Die letzte Freiheit von Georg Diez

November 27, 2015





(Original: -) von Georg Diez,  Berlin Verlag [klick],  124 Seiten, Klappenbroschur, Einzelband, ★★★  4 Sterne

Original-Klappentext: "Der Tod gehört zum Leben. Wer fragt, wie wir sterben wollen, fragt auch, wie wir leben wollen: frei, selbstbestimmt und autonom? Oder so, wie andere es wollen: verwaltet und bevormundet von Ärzten, Krankenkassen, Angehörigen? Es tobt ein ideologischer Krieg um die Frage nach dem guten, dem richtigen Tod. Allein der Mensch, um den es geht, spielt dabei oft keine Rolle. Will er sich helfen lassen? Muss er sich helfen lassen? Und was ist, wenn er sein Ende selbst bestimmen will? Gibt es dafür einen respektvollen, einen würdevollen Weg?" 


MEINE MEINUNG | FAZIT

"´Mir geht es richtig schlecht´. Er hatte das schon öfter gesag, es war die Art von Offenbarung, die erfolgreiche Menschen ab und zu gern machen, so scheint es mir, auch weil sie den Schmerz und den Schock genießen, der diese Nachricht anrichtet: bei ihnen selbst und bei denen, die sie damit überraschen." S. 9

"Die letzte Freiheit" ist keine leichte Kost und dennoch bleibt man nach beenden des Buches nicht mit einem völlig niederschmetternden Gefühl zurück. Das Thema des Freitods und der Sterbehilfe ist sicherlich eines der wohl umstrittensten in der Gesellschaft. Georg Diez setzt sich unteranderem genau damit auseinander. Wieso liegt es an der Gesellschaft, dass der selbstgewählte Tod eine solche Schande ist? Verschiedene Epochen werden kurz unter die Lupe genommen und in Hinblick auf das manchmal sogar romantische Bild des Selbstmords untersucht. Gleichzeitig wird auch der Begriff an sich erläutert und auch die verschiedenen Namen für die Sache an sich werden verglichen. Sprich wie unterscheidet sich der Blick der Gesellschaft, wenn man statt Freitod den Namen Selbstmord oder Suizid verwendet? Diez schafft es auf diesen wenigen Seiten seinen Standpunkt klar zu verdeutlichen. Er setzt sich für die Freiheit ein. Für die Freiheit des Menschen sein Leben so gestalten und beenden zu können, wie er es möchte. Unabhängig davon, wieviele Kosten man "verursacht" oder was von der Gesellschaft als Schande angesehen wird. Man merkt deutlich, dass dieses Thema Diez wohl nie losgelassen hat und auch nie loslassen wird weil es ein ständiger Begleiter für ihn ist. Kurze andeutungen an sein früheres Werk "Der Tod meiner Mutter" bekräftigen dies.

"Und das, im schwarzen Rechteck, sind die Suizide in Deutschland im Jahr 2013, 10 276 Menschen. [...] Und das, [...] das ist ein echter gesellschaftlicher Notstand. Das ist die Zahl der gescheiterten Selbbstmordversuche in Deutschland im Jahr 2013 [...] 493 355 Menschen. Alle 64 Sekunden ein Mensch." S.59

Um die Lage der Menschen zu verdeutlichen, die sich mit solchen Gedanken überhaupt beschäftigen, nutzt Dietz zum einen eine kleine Anekdote, die an einen Freund anschließt, mit dem er unterwegs ist und der sich ihm anvertraut hat. Unterbrochen werden diese Teile immer mit den Statistiken und bekannten Fällen der Menschen, die den Freitod gewählt haben. Es werden Tagebucheinträge dieser herbeigezogen um deren Situation und Gedanken zu verdeutlichen. Dadurch entstehen mehrere Perspektiven und verschiedene Bereiche, in die Diez eindringt. So verknüpft er diese persönlichen und gefühlsgeleiteten Beiträge mit der Macht der Politik. Wieso übt sie soviel Macht auf das eigene Leben des Einzelnen aus? Welche Gefahren scheinen sich dadurch zu entwickeln? Die dritte Komponente in dieser Angelegenheit bildet die Sicht der Religion. Wird der Freitod als Sünde angesehen? Lässt sich das in der Bibel überhaupt bestätigen? Es herrscht eine gut aufgebaute Struktur, die den Verlauf des Gedankens, die dieses Thema mit sich bringt gut in Einklang bringt. Verzichtet wird natürlich auch nicht auf die verschiedenen Stadien und Unterschiede, die sich in Bezug auf jeden Einzelnen, der davon betroffen ist, herauskristallisieren. Dazu gehört, dass sich Diez mit den Ängsten der jungen Leute, wie auch der alten Leute auseinandersetzt und versucht herauszufinden, was die Menschen wirklich dazu drängt, überhaupt in Erwägung zu ziehen, den Freitod zu wählen. Auch hier steht wieder das Problem des eigenen Willens dem Willen und der Ansichten der Gesellschaft gegenüber. Kritisch aber nicht zu sehr einnehmend schildert Diez seine eigene Meinung. Als Leser hat man natürlich seine eigenen Ansichten. Es ist aber sicherlich spannend zu sehen, wie jemand über das Thema denkt, der, man kann schon sagen, davon betroffen ist.

" Er wollte nicht sterben, aber wenn er schon sterben musste, dann so, wie er es wollte." S. 39
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Ein kleines Buch über ein wichtiges, wenn auch sehr bedrückendes Thema, welches erstaunlich viel vereint und anspricht. Ist zwar nachdenklich und "traurig", regt aber dazu an, dass man sich wirklich mit dem Thema auseinandersetzt und sich dennoch nicht niedergedrückt fühlt. Ist zudem sehr persönlich und für meinen Geschmack sehr gut geschrieben; nicht zu abschweifend und lässt den ein oder anderen vielleicht etwas mehr Verständnis für die Betroffenen aufbringen.





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