das Buch wirklich nur das Gröbste erklärt, kann man nicht damit rechnen, dass man eine Weltneuheit bezüglich des Themas lesen wird. Dennoch eine schöne Idee und unterhaltsam.



Alles so leicht von Meg Haston

November 22, 2015







(Original: "Paperweight" ) Thienemann [klick]| 320 Seiten,  Hardcover,  Einzelband,  ★★★(★)☆   3 bis 4 Sterne

"Stevie hat nichts mehr zu verlieren. Sie ist fest entschlossen, aus diesem Körper, aus diesem Leben zu verschwinden. Aber alle wollen sie daran hindern. Ihr Vater, der sie ins Therapiezentrum einweisen ließ. Anna, die so ganz anders ist als die anderen Seelenklempner. Und selbst den Mädchen, mit denen sie ein Zimmer und ein Schicksal teilt, fühlt sich Stevie jeden Tag näher. Aber sie wird sich nicht öffnen, sie hat schließlich einen Plan. " 


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Dahinter liegen der Reitplatz und die Wiese, dann die leere Wüste. Ich bin am Ende der Welt angekommen." S. 13

So abgeschieden sich die Hauptfigur in Meg Hastons Roman von der Welt fühlt, so abgeschieden fühlt sich auch der Leser gegenüber seiner Umgebung. Als ich begonnen habe das Buch zu lesen, habe ich gemerkt, dass man sich erstaunlich auf jedes einzelne Wort der Protagonistin konzentriert. Ihre Lebensgeschichte wird auch aus ihrem Blickwinkel und mit ihrer Umgangssprache dargelegt. So möchte man genau wissen, wie ihre Situation zustande kam und was es für sie bedeutet nun in eine Klinik eingewiesen zu werden. Erstaunlicherweise gab es  wirklich schöne Stellen, die Stevie (Stephanie) erläutert, die sich ganz und gar nicht nach einem siebzehnjährigen Teenager anhören. Sie sind philosophisch, metaphorisch und verursachen beim Leser ein klein wenig "Herzschmerz". Ich muss zugeben am Anfang wusste ich noch nicht genau wie ich die Protagonistin einordnen sollte. Sie schien mir zynisch und unglaublich stur. Gleichzeitig bieten diese Charakterzüge natürlich auch eine gute Basis um eine gewisse Entwicklung zu erschaffen. Diese Entwicklung macht sich auch mit der Zeit immer offensichtlicher. Die Veränderung von Stevie an sich war nicht aufgesetzt oder unauthentisch. Allerdings hatte man doch das ein oder andere Mal das Gefühl, dass es so leicht wohl doch nicht vonstatten gehen könnte. Vorallem in der beschriebenen Zeitspanne von achtundzwanzig Tagen, die sich die Protagonisten in der Therapie aufhält.

"Mehr verdient sie [Anna - die "Seelenklempnerin"] nicht, nachdem sie mir mein Ende gestohlen hat. Das Ende, das ich für mich vorgesehen hatte, war perfekt. Poetisch. Und Sk hat es mir genommen. Jeder Mensch sollte das Maß seines eigenen Leidens bestimmen dürfen. Es ist ein Grundrecht. Tod. Freiheit. Das Streben nach  Unglückseligkeit." S. 128

