Ein Engel zum Verlieben von Greg Kincaid

Juli 02, 2016









(Original: "Tantric Coconuts"/ 2014) Übersetzer/in: Angela Schumitz, 320 Seiten,  BroschurEinzelband,  ★★() 3 bis 4 Sterne
"Angel Two Sparrow, Indianerin aus einem Reservat in South Dakota, und Teddy Day, Anwalt aus Kansas, könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Angel ihre Freiheit liebt und als spirituelle Beraterin mit einem klapprigen Bus durch die Lande tourt, ist Ted grundsolide und kümmert sich nach einer gescheiterten Ehe ausschließlich um seinen Job. Als er auf Drängen seines Großvaters endlich wieder mal Urlaub macht und sich mit einem alten Wohnmobil auf die Reise begibt, passiert es: Auf einem Campingplatz stoßen ihre Wagen zusammen. Angel und Ted lernen sich im wahrsten Sinn des Wortes Knall auf Fall kennen – wobei nicht nur ihre Autos, sondern auch zwei Welten aufeinanderprallen. Schon bald aber merken sie, dass Gegensätze sich auch anziehen können. Und so entwickelt sich eine höchst turbulente und abenteuerliche Liebesgeschichte …"


MEINE MEINUNG | FAZIT

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´ Ich liebe und achte ihn sehr, und seine Stimme ist eine gute Stimme, aber im Grunde geht es nicht darum, die richtige Stimme, sondern unsere eigene innere Stimme herauszufiltern und die anderen zu überhören.´S.51

Ich muss tatsächlich sagen, dass ich mir, als ich den Klappentext durchgelesen habe, eine ganz andere Geschichte vorgestellt habe. Der Aspekt dieser Liebesgeschichte zwischen den Figuren Angel und Ted geriet für mich zwischenzeitlich immer weiter in den Hintergrund. Sie diente beinahe nur als Gerüst, für das, was der Autor vielleicht zu Papier bringen wollte. Im Fokus stehen nämlich eindeutig, die von Angel angestrebten Schritte, um den Menschen die gewissen Ansätze zu einem "bewussteren und glücklicheren Selbst" nahezulegen. Über sehr lange Passagen hinweg wird der Leser also mit unterschiedlichen "Schritten" konfrontiert, die an Methoden verschiedener Glaubensrichtungen angelehnt sind. Dadurch wirkt die Geschichte ganz stark, wie ein Crashkurs der verschiedenen Weltreligionen und deren Ansichten, wie auch der doch sehr spirituellen Suche nach sich selbst. Löst man sich also komplett von der Annahme, dass das Buch eine total romantische Geschichte erzählt, dann kann man sogar recht nette Ansichten aufschnappen und eine gute Lesezeit haben. Zusätzlich zu diesem Hauptthema greift das Buch aber eben auch die Beziehung der Figuren auf, aber eben nur sehr nebensächlich und kompakt. Hinzu kommt eine kleine Nebenhandlung, um eine gewisse Spannung in das Ganze zu bringen. Dabei handelt es sich um einen Mordfall, der besonders für Angel eine wichtige Rolle spielt. Diesen Einschub fand ich ganz gut, da man zwischendurch immer von den recht langatmigen Passagen rund um die Weltansichten, Abstand gewinnen konnte und es etwas "lockerer" wurde. Ein wirklich schlüssiges beziehungsweise tiefsinniges Ende konnte ich nicht ganz ausmachen, da mir die eigentlichen Schritte, die Ted in Angriff nimmt, etwas losgelöst von allem schienen und mir auch diese rasche Begeisterung von ihm etwas unglaubwürdig schien. Nichtsdestotrotz habe ich mich ganz gut unterhalten gefühlt.

"´Gewöhnlich stehen gute Dinge großartigen Dingen im Weg.´S. 54

Über die Figuren an sich kann ich nicht schlechtes sagen. Ich mochte beide Charaktere und empfand sie auch als, zu sich ergänzend. Wobei mir Angel an manchen Stellen doch eher wie die Tochter von Ted vorkam. Ich persönlich fand es ganz süß, dass die Hunde der beiden Protagonisten immer mal wieder vorkamen und sie als wichtige Stütze dienten. Das verlieh dem ganzen eine nette Atmosphäre. Gelungen fand ich ebenfalls, dass der Schauplatz sich immer mal wieder ändert und die beiden nicht nur auf einem Campingplatz verweilen, sondern sich wirklich auf die Vielfalt der Natur beziehen. Hat natürlich alles einen sehr Hippie-mäßigen Touch, aber so als Sommerlektüre oder als Abwechslung zu den gängigen Luxus-Apartment- Stories, fand ich es ganz angenehm. Der Schreibstil hat mich zeitweise doch recht überrascht. Die Geschichte beginnt ganz simpel und man erwartet keine komplexen Gedankengänge und wird dann ab etwa der Mitte, mit doch recht, manchmal sogar etwas verwirrenden, Methoden und Ansichten konfrontiert. Das führt natürlich zum einen dazu, dass man sich von der leichten Lektüre löst, zum anderen, dass man sich eben doch mit etwas komplexeren Themen beschäftigt, als nur mit einer simplen Liebesgeschichte. Ich mochte zudem, dass der Leser dadurch, Dinge, die in der heutigen, sehr materiellen Welt, eher belächelt werden, mit etwas anderen Augen sieht und diese buddhistischen Ansätze und die Wichtigkeit der Träume etwas anders wahrnimmt. Soll heißen, dass man für kurze Zeit vergisst, dass man in einer Welt lebt, die geprägt ist durch ständigen Egoismus und den Drang alle möglichen iPhones etc. besitzen zu müssen.

"´Er hat mir geholfen zu verstehen, dass wir eigentlich gar kein Gott-Problem haben, sondern eher ein Wissensproblem. Wenn man versucht zu begreifen, worum es bei Gott geht, ist es, als würde man versuchen, mit Hilfe eines Mikroskops eine Ente zu finden.´" S.83
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Beachtet man, dass es sich nicht um eine angedeutete, kitschige Liebesgeschichte handelt, sondern um konkrete Ansichten und Konzepte in Bezug auf verschiedene Lebensweisen, die mit den religiösen und spirituellen Methoden einhergehen, dann kann man die Geschichte besser genießen und sich darauf einlassen. Es geht um Werte, persönliche Wahrnehmungen und die Weltanschauung. Die Liebesgeschichte an sich nimmt kurze Passagen ein und ist zudem durch eine kleine Nebenhandlung erweitert worden, die sich mit einem Mordfall beschäftigt. Ganz nett für zwischendurch, auch wenn die Ansichten, die geschildert werden, zeitweise etwas langatmig scheinen. Alles in Allem ist es aber dennoch eine ganz süße Geschichte und verweist gleichzeitig auf die Engstirnigkeit der Menschen.





























Vielen Dank an den Goldmann Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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