Briefe schreiben

Januar 13, 2017















"Briefe gehören unter die wichtigsten Denkmäler, die der einzelne Mensch hinterlassen kann. Der Brief ist eine Art Selbstgespräch". - Johann Wolfgang von Goethe 

Briefe zu schreiben, mit Tinte und Füller oder sei es gar nur mit Kugelschreiber, wird immer seltener. Dabei finde ich, hat es einen ganz wunderbaren und einen ganz eigenen Charme. Immer wieder schlich ich um verschiedene Kalligraphie-Stifte und das passende Zubehör und dachte mir dann doch:"Wozu? Irgendwie schreibt man doch sowieso kaum noch Briefe, es sei denn sie sind für die Versicherung etc." Und selbst da wählt man den bequemen und formellen Weg und druckt die Formulare gegebenenfalls schnell aus.

Dennoch kam ich nie ganz davon weg. Ganz zu schweigen von den vielen Büchern, die vom Briefe schreiben und Briefe bekommen erzählen. Liebesbriefe in den verschiedensten Formen und Längen, Briefe, die einen berühren und die genau dadurch, dass sie handgeschrieben sind, umso mehr Gefühl transportieren. Man nimmt jeden Schlenker wahr, der Text drückt durch die eigene Handschrift eine gewisse Identität aus. Und auch in meiner letzten Lektüre sehnte sich eine Protagonistin nach handgeschriebenen Briefen. Für mich werden solche Liebesbriefe oder seien es auch nur "normale" Briefe eine wohlwollende Faszination ausüben. Ich kann mich noch daran erinnern, als es "in" war einen Brieffreund zu haben. Das waren noch die Anfänge des Internets. Da hat man sich tatsächlich dort dazu verabredet, um sich anschließend durch Briefen auszutauschen. Man hat sich immer gefreut, wenn ein neuer Brief im Briefkasten lag und es war, ist und wird auch immer ein ganz anderes Gefühl ausstrahlen, als die E-Mails, die man in seinem Postfach findet (mal ganz abgesehen von den netten Spam-Mails).

Daher habe ich mich schließlich und endlich, doch mit einigen anfänglichen Schreibutensilien eingedeckt. Dazu gehört natürlich ein Kalligraphiestift mit zwei auswechselbaren Minen. Eine ist wunderbar auf "alt" gemacht und wurde durch Shakespeares Abbild ergänzt. Die zweite ist spielerisch aufgebaut und besteht aus einer, mit dem Zeigefinger schreibenden, Hand. Da die Tinte dadurch natürlich nicht in dem Inneren des Stiftes steckt, darf ein Fläschchen blauer Tinte nicht fehlen. Allein schon die "Schreibgeräte" zu testen löst Glücksgefühle in mir aus. Natürlich muss man sich erst wieder an diese Art gewöhnen, aber mit der Zeit macht es umso mehr Spaß (außerdem erinnert es mich sogar etwas an Harry Potter...). Man muss natürlich bedenken, dass man etwas mehr Zeit investieren muss, da man wie gesagt, den Stift immer wieder eintunken muss und die Tinte etwas länger trocknen sollte. Allerdings ist das Schreibgefühl ein ganz anderes. Mir persönlich macht es Spaß und ich denke, ich werde in Zukunft versuchen, einige Briefwechsel wieder aufleben zu lassen. 

Bücher, die Briefe thematisieren oder eine Ansammlung dieser sind:

Schreibt ihr noch Briefe? Würdet ihr wieder Briefe schreiben, wenn ihr wüsstet, dass ihr auch welche zurückbekommt? Ist euch diese Art des Schreibens zu aufwenidg geworden oder könnt ihr auch noch eine gewisse Vorliebe dafür finden? 



