Nehmen wir Bücher als zu selbstverständlich wahr?

Juni 18, 2016








Das Medium "Buch" existiert schon seit etwa 1450, dem Jahr der Erfindung des Buchdrucks. Allerdings herrschte schon zu Zeiten der alten Römern, Griechen und Ägyptern, die große Nachfrage und Beliebtheit, Gedanken in schriftlicher Form festhalten zu wollen. So wurden die "einfachsten" Materialien genutzt, um dies umsetzen zu können. Die Anfänge wurden also auf Papyrusrollen gemacht. Bis hin zum heutigen Buch sind demnach viele Entwicklungen zu verzeichnen. Nicht nur in Hinblick auf die eigentliche Herstellung, sondern vielleicht auch auf unser eigenes Verhalten den Büchern gegenüber. Ich würde gerne drei Aspekte anführen, die meine, immer häufiger auftretenden Gedanken zu diesem Thema, ein wenig widerspiegeln. Denn zunehmend frage ich mich, ob wir, durch den "Luxus" den wir durch die überall zugänglichen Bücher haben, gar nicht mehr wahrnehmen, wie wertvoll dieses Medium ist. 

1. Bäume als Material
Für uns ist es heute selbstverständlich und man scheint gar nicht mehr darüber nachzudenken, wie viele Bäume für Bücher gefällt werden. Allein für die Harry Potter Bücher, sollen laut Angaben, ganze 6,5 Millionen Bücher benötigt worden sein ("Times Magazine" ca. Stand von 2003). Mittlerweile wird darauf geachtet, dass man fleißig recycelt und nicht unnötig Bäume als Material dienen müssen. Eigentlich ein guter Fortschritt. Dennoch denke ich häufig darüber nach, wie viel Natur dennoch dafür genutzt wird, um uns die Möglichkeit zu bieten, gewisse Dinge als Buchform vor uns liegen zu haben. Vielleicht ist es gerade dieser Aspekt, der mich auch immer dazu verleiten lässt, meine Bücher nicht zwingend rumzuschmeißen. Durch unsere fortschrittliche Technik nehmen wir gar nicht wahr, wie aufwendig damals die Herstellung eines Buches war und nehmen das Buch auch oft gar nicht als "Baum" mehr war, sondern eben nur als Endprodukt. 

2. Nach dem Kauf verliert das Buch an materiellen Wert
Jeder kennt es. Man hat sich ein Buch für einen recht ordentlichen Preis gekauft (knapp zwanzig Euro, das sind immerhin vierzig Mark), lesen es und stellen vielleicht fest, dass es uns nicht richtig zugesagt hat. Nun, bei Technik, Anziehsachen oder Ähnlichen Dingen würde man in vielen Fällen oftmals beinahe den Gesamtpreis zurückbekommen. Bei Büchern sieht das ganze etwas anders aus. Versucht man die Bücher zu verkaufen, so stellt man fest, dass man vielleicht, wenn man das Buch wirklich gut behandelt hat und es kaum Gebrauchsspuren aufweist, vielleicht die Hälfte des Einkaufspreises bekommt. Das aber auch nur im Idealfall. Hinzu kommen dann eventuell noch die Versandkosten, die man zahlen muss, um die Bücher "loszuwerden". Man hat oftmals das Gefühl, dass es sich gar nicht rentiert. So sucht man sogar Möglichkeiten, um die Bücher dann letztendlich kostenlos an jemand anderes weiterzureichen oder sie in einen offenen Bücherschrank zu stellen (die Bücherschränke finde ich übrigens wirklich gut!). Wieso verliert ein Buch aber nach einmaligem Lesen so an Wert? Es ist zwar nicht mehr eingeschweißt, ist aber dennoch dasselbe Buch. Ich persönlich gehöre zwar auch zu den Menschen, die neue Bücher bevorzugen, ich gebe es zu. Aber das liegt größtenteils daran, dass ich sehe, dass viele gebrauchte Bücher schlichtweg in einem schlechten Zustand sind. Nun könnte man natürlich wieder argumentieren, dass man gebrauchte Bücher kaum zu einem hohen Preis verkaufen kann, da man sich direkt ein neues Buch kaufen könnte. Und genau da liegt das Problem. Jeder ist in der heutigen Zeit in der Lage sich jederzeit und überall, sei es durch lokale Buchhandlungen oder die großen Internetanbieter alles zu kaufen, was er möchte. Es gibt einfach kein Hindernis mehr, sich das Buch zu kaufen, was man gerne möchte. Für mich ist das ein Aspekt, bei dem man sich wirklich ständig im Kreis drehen könnte. Man will den Büchern den angemessenen Wert zusprechen, den sie haben (gebraucht und in gutem Zustand), muss aber einsehen, dass es heutzutage unmöglich ist, zu verlangen, gebrauchte Bücher zum gleichen Preis zu kaufen, wie neue, wenn diese überall gekauft werden können.