Stevie in den verschiedenen Kombinationen ihrer Mitmenschen, auf die sie in der Therapie abseits der anderen Zivilisation trifft, ist einerseits unterhaltsam aber auch an vielen Stellen sehr gefühlvoll. Denn auch hier treffen verschiedene Schicksale aufeinander, die schwiereige Situationen in ihrem Leben bewerkstelligen mussten. Ihre Zimmergenossin Ashley lag mir mit der Zeit wirklich am Herzen, manchmal sogar mehr als der Hauptcharakter. Man musste als Leser sozusagen als doppelter Außenstehender Ashley bei ihrem Kampf mit der Krankheit zusehen. Auch die anderen "Mitbewohner" von Stevie versprühen unter den gegebenen Umständen ihren Charme und sorgen so für einige ausgelassene Momente. Die Rückblicke auf die gemeinsamen Momente mit ihrem Bruder fand ich zunächst sehr gefühlvoll. Zum Schluss hin fand ich sie eher etwas distanziert. Gefehlt hat mir allerdings eindeutig auch die direkte Beschäftigung mit dem Problem der Mädchen, nämlich der Esskrankheiten. Es wurden einige Therapiestunden näher erläutert und es gab auch einige erklärte Maßnahmen die aufzeigen sollten, wie schwer solch eine Erkrankung sein kann. Allerdings geschah dies für mich etwas oberflächlich. Man konnte nicht ganz hinter die beschriebene Fassade blicken. Gelungen fand ich aber die Veranschaulichung durch die farbigen Bänder, die die Mädchen tragen sollten um zu signalisieren, in welchem Stadium sie sich befinden. Die inneren Konflikte der Protagonistin wurden gut gelöst und dargestellt. Es gibt keine strikte Entwicklung von krank zu gesund, sondern einen steten und realistischen Schlagabtauch der beiden Seiten. Der innere Kampf in Bezug auf die Krankheit wurde demnach auch nicht abgedroschen dargstellt.

"´Was bedeutet die Diagnose Bulimie [Stevie]?´ [...] ´Dass ich fett bin. Dass ich faul bin. Dass ich keine Selbstbeherrschung habe. Ekelhaft. Schwach.´ [...] ´Was hat die Diagnose Anorexie für dich bedeutet?´ [...] ´Es bedeutet ... Stärke. Kraft. Es bedeutet, dass ich besser war. Besser.´" S. 84

Die Lebensgeschichte der Protagonistin wird oftmals sehr gefühlvoll geschildert und zum Schluss spürt man eine wirkliche Trauer, wenn man sich eingesteht, dass es wirklich junge Mädchen gibt, die dieses Schicksal tragen und sich oftmals auch selbst so unter Druck stellen. An vielen Stellen merkt man eindeutig, dass die Autorin Erfahrungen mit diesem Thema gemacht hat. Es wird beschrieben, welche Auswirkungen solche eine Krankheit auf die Familie nehmen kann und auch umgekehrt. So wird nicht nur allein die Essstörrung in den Vordergrund gerückt, sondern auch die Thematik der Sehnsucht nach Liebe, dem Verständnis und der Hilfe der Familie und dem Wunsch gewisse Dinge ungeschehen machen zu können. Dem Schicksal von Stevie wird mit Hilfe der Therapeutin Anna schonend auf den Grund gegangen. Dies fand ich zum Teil sehr gelungen, da die beiden eine besondere Beziehung zueinander aufbauen. Ich hätte mir jedoch auch vorstellen können, dass man ein kleines Extrakapitel zu den Hintergründen der Therapeutin hinzufügt, in der auch ihre Sicht kurz geschildert wird, wie sie zu den jungen Mädchen steht. Dennoch denke ich ist dieses Jugendbuch eine gute Gelegenheit die Problematik der Essstörrungen aufzuzeigen und das in einem vielleicht etwas schonenderen Umgang.
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Gefühlvoll und charmant erzählt. Mit der Protagonistin muss man erst etwas warm werden, bevor man sich dann auch auf die Entwicklung der Geschichte einlassen kann. Grundsätzlich authentische Ansichten, wenn auch vielleicht auf den Zeitraum der Therapie etwas optimistisch betrachtet. Viele Passagen die zum Nachdenken anregen und gleichzeitig durch gewisse Charaktere eine humorvolle Komponente bekommen.



The Luminaries von Eleanor Catton

November 21, 2015




(Original:"The Luminaries" / 2013), btb, Übersetzer/in: -, 1040 Seiten, gebunden, Englische Ausgabe,  ★★★★☆ 4 Sterne
Quelle Klappentext btb: "In einer Hafenstadt an der wilden Westküste Neuseelands gibt es ein Geheimnis. Und zwei Liebende, die einander umkreisen wie Sonne und Mond.
Als der Schotte Walter Moody im Jahr 1866 nach schwerer Überfahrt nachts in der Hafenstadt Hokitika anlandet, trifft er im Rauchzimmer des örtlichen Hotels auf eine Versammlung von zwölf Männern, die eine Serie ungelöster Verbrechen verhandeln. Und schon bald wird Moody hineingezogen in die rätselhaften Verstrickungen der kleinen Goldgräbergemeinde, in das schicksalhafte Netz, das so mysteriös ist wie der Nachthimmel selbst." 