Kommentare:

  1. Sehr schöner Post! Aber es geht per WhatsApp nun mal einfach schneller!
    Ich hatte als ich 12 oder 13 war sogar noch eine Brieffreundin, die ich ganz klassisch in der Bravo Girl oder so gefunden habe, mit der habe ich dann regelmäßig geschrieben, ich weiß gar nicht mehr, warum sich das im Sand verlaufen hat :/
    Aber ich finde Briefe klasse, hatte sogar schon drüber nachgedacht, meinem Freund einen zum Geburtstag zu schreiben, weil so was dann ja länger bleibt, als eine süße Whatsapp Nachricht - das werde ich jetzt auf jeden Fall machen!

    Liebst, Lara.

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    1. Da hast du natürlich vollkommen recht und ich glaube auch die Dauer des Briefweges haben die Menschen "damals" auch manchmal verflucht, aber ich finde gerade jetzt wo man die Möglichkeit hat, ganz wichtige Dinge schnelll zu versenden, ist es ganz schön, mal wieder zu einem Brief zu greifen. : )


      Liebe Grüße
      Karin

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  2. Ich schreibe andauernd Briefe, mit weit entfernten Freunden in den USA und sogar mit solchen, die ich täglich dank der Schule sehen. Das Kommunizieren wird dadurch mit einem so wichtigen und schönem Punkt komplettiert, dass ich echt nicht mehr darauf verzichten möchte - zum Beispiel das Gefühl, einen Brief aus dem Briefkasten zu fischen, in den ersten Worten zu versinken und das Wissen, dass diese und die Zeit dahinter ganz alleine dir gewidmet sind - was gibt es Schöneres, gerade für so Buchliebhaber_innen wie wir? In der Bibliothek meiner Eltern finden sich einige Briefsammlungen wieder und auch Romane, die im Stil eines Briefes verfasst sind - solch einen möchte ich nun gerade als Nächstes lesen, so viel Lust hat dein wunderschöner Beitrag bei mir geweckt!

    Herzlichst,
    Mara

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    1. Das find ich total schön! :) Vor allem wenn es dann so lange Distanzen zurücklegt, wie eben nach Amerika.

      Oh, hast du vielleicht einige Tipps bezüglich der Sammlungen? :)


      Liebe Grüße
      Karin

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    2. Also, es gibt ja von vielen berühmten Künstlern veröffentlichte Briefwechsel, spontan fällt mir Anaïs Nin und Henry Miller ein, Ingeborg Bachmann... Gibt's ganz vieles! 'This modern love' sind aktuelle und ganz unterschiedliche Liebesbriefe auf englisch. Gerade lese ich 'Brief an D.' von André Gorz, eine wahre Liebesgeschichte. Und da fällt mir natürlich, noch ungelesen und bestimmt sehr gut, A bis X, eine Liebesgeschichte in Briefen, von John Berger, gerade auch aus gegebenem Anlass sehr spannend...

      Ich schaue mir auf jeden Fall auch mal Deine Empfehlungen an; Danke!!

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    3. Danke auch für deine Tipps! Hört sich alles irgendwie gut an, da werde ich auch mal etwas stöbern. :)

      Liebe Grüße
      Karin

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  3. Liebe Karin,
    ich schreibe seit ich 10 Jahre alt bin =) Ich hatte sogar mal ganz viele Brieffreunde, aber mit Familie und Beruf sind viele Kontakte verloren gegangen. Ich schreibe noch heute etwa acht Brieffreundinnen, aber wirklich auch schon sehr selten. Trotzdem sind wir dann auch noch über FB in Kontakt bzw. habe ich einige alte Brieffreunde wieder gefunden und so den Kontakt aufgefrischt. Briefe gibt es da keine mehr, aber man ist wieder in Kontakt.
    Letzten Oktober war ich sogar zu einem Überraschungs-Geburtstagstreffen bei meiner englischen Brieffreundin kate. Ihre Freundin hat alle ihre Brieffreunde angeschrieben (und Kate hat noch viele!) sie zum runden geburtstag zu überraschen. Wir waren schließlich 10 Frauen aus Finnland, Norwegen, Frankreich, Island, Australien (sie wohnt schon 7 Jahre in UK), Belgien und ich aus Österreich. Es war einfach ein richtig tolles Treffen!!!!