3. Bücher in Kriegsgebieten?
Auch dieser Aspekt hat mich vorwiegend zu diesem Post inspiriert. Neulich hat das Community-Portal "Was liest du?" einen sehr interessanten Beitrag veröffentlicht. Diesen findet ihr hier. Kurz noch einmal erläutert, geht es um die aktuelle Lage am Gazastreifen und den Traum eines jungen Mannes, dort eine Buchhandlung zu eröffnen. Als ich diesen Beitrag gesehen habe, kam mir sofort der Gedanke, dass wir tatsächlich so übersättigt und so selbstverständlich annehmen, dass Bücher überall sind und jeder sie lesen kann. Aber die Menschen in den Kriegsgebieten haben nur sehr wenig, geschweige denn Bücher. Für mich ist es schon ein sehr bedrückendes Gefühl, wenn ich überlege, wie wir Bücher lesen und sie dann einfach wegwerfen oder sie gar nicht als wertvolles Gut ansehen. Wir lesen sie gemütlich in unserem Lieblingssessel oder unserem Bett und haben das Gefühl, dass alle so lesen. Für viele trifft das sicherlich auch zu, aber wenn ich an die Leute in Kriegsgebieten denke, die ebenfalls die Leidenschaft zu Büchern teilen, sie aber nicht verwirklichen können, dann nehme ich Bücher sicherlich noch einmal mit anderen Augen wahr. 

Man kann das sicherlich ganz anders sehen und sagen, dass es durchaus wichtigere Streitpunkte gibt, als darüber zu diskutieren, wie wichtig Bücher nun (auch rein materiell) sind. Aber ich finde, wenn man die Liebe zu den Büchern gefunden hat, sollte man sich auch ein wenig mit diesen Seiten auseinandersetzen. Vielleicht auch das, was man besitzt und was heutzutage möglich ist, zu würdigen und zu schätzen. 



Kommentare:

  1. Sehr schöner Post!
    Ich muss gestehen, dass ich bislang noch gar nicht darüber nachgedacht habe, du mich nun aber umso mehr zum Nachdenken angeregt hast.
    Nehmen wir Bücher als zu selbstverständlich wahr? Ja, vielleicht. Ich glaube, wir nehmen fast alles, was wir besitzen als zu selbstverständlich wahr, weil es uns so gut geht, aber das länger auszuführen würde zu weit vom Post wegführen.
    Bei deinem Post musste ich vor allem an die vielen ungelesenen Bücher denken, die sich bei den meisten Buchbloggern Zuhause stapeln. Dass wir Bücher einfach nur besitzen wollen, um sie dann hinterher doch nicht zu lesen, weil es einfach zu viel ist und wir immer mehr haben wollen.
    Und ich musste daran denken, wie sehr Bücher auch einfach nur Prestigeobjekte sind und der Inhalt manchmal gar nicht mehr zählt. In den Känguru-Chroniken (falls du die kennst) gab es doch auch den Witz, Bücher nach dem Platz, den sie im Regal einnehmen, zu verkaufen (ich hab's nicht mehr ganz genau im Kopf). Dabei zählt das Buch doch gar nicht mehr wirklich als Buch, in dem eine Geschichte oder kluge Gedanken stecken, sondern nur noch als schöne Deko.