MEINE MEINUNG | FAZIT

"´Meine Geschichte mit Francis Carver´, sagte er schließlich, ´ist eine Geschichte mit vielen Anfängen, aber ich hoffe, sie wird nur ein einziges Ende haben.´" S. 423

Dieses Zitat ist wohl das treffendste, welches auch dieses umfangreiche Buch an sich wiederspiegelt, denn es gibt tatsächlich unfassbar viele Handlungsstränge, die am Anfang erläutert werden und die zahlreiche Charaktere einführen um dann zu einem "Ende" zuzulaufen. Bei rund tausend Seiten kann man als Leser davon ausgehen, dass die Geschichte eine gewisse Dichte aufweist. Bezogen auf die Vorkommnisse und die darin handelnden Protagonisten. Obwohl sich mit der Zeit vieles zu lichten beginnt und man einen annähernden Verdacht hegt, in welche Richtung die Geschichte gehen soll, ist es zunächst doch recht schwer, sich alle Namen mit dem dazugehörigen Etablissement und deren Lebensweisen vertraut zu machen. Das ein oder andere Mal musste ich kurz innerhalten und bei einem erwähnten Namen überlegen, was seine Rolle war. Recht schnell wird man aber als Leser beinahe mit der Aufgabe behelligt, herauszufinden, wer die Verbrechen, die in der Stadt thematisiert werden, verübt hat. Dies führte dazu, dass ich mich das ein oder andere Mal an das Spiel "Cluedo" zurückerinnert gefühlt habe. An sich war das nichts Schlechtes, dennoch fehlte mir an einigen Stellen eine genauere Klarstellung des bisherigen Verlaufs. Alle Protagonisten werfen ihre Lebensgeschichte in einen Topf und es wird anhand dieser versucht das Geschehen zu rekonstruieren. Dabei kam es oftmals zu vielen Doppelungen und Überschneidungen, die sicherlich beabsichtig gewesen sind, da sie dem symbolischen Zweck, welcher sich auf die Sternenkonstellationen beziehen sollen, dienen. Dennoch hatte man als Leser manchmal schon "genug" von der mehrfach erwähnten Situation und erhoffte sich etwas Neues herauszufinden.

"´Wir verbringen unser ganzes Leben damit, über den Tod nachzudenken. Ohne diese Unterhaltung würden wir uns vermutlich schrecklich langweilen. Wir hätten nichts, dem wir entgehen wollten, nichts, was wir verhindern wollten, und nichts, worüber wir uns Gedanken machten. Die Zeit hätte nichts zu bedeuten.´" S. 501

Der Erzählstil an sich hat mir gut gefallen. Es gab unterschiedliche Sichtweisen, Einschübe von Briefen, eine kleine Kapitelübersicht, die aus einem zusammenfassenden Satz bestand und einige Abbildungen, die den Bezug zu den Sternenkonstellationen und deren "Schicksal" in Bezug auf die Protagonisten verdeutlichen sollte. Leider fand ich wurde das etwas zu subtil eingebaut. Es kamen einige Andeutungen darin vor und auch durch Lydia Wells Neigung zu Séancen und dem Wahrsagen verspürte man eine leichte Verbindung zum harten Kontrast des Goldgräbergewerbes. Allerdings hatte ich mir mehr dieser "philosophischer" Ansätze erhofft. Daher lief alles auf das Detektivhafte Aufklären der Umstände hinaus, was aber auch seinen Reiz hatte. Grundsätzlich fand ich die ausgewählte Kulisse und die beschriebene Stimmung im Buch sehr gelungen. Ich konnte mir die Orte und die handelnden Personen genau vorstellen und man hat sich nach mehreren hundert Seiten schon beinahe als Teil dieser Gesellschaft gefühlt, wenn auch in verdeckter Mission. Man konnte bei jedem Protagonisten ein Geheimnis entdecken, welches mit anderen verwoben war. Nicht zu kurz kamen da auch die trügerischen Machenschaften, die das Goldgraben mit sich trägt. Man möchte die Umgebung und die Eindrücke ungern loslassen auch wenn man letzten Endes doch erfahren möchte, was in der Stadt vor sich geht. Mir gefiel vorallem die Aufteilung bezüglich der Zeiten. Sprich es gab Kapitel in der Gegenwart und zudem Kapitel, die in der Vergangenheit gespielt haben. Die letzteren werden vorallem auch zum Ende des Buches immer wichtiger und veranschaulichen dann das ganze Ausmaß des Geschehens.

