Woody Allen - Ein ... Blick auf das Filmgenie von Natalio Grueso

April 28, 2016





(Original: "Woody Allen - El último genio" / 2015) 240 Seiten,  gebunden,  Einzelband |  ★★★★  5 Sterne

"Woody Allen ist einer der weltweit bedeutendsten Filmemacher und gilt als großer Intellektueller, dessen Werk Generationen von Cineasten bis heute beeinflusst. Als Komiker stellt man ihn in eine Reihe mit Charlie Chaplin und Groucho Marx. Natalio Grueso, mit Woody Allen in tiefer Freundschaft verbunden, zeigt ihn erstmals durch die Augen derer, die ihn näher kennen und mit ihm zusammenarbeiten. Für dieses Buch hat er Allens Frau Soon Yi, seine Familie, Bewunderer und Kollegen, aber auch ganz "normale" Leute befragt, wie etwa seinen Optiker oder den Barkeeper seiner Lieblingsbar."



MEINE MEINUNG | FAZIT

"Allen hat eine ganz typische Angewohnheit, er schnalzt mit den Fingern, wenn er etwas erzählt und zeigen will, dass er die Lösung gefunden hat. Zweifellos ein Überbleibsel aus seinen Zeiten als Zauberer
S.25

Woody Allen verzaubert heutzutage immer noch Menschen auf der ganzen Welt. Jedoch nicht in der herkömmlichen Weise, mit Zaubertricks, sondern durch seine Filme und seine nie endende Kreativität. Für viele ist er ein Vorbild, wie auch für Natalio Grueso. Man merkt dem Autor die Bewunderung für Woody Allen deutlich an, allerdings nicht auf eine nervende, fanatische Art und Weise. Was das Buch auszeichnet und wohl so geeignet macht, ist die Tatsache, dass Natalio Grueso und Woody Allen tatsächlich schon eine jahrelange Freundschaft pflegen. Dadurch bekommt der Leser einen wirklich guten Eindruck von dem "Genie", das sich hinter dem großen Leuchtschild und dem großen Regisseur "Woody Allen" verbirgt. Natalio schreibt zudem nicht nur über Woody Allen, er baut auch sehr viele Kommentare, Zitate und Anekdoten ein, die sie verbinden und die stärker verdeutlichen, in welchen Gedanken sich der bekannte Regisseur manchmal verirrt und was ihn wirklich beschäftigt. Gepaart mit einer geschichtlichen Verknüpfung und einigen philosophisch angehauchten Fragen an den Leser, wirkt das Buch viel gewichtiger, als bloß einem einzigen Mann ein Lobeslied zu singen. Grueso bezieht viele andere Größen des Filmemachens mit ein und impliziert gleichzeitig, dass auch das Thema "Kino" seine eigene Sparte verdient hat. So wird neben den biografischen Elementen deutlich auf die Entwicklung der Filme und der Gesellschaft eingegangen. Meiner Meinung nach war das eine wirklich gute Zusammensetzung, die den Leser nicht "abdriften" lässt. Ich habe die Seiten, in denen Natalio Grueso und auch Woody Allen von den "damaligen" Kinos und Filmen schwärmen mitunter am meisten genossen. Man merkt beiden die Liebe zur Arbeit an und wünscht sich, dass dieser "schöne Schein" des Films manchmal auf das eigene Leben abfärben könnte, nur um den Alltagssorgen für einige Minuten entkommen zu können.