    Wir sollten uns wirklich mehr darüber im Klaren sein, dass Bücher nichts Selbstverständliches sind und wir froh sein können, so leicht daranzukommen und so viele Geschichten und Gedanken kennelernen zu können.

    Liebe Grüße
    Chrisi

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    1. Vielen Dank für deinen schönen Kommentar! : )
      Leider kenne ich die Känguruh-Chroniken noch nicht. Aber den Gedanken finde ich ganz interessant! Ich kann nicht leugnen, dass ich auch manchmal aus den Augen verliere, dass nicht jeder die Möglichkeit hat, alles zu lesen, was er gerne würde, aber ich glaube, dass ich dennoch immer schätze, dass Bücher etwas Besonderes sind. Bücher können eben auch als Hingucker dienen und auch räumlich etwas verschönern. Das finde ich auch gar nicht verwerflich (natürlich nachdem man das Buch idealerweise auch gelesen hat). Aber ich finde, man sollte es eben schätzen, dass Bücher aus gewissen Rohfstoffen hergestellt werden etc. : ) Es liegt aber tatsächlich, glaube ich, an diesem ganzen Überfluss. Nicht nur bei Büchern, sondern auch bei Lebensmitteln oder Ähnlichem.


      Liebe Grüße,
      Karin

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  2. Liebe Karin,

    ich finde es toll, dass du deine Gedanken zum Medium Buch mit uns teilst. Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich mache mir schon von Zeit zu Zeit Gedanken darüber, in letzter Zeit ganz besonders über den Rohstoff Holz/Baum. Ich habe mich bisher allerdings noch nie über genaue Zahlen informiert, aber wenn du schreibst, dass allein für die Harry Potter-Bücher ganze 6,5 Millionen Bäume gefällt worden sind, erschreckt mich das nicht nur, das bricht mir sogar das Herz. Das ist unfassbar viel und wenn ich daran denke, dass das Fällen wegen der Bücher "fröhlich" so weitergeht (und immerhin braucht ein Baum mehrere Jahrzehnte, bis man ihn für diese Zwecke fällen kann), dann stört es mich plötzlich überhaupt nicht mehr, nur mehr gebrauchte Bücher zu kaufen, oder E-Books zu lesen! Die Bäume sind die Lunge unseres Planeten und ohne ihnen würde uns eines Tages die Luft ausgehen, wenn wir so weitermachen. Verhindern können wir das nur, wenn wir unser egoistisches Konsumverhalten hinterfragen bzw. aufwachen und bewusster werden ...

    Danke für deinen Post, der hat mich nun wirklich dazu bewegt, mich näher mit der Thematik auseinanderzusetzen und meine eigene Einstellung zum Buchkauf zu überdenken!

    Alles Liebe ♥,
    Janine

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    1. Zudem war das der Stand aus 2003, 13 Jahre später hat es wohl noch etwas mehr Bäume gebraucht... : ). Es ist einfach ein sehr schwieriges Thema, wie ich finde. Ich kann ebenfalls an vielen Stellen nur den Kopf schütteln, wie sehr wir nur an unsere eigenen Bedürfnisse denken und dann die folgenden Generationen ausblenden (zu denen auch unsere Kinder / Enkelkinder gehören werden). Daher bin ich deutlich dafür, dass man vor allem mehr auf das "Recyceln" setzt. Wenn ich mir auch ansehe, wieviele unnötige Prospekte tagtäglich ins Haus flattern, dann "nervt" mich das auch ein wenig. Ich kann aber eben auch nicht wirklich leugnen, dass mich nicht auch manchmal die Lust auf einen großen Bücherkauf packt. : /