"Auf den Goldfeldern gibt es das Sprichwort: Wer zu lange Glück hat, hat am Ende Pech. Schon mal gehört?" S. 243

Hinsichtlich der Protagonisten war es für mich etwas schwer mich zunächst für jemanden zu entscheiden, der mir ansatzweise sympathisch sein könnte. Ich hatte das Gefühl, dass ich niemanden sonderlich mag, was sich aber am Ende doch sehr gewandelt hat. Das ist auch der Grund, warum mir das Buch wohl am Ende doch so zugesagt hat, denn man hat das Gefühl, dass sich in einer skrupellosen, vor Machenschaften strotzenden Stadt doch noch etwas Hoffnung finden lässt und es Menschen gibt, die sich einfach nur sehnlichst wünschen, ein Fünkchen Glück im Leben zu finden und dieses vielleicht mit jemandem zu teilen.


Eine Geschichte, bei der eine investigative Ader nicht schaden kann, viele Protagonisten auftreten, die man zunächst auseinanderhalten muss und eine tolle Atmosphäre und Kulisse, welche die Autorin erschaffen hat. Mir hat am Ende etwas mehr "Tiefe" und der konkrete Bezug zu den "Gestirnen" gefehlt. Es fehlt der Geschichte aber nicht an kreativen Einfällen. Zwei Charaktere konnten mich am Ende durch ihr Schicksal überzeugen und erzielten auch den gewünschten Effekt, dass die Geschichte mehrere Ebenen aufweist, die es zu ergründen gibt.





Vielen lieben Dank an den btb Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars

Thementag #32: Zeitstempel für Interesse an Büchern?

November 17, 2015




"Techniken ändern sich, die Kunst bleibt dieselbe."  - Claude Monet

Geschichten sind generell betrachtet eine zeitlose Kaufinvestition. Es ist nicht wie bei Anziehsachen, dass ihre Modernität oder ihre Form plötzlich nicht mehr zeitgemäß ist. Und dennoch hat sich bei mir mit der Zeit ein seltsames Phönomen eingeschlichen. Das Phönomen des Kaufverhaltens in Bezug auf die Aktualität der Bücher. Als Blogger ist man meist immer auf dem neusten Stand. Man weiß, welche Neuerscheinungen anstehen und wieviele interessante Bücher noch folgen werden. Daher versucht man sein Kaufverhalten zunächst zu drosseln und denkt sich: "Das Buch setze ich auf meinen Merkzettel und greife darauf zurück, wenn es keine neuen, interessanten Bücher mehr gibt." Nun da liegt der erste Fehler. Es gibt immer neue, interessante Bücher. So wandern die bisher gemerkten Bücher immer weiter in Vergessenheit. Die Klassiker unter den Büchern haben es noch gut, die werden gerne mal wieder hervorgeholt oder gekauft, weil man Klassiker eben doch immer lesen kann und sie auch als diese schätzt.

