Tod in Weimar von Dominique Horwitz

September 08, 2015





(Original: "-" ) von Dominique Horwitz,  Knaus Verlag: Bibliographie auf der Verlagsseite >> , 286 Seiten, Hardcover,  ★★★(★)  3  bis 4 Sterne
"In der „Villa Gründgens“, dem Weimarer Alterssitz für Bühnenkünstler, wird die Probenarbeit des „Schiller-Zirkels“ jäh unterbrochen: Aus der greisen Theatergruppe stirbt unter mysteriösen Umständen einer nach dem anderen. Roman Kaminski, Kutscher und Stadtführer in der Goethe-Stadt, sieht sich gezwungen, der rätselhaften Todesserie auf den Grund zu gehen. Doch der ehrgeizige Kommissar Westphal scheint Kaminski in der Hand zu haben, der zu allem Überfluss auch noch zwischen zwei Frauen steht."

 
MEINE MEINUNG | FAZIT

 "Eine nette Gesellschaft. Irgendwie hatte sich Kaminski ein Altersheim etwas anders vorgestellt. Jedenfalls nicht wie die Seniorenversion einer Theaterkantine." S. 35

Kann eine aus Senioren bestehende Theatergruppe wirklich zu einer spannenden Geschichte beitragen? Ja, kann sie, dank Dominique Horwitz. Denn die "Greise" sind keineswegs gebrechlich und langweilig. Durch die Gründung ihrer eigenen Theatergruppe in der Villa Gründgens, welche ihren Sitz gleichzeitig in Weimar hat, erschafft Horwitz eine irrsinnig interessante Kulisse, welche zudem Schauplatz historischer Denkmäler ist. Doch nicht nur die Seniorengruppe hat es in sich. Alles um den Kutscher Roman Kaminski herum, scheint irgendwie etwas "durchgedreht" zu sein. Es gab meiner Auffassung nach keinen langweiligen Charakter in diesem Buch, vorallem nicht "Mucken-Michi", den neu ernannten Leiter der Theatertruppe und die Theatertruppe selbst. Beide sorgten für ständige "Lacher". Leider muss ich dazu sagen, dass ich "Frettchen", eine pubertierende Vierzehnjährige etwas zu überspitzt fand und mir der Charakter, nicht ganz zugesagt hat. Roman Kaminski hingegen fand ich als Protagonist wahnsinnig gut gelungen. Ich mochte die Anfangspassagen jedes Kapitels, die poetisch daherkamen und die danach von Kaminski bewertet wurden, ob sie für ein Buch geeignet wären. Ich mochte seine Art zu leben, wie er sich als Kutscher in Weimar durchschlägt und das ein oder andere Mal keine Geduld mehr für die Touristen hat. Auch die sich anbahnende Romanze zu Laura, einer Wirtin fand ich ganz süß. Dadurch, dass ich vor einiger Zeit selbst einmal in Weimar gewesen bin, konnte ich mir viele Orte sehr gut vorstellen, sodass man sehr gut in die Kulisse eintauchen kann.

"Alles in der Villa Gründgens hatte einen doppelten Boden, nichts war, wie es schien." S. 180

Die Mischung aus dem Alltagstrott des Kutschers und den merkwürdigen Vorkomnissen in der Villa fand ich ebenfalls gut umgesetzt. Es fehlt nicht an Spannung und auch nicht an Spekulationen. Die Todesfälle nehmen zunehmend etwas Makaberes an und werden durch viele sarkastische Textstellen untersützt, sodass der Leser meist über die Reaktionen der Senioren der Villa Gründgens den Kopf schüttelt und sich fragt, wohin das noch führen wird. Ich muss zugeben, dass mir einige Passagen einfach zu "gezwungen" wirkten, besonders wenn es um die schlüpfrigen Beziehungen unter den Bewohnern ging. Diese Textstellen finden viele Leser sicherlich amüsant und unterhaltsam, ich fand sie manchmal eher überflüssig. Grundsätzlich habe ich, als ich die ersten Seiten als Leseprobe überflogen habe, nicht mit solch einer Geschichte im Allgemeinen gerechnet. Zum einen dachte ich, wäre die Geschichte etwas  "ernster". Horwitz spielt aber wirklich mit der Verbindung aus traditioneller Stadt und wahrscheinlich auch den damit verbundenen "prüden" Werten und einer sehr modernen und auch vulgären Sprachweise, wie einer leichten Erzählweise. Es ist unterhaltsam und lädt aufjedenfall zum durchlesen an. Zum anderen habe ich eben erwartet, dass die Geschichte "nur" unterhalten soll. Sprich, dass kein wirklich ernster Hintergrund genannt wird, sondern der Kutscher als Hobbydetektiv in Erscheinung tritt. Obwohl dies der Fall ist, spricht das Buch und die Geschichte, auch einen sehr traurigen und sehr ernsten Punkt an, welcher aber erst zum Ende hin offenbart wird. Es gibt zwar schon am Anfang der Geschichte einige Anzeichen, jedoch wird der Leser wirklich erst am Ende über die Gründe und Vorgehensweise der Morde aufgeklärt [Man könnte jetzt sagen, "so gehört sich das auch!"].

"Einmal mehr war Kaminski abgestoßen von der blinden Hast, mit der sich die Menschenb für ihre Zukunft abstrampelten, ohne Rücksicht, ohne Gnade." S.198


Horwitz erschafft in diesem Buch interessante, sympathische und auch witze Charaktere. Die Szenerie rund um Weimar und auch die stellenweise poetische Erzählmethode tragen zu einer besonderen Stimmung im Buch bei. Der Mix aus Heiterkeit und Ernst ist gut umgesetzt. Leider haben mir einige, wenn auch kleine Sachen das Buch etwas schwächer werden lassen. 




Vielen Dank an den Knaus Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


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