Auf Umwegen von Andrew Smith

November 04, 2015

























Titel: "Auf Umwegen" | Original:"100 Sideways Miles" | Autor/in: Andrew Smith | Carlen, Königskinder [klick]| Seitenanzahl: 336 | Hardcover | Einzelband | ★★★☆☆  3 von 5 Sternen

Original-Klappentext: "Finn berechnet die Zeit in Meilen, nicht in Minuten. So erklärt er sich die Welt und so überzeugt er sich davon, wirklich zu sein, nicht eine Romanfigur im Kult-Bestseller seines Vaters. Stets am Rande der Katastrophe – als Kind ist ein totes Pferd von einer Brücke auf ihn gefallen – hat Finn immerhin den besten Freund der Welt: den total irren, aber ganz vortrefflichen Cade. Und dann lernt er Julia kennen, das erste Mädchen, das er liebt.
Als Julia wegzieht bricht Finn das Herz. Zusammen mit Cade macht er sich auf eine Reise, die sie nicht – wie geplant – zum College ihrer Wahl führt. Ein unerwarteter Unfall macht sie zu ebenso unerwarteten Helden." 

MEINE MEINUNG | FAZIT

„Ich bin nicht der Einzige, der in einem Buch gefangen ist.“  S. 11

Andrew Smith hat mich mit seinem Buch "Winger" in den Bann gezogen. Doch das, was mich an "Winger" so fasziniert hat und was ich daran mochte, hat mir bei diesem Buch ein wenig gefehlt. Der Grundgedanke ist meiner Meinung nach unfassbar ausbaufähig. Die Frage nach dem "jugendlichen Gefängnis". In wie weit steht man immer in dem Schatten der Eltern, sofern diese einen Bekanntheitsgrad haben oder Ähnliches. Auch die spielerischen Verknüpfungen bezüglich der Metaphorik, wie zum Beispiel der Einbruch in ein Gefängnis, welches sich natürlich wunderbar auch auf die Gefühlswelt des Teenagers Finn, dem Protagonisten übertragen lässt. Leider war mir die Geschichte am Ende doch etwas zu "unglaubwürdig", in wie weit eine ausgedachte Geschichte eben unglabwürdig sein kann und ich fand es doch etwas zu jugendhaft für meinen persönlichen Geschmack. Es werden außerdem viele Themen immer mal wieder angesprochen, die Finn in irgendeiner Weise beschäftigen, aber alles verläuft irgendwie ins Nichts. Mir hat ganz einfach der Funke gefehlt, der diese Geschichte so speziell macht, wie eben "Winger". Mir hat sogar das kurze Nachwort von Andrew Smith mehr Gefühle vermittelt, als manche Passage. Aber es gab natürlich auch viele schöne und auch gut umgesetzte Ideen, die in diesem Werk vorkommen.


"´Du magst was an mir´, fragte ich. ´Wie du immer denkst, dass wir uns so und so weit im Weltraum bewegen.´ […] ´Ich finde es echt was Besonderes, dass du mir klargemacht hast, was das für Weiten sind, durch die wir uns bewegen.´“ S. 116

Ich mochte vorallem die Charaktere. Jeder für sich war sehr individuell und hat einen wunderbar eigenen Esprit mitgebracht. Finn als Protagonist war gut gewählt, da er nicht zu überschwänglich war aber auch nicht vollkommen in den Hintergrund gerrückt ist. Mir gefiel seine Denkweise und die ungewöhnliche Eigenschaft, die Zeit in Meilen zu sehen. Dazu muss ich auch sagen, dass ich wahrscheinlich den englischen Originaltitel passender finde. Insgesamt fehlte mir aber einfach die "Tiefe". Das bezieht sich auf die Tiefe der Gefühle und generell die Tiefe der Intensität der gesamten Konstellation. Cade hingegen ist eine Sache für sich. Finns bester Freund sprüht nur so voller Elan. Mir gefiel vorallem die Passagen, in denen er sich mit dem Geschichtslehrer in einen gewissen Rivalenkampf begibt. Dies sorgte für einige lustige Momente. Finn und Cade als Duo sind auch unschlagbar. Ich mochte deren Zusammenhalt und deren feste "Rituale", die ihre Freundschaft stärken. Ich kann aber auch genauso wenig über die anderen Charaktere klagen. Jeder hatte etwas sympathisches oder interessantes an sich. 
Der eigentliche Kern und die eigentliche Aussage der Geschichte sind für mich etwas untergegangen. Es kamen wirklich viele Passagen vor, bei denen ich dachte: "Oh, jetzt passiert bestimmt etwas ganz wichtiges." Und im nächsten Moment schien es das irgendwie nicht mehr zu sein. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass sich mein Lesegeschmack anfängt zu verändern und das Buch daher nicht meinem persönlichen Geschmack, zu hundertprozent, entsprochen hat. Die Gestaltung bekommt von mir aber auch die volle Punktzahl. Auf dem Buchcover (nehmt man den Schutzumschlag ab) erkennt man ein Zeichen. Man stutzt zunächst, aber das Symbol wird nach einiger Zeit im Text erläutert. Wie bereits erwähnt finde ich den Grundgedanken rund um Finns Schicksal und seinen Zukunftsängsten, wie auch seinen alltäglichen Problem ansprechend. In der Umsetzung war es mir an wenigen Stellen einfach zu plump.

"Ich nehme an, dass Bücher manchmal das Leben nachbilden. Und manchmal bildet ein Buch ein Leben nach, das ein Buch nachbildet." S. 213

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Ein jugendliches Schicksal, geprägt durch einen ungewöhnlichen Unfall und die daraus entstandenen Schwierigkeiten und Ängste. Zauberhafte Idee, die mir in der Umsetzung nicht vollkommen gefallen hat. Die Charaktere, vorallem Cade sind dabei wirklich ein großes Plus. Einige Handlungen und Gedankenstränge sind mir etwas zu plump. Die Besonderheiten an Finn und seinem Leben fand ich aber wirklich interessant und lesenswert.








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