Ich habe mich gerade erst gestern gefragt, warum die Bücher mit der Zeit ihren Reiz verlieren. Ich stand am Bahnhof und wollte mal sehen, was dort im kleinen Buchladen angeboten wird. Mein Auge fiel auf die neue Taschenbuchausgabe von Donna Tarts "Der Distelfink". Komischerweise wusste ich, dass das Buch auf meinem Merkzettel steht, aber aus irgendeinem Grund habe ich gedacht: "Nein, da kaufst du dir lieber ein neues Buch." Wie ihr auf dem Bild oben erkennen könnt habe ich das Buch dann doch mitgenommen. Warum? Eben weil ich mir denke, dass ein Buch das wirklich erst seit ungefähr einem Jahr auf dem Markt ist eben nicht seine Aktualität verliert, nur weil neue Bücher gefolgt sind, die mich mal wieder durch ihr schönes Cover oder die Medien in eine Art Bann gezogen haben. Obwohl ich normalerweise viel lieber auf Hardcoverausgaben zurückgreife, war ich dann doch ganz froh, dass "Der Distelfink" nun als Taschenbuch erhältlich ist, da ich ihn mir sonst sicherlich gar nicht mehr gekauft hätte und mir vielleicht eine wundervolle Geschichte entgangen wäre. Natürlich gilt das nicht für alle Fälle dieser Art, denn mir ist auch aufgefallen, dass sich mit der Zeit das Interesse an den Inhalten auch verändert und man vielleicht eine Geschichte, die man damals ansprechend fand heute eher nicht mehr lesen wollen würde. Daher wird es in Zukunft sicher auch bei mir immer mal wieder passieren, dass ich aktuellere Bücher bevorzugen werde. Ich hoffe dennoch, dass ich auch einigen "älteren" Büchern noch mehr Aufmerksamkeit schenken kann und sie keinen Zeitstempel aufgedrückt bekommen, bei dem ich mir dann sowieso schon sicher bin, dass das Buch auf Ewig auf meinem Merkzettel herrumgeistert.

Wie steht ihr zu aktuellen und etwas "älteren" Büchern? Verliert ihr sie schnell aus den Augen, sobald neue Bücher angekündigt werden, die euch interessieren oder gibt es tatsächlich immer mal wieder ein Buch, welches aus den Untiefen eures Merkzettels das Glück hat und gekauft wird?







Currently reading

November 15, 2015


Ja, ich habe mir bei meinem aktuellen "Currently reading" einiges vorgenommen. Daher ist bisher auch noch keine Rezension zu einem der beiden Bücher erschienen. Denn insgesamt umfassen beide Bücher ungefähr gute 1.600 Seiten. Meine ersten Eindrücke sind jedoch noch ziemlich gemischt. Bei "Mitternacht zu sein ist nicht jedem gegeben" wusste ich zunächst nicht genau, wie ich die Schreibweise finden soll. Auf der einen Seite ist es mal etwas anderes und sicherlich auch literarisch etwas anspruchsvoller. Allerdings kann ich mir nicht ganz vorstellen, die restlichen vierhundert Seiten in dem selben Stil zu lesen. Man verliert manchmal etwas den Faden und dadurch auch etwas die Lust auf das Lesen, auch wenn man eigentlich wissen möchte, wohin die Geschichte führen wird oder soll. Daher habe ich mir auch vorerst "Die Gestirne" als Abwechslung herangezogen. Der Schreibstil ist definitiv etwas auflockernder und die Geschichte an sich bisher ganz spannend. Mir ist aber bisher immer noch nicht ganz klar, in wie weit die am Anfang vorgestellten Personen mit dem angezeigten "Sternenraster" zusammenhängen. Dies wird sich sicherlich bald etwas lichten, dennoch hoffe ich, dass ich mir nicht etwas komplett anderes von der Geschichte erhofft habe, als sie letztenendes darstellt. Grundsätzlich freue ich mich aber eigentlich darauf, endlich mal etwas dickere Bücher zu lesen, da man viel intensivere Einblicke in die Charaktere bekommen kann. Den restlichen Sonntag werde ich sicherlich dazu nutzen, um etwas voranzukommen.

Lest ihr momentan auch eines der Bücher? Mögt ihr "dichte" Bücher? Sprich Bücher mit einer großen Seitenanzahl und einer komplexeren Handlung? Oder sind euch kurze Bücher lieber?


