Wilkommen im Blue Moon Circus von Michael Raleigh

August 06, 2016







(Original: "The Blue Moon Circus"/ 2003) Übersetzer/in: Susanne Höbel, 445 Seiten, gebundenEinzelband,  ★★(☆) 3 bis 4 Sterne
"Ein rachsüchtiges Kamel, ein wiedergeborener Schlangenbeschwörer und ein arthritischer Zauberer sind nur einige der Protagonisten, die diesen Zirkusroman bevölkern - eine bunte Truppe, die in den zwanziger Jahren ihre abenteuerliche Tour durch den Mittleren Westen antritt.
Zirkusdirektor Lewis Tully ist fünfzig Jahre alt, als er es noch einmal wissen will. Allen bisherigen Niederlagen zum Trotz macht er sich ein vermeintlich letztes Mal daran, einen neuen Zirkus auf die Beine zu stellen. Es dauert eine Weile, bis er auf seiner Suche nach alten und neuen Schaustellern, nach kuriosen und originellen Zirkusnummern fündig wird. Die Truppe, die schließlich loszieht, besteht aus den liebenswertesten, wunderlichsten und verrücktesten Menschen und Tieren, die man sich vorstellen kann. "


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Charlie folgte den beiden Männern zu Lewis´ Wagen, einem alten Milchlaster, dessen hintere Doppeltür mit Eisenstangen zugehalten wurde. Der Wagen war gelb gestrichen, und auf den Seiten stand in blauen Buchstaben Lewis A. Tully´s Blue Moon Circus And Menagerie.
S.31

Zirkusgeschichten sind immer etwas sehr Spezielles für mich. Und doch ist es auch immer eine Gradwanderung dahingehend, ob mir das Buch dann am Ende durch die verschiedenen Eindrücke wirklich zusagt, oder eher nicht. Bei dieser Geschichte war es wirklich so ausgewogen, dass ich sagen kann, ich mochte es zum Teil, fand es aber auch noch deutlich ausbaufähiger. Trotz der vierhundert Seiten hat mir etwas "Besonderes" gefehlt, wie man es sich von einer Zirkuskulisse und den wohl außergewöhnlichen Protagonisten wünscht. Vieles wurde meiner Meinung nach öfters erwähnt und hat so, ab und an, für einen eher "trägen" Handlungsstrang gesorgt. Andererseits mochte ich dieses familiäre Gefühl, welches man deutlich spürt. Die Zirkustruppe ist zwar recht selbstständig in ihren Einzelheiten und den Künstlern, dennoch merkt man schon diese typische Zirkusstimmung. Leider hätte ich mir aber auch hier immer mal wieder etwas "Tiefgang" gewünscht. Viele neue Entwicklungen wurden nur kurz angedeutet und haben sich dann irgendwie etwas verlaufen oder wurden ganz schnell abgeschlossen, was mir dann etwas überflüssig rüberkam. Auch habe ich etwas diese "magische" Sprache vermisst. Alles wird sehr sachlich und nach einer einfachen Reihenfolge erzählt. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir gewünscht, dass es etwas bildlicher dargestellt werden würde oder dass zumindest eine packendere Absicht dahinter gesteckt hätte.

"´Ein Carillon.´ wiederholte Lewis, ´das ist ein Wagen mit einem Glockenspiel, damit die Leute den Zirkus schon aus großer Entfernung kommen hören  können. Gibt wohl kaum mehr als ein Dutzend in der ganzen Welt, und dieser hier, das ist meiner.´S. 72

Trotz der Kritikpunkte kann ich aber auch nicht sagen, dass ich das Buch schlecht fand. Es ist aber definitiv eher darauf ausgelegt, das Buch über eine längere Passage und mit viel Ruhe zu lesen, auch wenn hektische Momente im Zirkus an der Tagesordnung stehen. Ich persönlich habe auch etwas Zeit gebraucht, weil ich wusste, dass die Geschichte nun mal kein Thriller oder Ähnliches ist. Gefallen hat mir aber sicherlich unter anderem ganz gut, dass zwei Beziehungen sehr gut dargestellt wurden. Zum einen zwischen dem Protagonisten Lewis und seinem besten Freund Shelby, und auch die Beziehung zwischen Lewis und dem kleinen jungen Charlie. Beide haben sich konstant durch die Geschichte gezogen und haben so immer mal wieder eine kleine Entwicklung aufgezeigt. Auch die sehr ausgefallenen Auftritte der Künstler sind mir im Gedächtnis geblieben, wie auch die manchmal wildgewordenen Tiere. Hier fand ich es ganz unterhaltsam, dass auch einige Gedankenfetzen des Kamels "Sheba" offengelegt wurden. So hat man durchaus auch eine kleine Vorstellung davon, wie sich die Zirkustiere in der ein oder anderen, wenn auch nicht so schönen, Situation fühlen müssen. Die Idee, die Geschichte beinahe so enden zu lassen, wie sie begonnen hat, fand ich ebenfalls sehr gelungen. So hat die Erzählung stets etwas Realistisches an sich und sorgt nicht für diesen "alles ist wunderbar und es gibt keine Probleme oder Hürden mehr" - Moment.

"Draußen waren entfernt ein paar Stimmen zu hören - seine Truppe, die sich für die Nacht zurückzog, vielleicht auch noch ein paar Leute aus der Stadt, die den Abend nicht beenden wollten, als könnten sie so die Vorstellung festhalten, den einen Abend in ihrem Leben, an dem sie etwas Außergewöhnliches erlebt hatten." S.268
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Ganz nette Geschichte, über einen sehr bunten, ausgefallenen und stets besonderen Wanderzirkus, dessen Protagonisten einen unterhalten. Ab und an hat es für mich einige Schwachstellen und langatmige Passagen gegeben, im Großen und Ganzen verspürt man aber doch eine gewisse Begeisterung für die Geschehnisse im Zirkus. Strapazen und Machtkämpfe zwischen dem Lewis A. Tully´s Blue Moon Circus und anderen Rivalen stehen an der Tagesordnung und das zu der Zeit von 1926, was noch eine ganz besondere Atmosphäre versprüht. Dennoch ein eher "ruhiger" Roman.



1 Kommentar:

  1. Hey,
    das Cover hat mich irgendwie magisch angezogen und mich auf den Beitrag geholt. Ein so wundervoll aussehendes Buch. Echt schön und ich finde es passt auch um Thema Zirkus. :D Gefällt mir wirklich gut.
    Ich bin zwar nicht besonders für Geschichten zu haben, die in so weit vergangener Zeit spielen, aber es hat mir sehr viel Spaß gemacht deine Rezension zu lesen. :) Danke dafür.

    Liebst, Lotta

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