      Liebe Grüße,
      Karin

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  3. Liebe Karin ♥

    Eigentlich wollte ich gerade meinen Laptop schließen und zu Lesen beginnen, aber dann dachte ich mir ich werfe noch einen kurzen Blick auf mein Dashboard und so bin ich auf deinen Beitrag gestoßen. Er gefällt mir wirklich unglaublich gut. ♥ Du musst wissen, das ich erst gestern meine mündliche Matura hatte und eine der zwei Prüfungen im Fach 'Umwelt & Wirtschaft' absolviert habe. Deshalb habe ich mich mit dem Thema Umwelt und anthropogene Einflüsse sehr beschäftigt und war wirklich geschockt so konkrete Fakten vor den Augen zu haben. Gerade weil unser Planet so groß ist, nehmen wir gar nicht war wie er langsam aber sicher immer kaputter wird bzw. verdrängen wir es einfach. Solange noch alles in Ordnung ist, wird es viele Menschen geben die sich darüber keinen Kopf machen. Doch wenn wir alle einsehen was wir unserem Planeten angetan haben, wird es bereits zu spät sein. :(
    Ich kaufe immer sehr gerne gebrauchte Bücher und stöbere auch gerne bei Flohmärkte, da es mich glücklich macht ein "ungewolltes" Buch bei mir zuhause aufzunehmen und ihm einen Platz in meinem Bücherregal zu geben.

    Heute habe ich auch das Buch "Das verborgene Mädchen" von Maria Toorpakai beendet. Sie kommt aus Pakistan und hat sich in ihrer Kindheit als Junge ausgegeben um unabhängig zu sein. Ihre Eltern haben sie sehr dabei unterstüzt. Sie begann erfolgreich Squash zu spielen und wurde sogar ein Profi. Doch seit herauskam dass sie ein Mädchen ist, bekommt ihre Familie von den Taliban Todesdrohnungen. Es ist ein biografischer Roman in dem wirklich erschreckend unverblümt über die Lage in Pakistan geschrieben wird. Der ständigen Todesangst und den Bomben die überall lauern. Falls du das Buch nicht kennst, kann ich es dir wirklich nur ans Herz legen! ♥

    Ein wundervoller Beitrag!
    Alles Liebe,
    Jasi ♥

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    1. Oh, ich hoffe deine Prüfungen sind alle gut gelaufen?! : )
      Ja da hast du recht, man denkt einfach nicht mehr so weit im Voraus, sondern denkt immer an "ich will das j e t z t haben" etc. Es ist wirklich schade und ich hoffe, dass man da etwas gegensteuern wird.

      Das Buch und das Schicksal des Mädchens kannte ich tatsächlich noch nichts. Vielen Dank für den Buchtipp!

      Liebe Grüße,
      Karin

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  4. Das ist ein toller Gedankenanstoß! Manchmal muss man sich echt mehr vor Augen führen in was für einem Luxus man lebt und wie man wenigstens kleine Gesten an andere Menschen, die weniger haben, weitergeben kann. In letzter Zeit denke ich vermehrt über Umweltverschmutzung nach und auf die Sache mit den Büchern aus Bäumen bin ich noch gar nicht gekommen (klar war mir das schon, aber ich hab einfach nicht drüber nachgedacht), das ist ja fast ein Plädoyer für's eBook ;) Nur dass man da wahrscheinlich genauso gegen argumentieren kann von wegen Plastik (für die Geräte) und das ganze CO2, das wahrscheinlich ausgestoßen wird für die Produktion. Schwierig. Aber auf jeden Fall finde ich es wichtig, dass Bücher nicht einfach weggeschmissen werden, wenn sie einem nicht mehr gefallen (und wenn doch, weil alt oder kaputt, dann definitiv in die Papiertonne!). Ich bringe meine am liebsten zu Oxfam, die freuen sich immer riesig, v.a. wenn es mal was Aktuelleres ist.

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