Fotografie

November 13, 2015























Erneut wird eine etwas ältere Kategorie von mir aufgerollt, die allerdings nichts mit Büchern zu tun hat, nämlich die "Non-Book-Post: Fotografie" Abteilung. Grund dafür ist ein Foto-seminar, welches ich dieses Semester an der Uni belege. Ich bin mir noch nicht sicher, in wie weit ich die dort gemachten Bilder jeweils auf meinem Blog posten werde, aber diesen Beitrag konnte ich mir letztenendes nicht verkneifen. Die erste "Hausaufgabe", die wir tätigen sollten ist auf kleine Zettel zurückzuführen, auf denen gewisse Begriffe draufstanden. Meine Themen waren zum einen "rot und weich" und die Emotion "Angst". Beides sollte jeweils in einem Bild festgehalten werden. Ich habe wirklich nicht gedacht, dass die Aufgabe mich so fordern würde. Die wohl schwierigste Aufgabe war für mich nicht, das Bild zu schießen, oder die Idee dafür zu finden, sondern sich am Ende für jeweils nur ein Bild zu entscheiden. Auf meinem Blog bin ich es schließlich gewöhnt, dass ich alle Bilder die mir ansatzweise gefallen, auch in den Beitrag einbinde. Das kostet mich also weniger als einige Sekunden. Hier allerdings habe ich glaube ich wirklich einen kompletten Tag damit verbracht überhaupt zu überlegen, welches Bild ich nehmen soll. Denn während man die Bilder macht, experimentiert man ja auch mit den Gegenständen und den Lichtverhältnissen. Das hat mich das ein oder andere Mal wirklich an den Rand des Wahnsinns gebracht. Und das obwohl die Aufgabe ja nur zum Einstieg ist! So kam es dann, dass ich dann irgendwann selbst nicht mehr einschätzen konnte, welches Bild thematisch am besten geeignet wäre. Man versucht das Tuch gerader zu rücken, das Licht besser einzustellen, viellicht einen ganz neuen Hintegrund zu finden, um dann letztenendes das schlichteste Foto zu machen, was es überhaupt geben kann. Allerdings ist mir auch selbst aufgefallen, dass ich persönlich einfach viel lieber Fotos schieße, die ein Detail in den Vordergrund rücken und der Rest harmonisch mitwirkt. Sprich, ich mag es nicht, wenn der Hintergrund dominant ist und man dann noch eine unfassbar kreative Idee in den Vordergrund rücken möchte. Dann gibt es für mich einfach kein Hauptmerkmal.  Mir ist auch aufgefallen, dass ich unheimlich gerne Bilder fotografiere, auf denen die Farbe Weiß dominiert. Für mich wirken die Bilder dann einfach etwas frischer und fokussierter.

Ich zeige euch in diesem Post einige Varianten der Bilder, die ich geschossen habe, um zu verdeutlichen, dass auch wenn der Gegenstand eigentlich immer der selbe ist, es dennoch immer einen anderen Eindruck auf den Betrachter ausübt.

Habt ihr schon einmal an einem Fotoseminar teilgenommen? Wie wichtig sind euch "perfekte" Fotos? Achtet ihr auf kleine Details? Könnt ihr euch gut und schnell für ein einziges Foto entscheiden, wenn alle nicht sonderlich voneinander abweichen?

























Little Black Classics N°06, N°10, N°23

November 11, 2015


























Titel: "Traffic" , "On the Beach at Night Alone", "The Tinder Box" | | Autor/in: John Ruskin, Walt Whitman, Hans Christian Andersen | Penguin, Little Black Classics | Seitenanzahl: ca. 55 | Augaben: Nr. 06, 10, 23
Die Ausgaben der "Little Black Classics" aus dem Penguin Verlag wurden aufgrund des 80. Jährigen Jubiläums des Verlags herausgegeben. Insgesamt gibt es achtzig kleine Heftchen, mit den unterschiedlichsten (meist Klassikern) Themen, allesamt in englischer Sprache. Hier soll es zunächst um die Ausgaben 06, 10 und 23 gehen.