    Ich finde es schade, dass kaum mehr echr handgeschrieben Briefe geschrieben werden...
    Liebe Grüße
    Martina
    http://martinasbuchwelten.blogspot.co.at/

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    1. Oh, wow! Das hört sich herrlich international an. :) Ich finde es aber schön, dass sich so viele noch an tolle Ereignisse in Bezug aufs Briefe schreiben erinnern können. Vor allem ist es auch schön zu hören, dass das Interesse daran doch noch besteht. :)


      Liebe Grüße
      Karin

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  4. Ein toller Post! Ich schreibe unheimlich gern Briefe, mache es aber selber tatsächlich zu selten. Meistens wenn meine besten Freunde oder meine Großeltern Geburtstag haben, manchmal auch wenn ich im Urlaub bin und viel mehr schreiben möchte als auf eine Postkarte passt.
    Als ich jünger war, hatte ich sogar eine Brieffreundin, mit der ich sehr regelmäßig geschrieben habe. Manche der Briefe habe ich sogar noch, in denen wir uns auf Diddlpapier über Kaninchen und Us5 unterhalten :D. Leider ist der Kontakt aber irgendwann abgebrochen.

    Liebste Grüße,
    Cora

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    1. Ach Gott, ja das gute alte Didl-Papier. An die Zeiten kann ich mich auch noch erinnern! : D Ich hab auch noch in vielen Kisten alte Briefe, die man sich mit seinen Freunden so geschrieben hat. Viele davon sind zwar nicht wirklich ernst zu nehmen, aber der Sinn zählt ja. :D Da wurde dann alles noch mit dem typischen Lamy Füller verewigt, den alle haben wollten. Und es hat einfach immer wieder Spaß gemacht...


      Liebe Grüße
      Karin

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  5. Als ich deinen Beitrag gesehen habe, habe ich mich wieder daran erinnert, dass ich vor Kurzem einen ähnlichen Gedanken hatte. Ich finde, gerade in der heutigen Zeit sollte man doch ab und an zum Stift greifen und einen lieben Brief verfassen. Das entschleunigt allgemein und ich finde, es macht Spaß, die richtigen Worte zu finden und nur das zu schreiben, was einem wirklich wichtig ist. Ich denke, ich werde bald auch mal wieder einen Brief verschicken und freue mich dann hoffentlich, wenn ich einen zurück bekomme. :)
    Liebste Grüße, Anna

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    1. Man könnte ja sonst vielleicht auch überlegen, ob genügend Blogger Interesse an so einem Austauch hätten. :)


      Liebe Grüße
      Karin

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  6. Ein sehr schöner Beitrag, ich liebe es eigentlich Briefe zu schreiben. Bis vor drei Jahren hatte ich noch vier oder fünf Brieffreunde, dies hat leider nicht gehalten da entweder die Mädels zu wenig Zeit hatten oder ich. Seit ein paar Tagen überlege ich wieder, ob ich nicht einer guten Freundin einen Brief schreiben soll. Ich war umgezogen und wir haben leider nur sehr selten noch Kontakt, was ich schade finde.
    Liebe Grüße

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  7. Ein sehr schöner Beitrag, ich liebe es eigentlich Briefe zu schreiben. Bis vor drei Jahren hatte ich noch vier oder fünf Brieffreunde, dies hat leider nicht gehalten da entweder die Mädels zu wenig Zeit hatten oder ich. Seit ein paar Tagen überlege ich wieder, ob ich nicht einer guten Freundin einen Brief schreiben soll. Ich war umgezogen und wir haben leider nur sehr selten noch Kontakt, was ich schade finde.
    Liebe Grüße

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    1. Ja, das kenn ich ganz gut, dass man sich irgendwie unter Zeitdruck nicht dazu aufraffen kann, Briefe in aller Ruhe zu verfassen. Aber ich habe in letzter Zeit das Gefühl, dass man sich genau dadurch etwas die Entspannung zurückholen kann... :)
      Ich hoffe jedenfalls, dass es bei dir und deiner Freundin mit dem Briefaustausch wieder klappen wird.


      Liebe Grüße
      Karin

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