"Es mag ironisch klingen, wenn ich sage, dass ich Filme mache, die eine Fluchtmöglichkeit bieten, aber nicht für das Publikum, sondern für mich.." S. 33

Das Buch ist in mehrere Kapitel gegliedert, die eine angenehme Kürze aufweisen. Jedes Kapitel wird durch ein Bild von Woody Allen und einem passenden Zitat dessen, ergänzt. Für den Leser hat dies einen positiven Nebeneffekt, da man an den Bildern auch gleichzeitig die Entwicklung und die Charakteristika des Regisseurs sehen kann. Ich persönlich habe bei den vielen Filmtiteln und der, mit viel Begeisterung erzählten, Schilderung der Werke unheimlich Lust bekommen, diese Filme sofort zu schauen. Ich bin ein wirklich großer Fan des Films "Midnight in Paris" und fand es immer wieder schön, an einigen Stellen mehr über den Film erfahren zu können. Andere Filme hingegen werden einem durch das Buch erst richtig "schmackhaft" gemacht. Meiner Meinung nach ist das Buch also vor allem für Leser geeignet, die sowieso schon dem Charme und den Werken von Woody Allen unterlegen sind, sei es durch seine Filme oder seine Prosatexte. Das Buch geht zudem wirklich gut auf die Vergangenheit und die Anfänge von Woody Allen ein, was mir ebenfalls sehr gefallen hat. Und obwohl man das Gefühl bekommt, als sei er ein Alleskönner und als hätte er in allem Erfolg, kann man deutlich Woody Allens Bescheidenheit selbst, aus den Texten herauslesen. Es ist einfach spannend zu sehen, wie sich jemand, der von fast allen bewundert und geehrt wird und zudem noch das Glück hat, so ein Kreativer Mensch zu sein, selbst stets herausfordert und durch die "siebente Kunst", nämlich das Filmemachen, versucht, dem Gedanken an die Vergänglichkeit, zu entgehen.

"Es ist schon vierzig Jahre her, dass diese legendäre Einstellung gedreht wurde. Die Bank stand in der 59th Street, Ecke First Avenue. Ich suche sie, aber sie ist nicht mehr da. [...] Woody grinst, als ich ihm das erzähle. ´Da war nie eine Bank, die haben die von der Produktion dorthin gebracht.´ Das Leben ist schöner durch die Kamera-Augen eines Mister Allen." S. 11f.


Ein wunderbares Buch für alle Woody Allen Fans. Skizziert das Leben des bekannten und bewunderten Regisseurs, Autors und Schauspielers. Obwohl das Buch nur so von Woody Allens Stärken strotzt, ist es nie überheblich oder fanatisch. Es ist ein Werk, geschrieben von einem Freund, an einen Freund. Wie die Rückseite sagt: es ist eine Hommage, an einen sehr begabten Menschen, der sich selbst vielleicht am wenigsten zu schätzen weiß. Schön geschrieben und mit sympathischen Bildern und Zitaten gestaltet. Macht unheimlich Lust, einen Woody Allen Filmeabend zu veranstalten.




Kommentare:

  1. Danke für den tollen Tipp! Bei Woody Allen ist es bei mir immer so, dass ich entweder total von einem Film begeistert bin oder ihn absolut furchtbar finde. Annie Hall, eines seiner früheren Werke, ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme und das Drehbuch ist wahrscheinlich eines der besten, das je geschrieben wurde. Midnight in Paris fand ich auch sehr schön, die meisten seiner neueren Filme (mit ein paar wenigen Ausnahmen) haben mich allerdings eher enttäuscht.
    Die Biographie werde ich mir aber auf jeden Fall trotzdem mal ansehen. Zwar hab ich im Zuge meines Studiums schon einiges über ihn gelesen, aber das Buch scheint doch nochmal etwas anders zu sein.

    Liebe Grüße
    Jen

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    1. Ich finde es ganz interessant, dass du das sagst, denn im Buch wird das auch öfters beschrieben, dass manche Filme unfassbar gefeiert wurden, während andere eher weniger Beachtung bekommen haben. Dabei gab es auch Filme, bei denen Woody Allen dachte, sie seien das Beste, was er geschaffen habe, und andere fanden sie schrecklich... : D Da sieht man wohl einmal mehr, dass Jedes künsterlische Werk nur nach dem richtigen Publikum sucht...


      Liebe Grüße,
      Karin

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