MEINE MEINUNG | FAZIT

Unterschiedlicher hätten diese drei Little Black Classics ( von 14, die ich besitze) wirklich nicht sein können. Der allgemeine Überblick ist sehr positiv. Zu Beginn jedes Buches kann man einige Daten des jeweiligen Autors entnehmen und es findet sich ein charakteristisches Zitat auf der ersten Seite wieder. John Ruskins "Traffic" war für mich ein einigermaßen schwerer Einstieg in diese Reihe. Der Text bezieht sich auf eine von ihm verfasste Rede, in der er, so hat man das Gefühl, wirklich alles thematisiert, was die Gesellschaft und deren Existenz betrifft. Ehrlich gesagt driftet man hierbei irgendwann allmählich ab. Und das soll bei rund fünfundfünfzig Seiten schon etwas bedeuten. Für diejenigen die sich aber gerne mit etwa kritischeren Texten befassen möchten, werden aber sicherlich gefallen an dem Text finden. 
Eine willkommene Abwechslung bietete mir hingegen das zweite Büchlein von Walt Whitman namens "On the Beach at Night Alone". Ich habe nach dem ersten Buch befürchtet, dass alle Texte in diese Richtung gehen würden. Dies ist definitiv nicht der Fall. Die zweite Ausgabe umfasst nämlich nur Gedichte des Autors und bieten somit einen geeigneten Kontrast. Thematisch sind sie, wie der Titel auch schon vermuten lässt, alle an die Küste, das Meer oder das Wasser allgemein angelehnt. Diese Ausgabe hat mich auch ein wenig dazu verleitet, mir vielleicht in naher Zukunft noch weitere Werke von Walt Whitman auf die Einkausliste zu setzen.
Als drittes habe ich Hans Christian Andersens "The Tinder Box" zur Hand genommen. Dabei ist hier eben nicht nur die genannte Geschichte abgedruckt, sondern insgesamt noch fünf weitere, wie zum Beispiel "The Nightingale", "Little Claus and Big Claus" oder die zwei Seiten umfasste Geschichte von "The Princess on the Pea". Ich fand ehrlich gesagt alle Geschichten ganz süß auch wenn sie ziemlich "skrupellos" sind. Das ist man ja aber eigentlich auch schon von den Gebrüdern Grimm gewohnt. Ich denke dass diese Ausgabe bisher die interessanteste gewesen ist. Dabei bin ich mir aber auch sicher, dass noch weitere folgen werden. 
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Sehr unterschiedliche, kurze Büchlein, die unteranderem gesellschaftskritische Reden, schöne Gedichte oder aber auch die altbekannten und liebgewonnenen Märchen von Hans Christian Andersen enthalten. Perfekt für zwischendurch, da sie wirklich nie länger als fünfundüfnzig Seiten lang sind.




Lists of Note von Shaun Usher

November 09, 2015





























"Lists of Note - Aufzeichnungen, die die Welt bedeuten" (Original:"Lists of Note - Inventories deserving of a wilder audience") von Hrsg. Shaun Usher,  Heyne [klick], 344 Seiten,  Hardcover,  Einzelband, ★★★  5 Sterne

Einzelband, es gibt jedoch noch ein ähnliches Werk namens "Letters of Note - Briefe, die die Welt bedeuten"
Original-Klappentext: "Von Leonardo da Vinci bis Marilyn Monroe, von F. Scott Fitzgerald bis Kurt Cobain. Seit der Mensch auf Erden wandelt, macht er sich alle möglichen Arten von Listen – in dem beruhigenden Wissen, dass sämtliche Dinge klassiffiziert, sortiert, hierarchisiert und geordnet werden können. So erschreckend der Gedanke auch sein mag: Man muss sich wohl eingestehen, dass eine Welt ohne Listen ziemlich chaotisch wäre. Ohne To-do-Listen, Einkaufslisten, Wunschzettel, Wörterbücher, Lieblingslisten, Register, Maßnahmenkataloge, Adressbücher, Checklisten und Inhaltsverzeichnisse wäre die Welt nur ein überbordendes Durcheinander von Dingen und unser Leben ohne Sinn oder kollektive Identität. Nach seinem Weltbestseller »Letters of Note« hat Shaun Usher erneut die Archive dieser Welt durchstöbert, um in diesem prächtigen neuen Band die ungewöhnlichsten und großartigsten Listen der Weltgeschichte zu präsentieren." 


MEINE MEINUNG | FAZIT

Auch ich bin eine Anhängerin des Listen schreibens. Sie sind hilfreich und wenn man die erledigten Dinge abhaken kann, fühlt man sich erleichtert. Als ich allerdings dieses Buch gelesen habe, war ich ab und an verwundert, was andere Leute, bekannte Leute, so in Form einer Liste niederschreiben. Die Aufzeichnungen reichen über eine unfassbar lange Zeitspanne zurück und geben dem Leser das Gefühl, dass Listen seit Anbeginn der Zeit ein viel genutztes Hilfmittel gewesen sind. Darunter findet sich zum Beispiel eine Liste mit den Arbeitsfehlzeiten der Arbeiter ca. 1250 Jahre v. Chr. Nicht nur, dass die Tatsache allein faszinierend ist, dass solche Dinge in dem Buch aufgenommen wurden, man kann sogar eine Abbildung der Originaltafel bestaunen, auf der diese Informationen verewigt wurden. Genau das macht das Buch auch so besonders. Es ist nicht nur eine bloße Aneinanderreihung der Listen. Das Buch wurde aufwendig gestaltet und ist mit Illustrationen und den Orignaldokumenten versehen (soweit vorhanden). Daher kann man das Buch immer mal wieder zur Hand nehmen und darin rumblättern. Natürlich gibt es auch modernere Listen, die von Leuten wie F. Scott Fitzgerald, Marilyn Monroe, Kurt Cobain oder David Foster Wallace angefertigt wurden. So verschieden Menschen sind, so verschieden sind demnach auch die Listen. Sie beinhalten meist Einkauflisten, Listen von Dingen, die Derjenige noch erledigen wollte, Benimmregeln, selbst verfasste "Wörterbücher" zum Thema Trunkenheit und vieles mehr. Einige sind sehr kurz andere wiederum erstrecken sich über mehrere Seiten. Seine Lieblingslisten wiederzufinden ist auch sehr einfach, denn es gibt ein Inhaltsverzeichnis, welches den perfekten Überblick bietet. Ich selbst habe unheimlich viele Favoriten, die sich zum Beispiel auf die Namensgebung verschiedener bekannter Dinge beziehen oder unterhaltsame Listen, die einen zum Schmunzeln bringen. Es gibt aber auch viele, schöne, motivierende Listen, die sich schon beinahe wie ein normaler Text lesen. Einer dieser Lieblingslisten von mir ist zum Beispiel auch von Tina Fey "Körperteile, für die ich dankbar bin". Dort fasst sie unfassbar charmant zusammen, dass der oberflächliche Trend zur übertriebenen Selbstkritik schlichtweg sinnlos ist und man sich glücklich schätzen soll, für das was man hat. Die Liste von Charles Dickens selbst erfundenen Büchern, die er für seine Heimbibliothek erstellt hat fand ich ebenfalls sehr unterhaltsam. Sicherlich wird das Buch von mir das ein oder andere Mal erneut zur Hand genommen. Denn ich kann von diesem hübschen Buch einfach nicht genug bekommen.

Ganz passend finde ich dieses Zitat von Shaun Usher, die in der Einleitung zu finden ist, um das Buch zu beschreiben: "Viele dieser Listen beinhalten wertvolle Ratschläge [...] . Andere stellen überraschende historische Momentaufnahmen dar. Manche sind einfach nur ein Vergnügen zu lesen, doch für jede einzelne Liste gilt. dass sie die Welt bedeuten." S. 17
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Wunderschön gestaltetes Buch, mit Illustrationen und den Originaldokumenten. Enthält Listen jeglicher Art und von den unterschiedlichsten Personen. Perfekt für viele gemütliche Momente und für öfteres Durchblättern. Enthält lustige, nachdenkliche, hilfreiche und interessante Listen. Meiner Meinung nach auch eine unfassbar schöne Idee für ein Geschenk.






 Vielen Dank an den Heyne Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!